Winnipeg - ein Mosaik

Reisebericht

Winnipeg - ein Mosaik

Reisebericht: Winnipeg - ein Mosaik

Umgeben von grenzenloser Prärie leben Menschen der unterschiedlichsten Herkunft auf engstem Raum beisammen. Ein Streifzug durch die kulturelle Vielfalt von Manitobas Hauptstadt.

Zentraler Treffpunkt

Winnipeg hat viele Gesichter - das merke ich vor allem beim Besuch von "The Forks" im Herzen der Stadt. Touristen aalen sich in der Sonne, ein Schwarzafrikaner ist in sein Gitarrenspiel vertieft, und im Hintergrund entdecke ich ein paar Tipis Schon das zweisprachige Hinweisschild zu diesem zentralen Treffpunkt "The Forks" und "La Fourche" lässt die kulturelle Vielfalt erahnen.



Die Mennoniten - Hello/Goden Dag

Sieben Kirchen beherbergt das 5000 Einwohner zählende Dorf Niverville. Hier und im naheliegenden Steinbach ist das Zuhause der Mennoniten. Vor allem die ältere Generation unterhält sich noch in "Low German". Obwohl diese Sprache Ähnlichkeiten mit Deutsch hat, habe ich Schwierigkeiten, sie zu verstehen. Da reden wir dann doch lieber auf Englisch weiter. Sonntagmorgens scheint das ganze Dorf auf den Beinen zu sein. Obwohl sie eine eher konservative Einstellung haben, ist der Gottesdienst alles andere als altmodisch: Mit fetzigen Liedern eröffnet eine Band den Gottesdienst. Die Kirche oder besser gesagt das Gotteshaus ist zum Bersten voll. Mit teils geschlossenen Augen singen alte wie junge Leute mit vollster Hingabe mit. Manche recken die Arme gen Himmel, manche tanzen. Ich kann die Anwesenheit Gottes geradezu erahnen, so bewegend und freudig ist die Zeremonie.
Andächtige Stille herrscht hingegen, als der Pastor seine Stimme erhebt. Immer wieder ruft jemand zustimmend "Yes". Der Pastor trägt keinen Anzug sondern schöne Alltagskleidung. Genauso schlicht ist auch das Gotteshaus eingerichtet. Einzig zwei Holzkreuze an der Wand und ein Rednerpult lassen erkennen, dass es sich hier um eine Kirche handelt. Auch multimedial sind die Mennoniten auf dem neuesten Stand: Die ansprechende Predigt des Pastors wird durch eine PowerPoint Präsentation unterstützt.
Eine für unsere Verhältnisse etwas befremdende Erfahrung muss ich trotz des großartigen Gottesdienstets in einer anderen Kirche des Ortes machen: Weil sie vor der Hochzeit schwanger geworden ist, muss sich eine junge Dame vor der gesamten Kirche entschuldigen. Tränenüberströmt bittet sie die Anwesenden um Verzeihung, die ihr diese dann auch gewähren. Trotzdem habe ich selten solch hilfsbereite Menschen kennengelernt.



Die Frankokanadier - Bonjour

Eisskulpturen beim Festival du...

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Niverville ist eine Insel umgeben von einem Meer frankokanadischer Ortschaften. Auch in Winnipeg's Stadtteil St. Boniface sind Französischkenntnisse von Vorteil. Mit einer gehörigen Portion Nationalstolz präsentieren sich die Frankokanadier. Die französische Prägung ist nicht zu überhören. Nichtsdestotrotz grenzen sie sich von ihren französischen und selbst ihren québekischen Genossen ab, und haben im Laufe der Zeit ihre ganz eigenen Traditionen und Sprache entwickelt.
So findet in Winnipeg vor allem das "Festival du Voyageur" großen Anklang: Am Ende des Winters werde ich von riesigen, kunstvoll geschaffenen Eisskulpturen begrüßt. Wer aufmerksam ist, findet so Biber, Geigenspieler und überdimensionale Teekessel in Eis verewigt. Die Eisbilder erinnern an die Kolonialzeit, als viele Franzosen als "Voyageure" Pelztiere jagten und mit den Indianern verhandelten. Zentrum des alljährlichen frankokanadischen Festivals ist Fort Gibraltar. Traditionelle Folklore-Musik tönt durch die klirrende Kälte und die Lagerfeuer geben dem Festival eine gemütliche Atmosphäre. Frankokanadische Musiker und Bands beweisen, dass es auch schöne französische Lieder gibt. In einem großen Zelt verkaufen Künstler ihr Handwerk. Zur traditionellen Kleidung des Voyageurs gehört ein rotes, besticktes Band, dass man sich um den Bauch bindet. Und überall kann ich die verschiedensten Eisskulpturen bestaunen.



