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Reisebericht: Go North: Der Dalton Highway in Alaska
Eine Reise ins Herz der arktischen Tundra mit dem 4x4 Pickup
26.08.2009
Allgemeine Informationen
FACTS:
Zur Erschliessung und Versorgung der Erdölfelder in der Region Prudhoe Bay an der Beaufortsee und der Trans Alaska Pipeline wurde von 1974 eine 416 Meilen (670Km) lange Schotterpiste von Zentralalaska bis nach Deadhorse gebaut. Seit 1995 darf die Strasse in der ganzen Länge auch vom Privatverkehr befahren werden, eine von zwei Strassen auf dem Amerikanischen Kontinent die über den Polarkreis führen. Die Anfahrt erfolgt auf dem Elliot Hwy ab Fairbanks (84 Meilen, 134Km)
Auf nach Norden
Nachdem wir ein paar Wochen auf der Kenai-Peninsula und in Zentralalaska unterwegs waren, zog es uns mit aller Macht nach Norden, den legendären Dalton Highway hoch an die Beaufort-See war unser Ziel. In Fairbanks füllten wir unsere Vorräte beim Lieblings Supermarkt Fred Meyer bis an den Anschlag auf, genossen noch einmal eins der gigantischen „Hot Sandwiches“ und ein „Starbucks Cafe XXL“, bunkerten Wasser, Benzin und ein paar Biere. Als letztes machten wir einen Abstecher zum „Prospector Outfitter“ (1512 South Cushman Street Fairbanks, AK, extrem gefährlicher Laden für die Reisekasse!) für die warmen Unterhosen und was der moderne Globetrotter im hohen Norden sonst noch so braucht; dann konnte es losgehen.
Der fettige Frühstücks- Doughnut im Magen meiner Navigatorin war für den Hulla-Hop Elliott Highway nicht wirklich die richtige Grundlage. Die geteerte Strasse windet sich die bewaldeten Hügel hinauf und hinunter, wirft Wellen, schüttelt sich und lässt unsere „Saufende Berta“ (23l/100km!) bei 60 M.P.H. schlingern wie ein Krabbenfänger auf hoher See. Amerikanische Pickup’s der Sorte „Heavy-Duty“ sind zu fahren wie ein rollendes Sofa, megabequem aber bedingt durch die Blattfederung und der „Honeymoon-Suite“ auf der Ladefläche mit einer lausigen Strassenlage. Wir sehnen uns nach der straffen Härte unseres Landrovers, schaukeln aber tapfer stetig gegen Norden. Nach 84 Meilen (135Km) , biegt der Elliot Hwy (2, ab hier Schotter) nach Osten zur Manley Hot Springs ab, Richtung Norden beginnt der Dalton Hwy (11)
Gravel Road
Sobald unser Mustang Gravel unter den Hufen hat, ist sie in ihrem Element, filtert alle Bodenwellen aus und bügelt Schlaglöcher einfach weg. Lange Staubfahnen künden die Peterbilt- und Mack-Trucks von weitem an, man ist gut beraten bei Gegenverkehr sein Tempo zu drosseln und ganz rechts an die Strassenschulter zu fahren. Die Pisten-Cowboys fahren unter Zeitdruck und legen ein deftiges Tempo auf der Piste vor, es können schon mal faustgrosse Steine von den Rädern hochgewirbelt durch die Luft fliegen, tschüss Windschutzscheibe! Zu weit nach rechts darf man aber auch nicht ausweichen, - die Alaskaner nennen dies netterweise „Soft Shoulder“ – es droht der Überschlag. Taucht ein Truck im Rückspiegel auf, bedanken sich die Driver für unsere Rückzugsstrategie an den rechten Fahrbahnrand beim netterweise grossräumigen Überholen mit einem Grinsen und der Fanfare. Der Dalton ist nicht für die Touris gebaut, das ist eine Working-Road und wir sind nur Beigemüse.
Nach ein paar Meilen hat man aber den Dreh raus, die Breite der Strasse ausnutzen, seinen Weg zwischen den Schlaglöchern suchen und vor Kurven und Kuppen strikt rechts; so kann man entspannt durch die herrliche Landschaft cruisen und immer neue Bilder geniessen. Der Tempomat hat auf der Piste Pause, zu gefährlich bei diesem Untergrund. Unser iPod sorgt für die entsprechende Musik im Autoradio, links und rechts fliegen endlose Wälder vorbei und nach jeder Kurve tut sich ein neuer Horizont auf, fast wie im Autokino!
Wildcamp
Für uns Europäer sind die Dimensionen fast nicht begreifbar, ausser dem silbernen Band der Pipeline und der Road gibt es über hunderte von Kilometern kein Zeichen für die Einwirkung der Menschheit. Zu wissen, dass sich nach Osten und Westen endlos nichts als unberührte Wildnis erstreckt gibt uns ein gutes Gefühl, hier hat die Natur noch Platz.
Campingplätze sind hoch im Norden Alaskas dünn gesät, so ist die Suche nach einem Nachtlager nicht ganz einfach. Wir finden mit etwas Glück einen kleinen Pfad der von der Piste wegführt und nach ein paar hundert Metern an einem schönen See endet. Eine kleine Erkundungstour zu Fuss, ein lustiger Besuch von den Bibern, das Lagerfeuer und der schöne Sonnenuntergang runden den ersten Tag auf dem Dalton ab. Dunkle Wolken beim Einnachten lassen nichts Gutes erwarten, mal sehen was der nächste