Die Indianer - Tansi

Einmal an den hohen Wolkenkratzern von Downtown vorbei, dringe ich in nördlichere Gefilde der Stadt vor. Jenseits der Eisenbahnlinie erreiche ich das "North End": Man sieht fast nur Dunkelhäutige auf der Straße und die Häuser sind klein und heruntergekommen. Trotzdem wohnen dort teils riesige Familien. Im ärmlichsten Viertel der ganzen Stadt wohnen die einst so stolzen Indianer. Die meisten der Ureinwohner sieht man mit Whiskey und Plastiktüten in der Hand herumlungern.
Die Union Gospel Mission hat es sich zur Aufgabe gemacht, Obdachlose mit Essen zu versorgen und Alkoholabhängigen für ein paar Monate eine Unterkunft und Arbeit zu bieten, und ihnen so einen Weg aus der Armut zu zeigen. So habe ich die Ehre, mich mit einem Indianer vom Stamm der Cree unterhalten zu können. Was er erzählt, stimmt mich wirklich traurig. Die meisten Reservate sind heruntergekommen und verdienen ihr Geld durch Kasinos. Viele sind dem Alkohol verfallen. Einen kleinen Lichblick sehe ich, als er mir erzählt, dass einige ihre Traditionen noch an die Kinder weitergeben. Zum Abschied schenkt er mir ein Paar Socken mit einer Kanada-Flagge und eine Tasse. Angesichts seiner Armut fühle ich mich äußerst geehrt. Es macht mich wirklich fertig, diese liebevollen und naturverbundenen Menschen in einer so miserablen und aussichtslosen Lage zu sehen.
Schon ein paar Stunden bevor das Essen fertig ist, versammeln sich die ersten vor dem Missionsgebäude und warten, um ja noch etwas abzubekommen. Der Koch ist ein Jude. Er ist gut drauf und hat viel zu erzählen.

In einer Kinderbetreuungsstätte treffe ich einen Indianer vom Stamm der Assiniboine. Er erzählt mir von Schießereien auf der Straße. Manche der indianischen Kinder sind am Anfang sehr schüchtern und abweisend. Doch mit der Zeit werden sie richtig anhänglich. Die Kriminalität macht jedoch leider auch vor ihnen keinen Halt. Als ich meine Digitalkamera vermisse, erzählt mir ein Mädchen, dass ein anderes Mädchen sie gestohlen habe und ihrer Schwester gegeben habe. Wahrscheinlich wird sie sie auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Seitdem habe ich meine Kamera nicht wieder gesehen. Ich hoffe, die Mädels haben das so verdiente Geld wenigstens für etwas Vernünftiges ausgegeben.... Irgendwie vermisse ich die Kinder trotzdem.



Italiener, Chinesen, Ukrainer, Deutsche...

Natürlich darf auch Chinatown nicht fehlen in solch einer multikulturellen Stadt. Des Weiteren haben sich viele Italiener im sogenannten Stadtviertel "Little Italy" angesiedelt und man findet sogar Deutsche in der Bevölkerung. Auch Ukrainer sind ansässig, Afrikaner und Südamerikaner. Kurzum: In Winnipeg trifft man Leute aus der ganzen Welt. Trotzdem haben sie eines gemeinsam: Egal wie sie aussehen, egal welche Sprache sie sprechen und egal welche Kultur sie haben - alle sind sie waschechte Kanadier!


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Kommentare

  • INTERTOURIST

    Ich fahre nächste Woche nach Winnipeg und brauchte ein paar Tipps.
    Danke dafür.

    Grüße Jörg

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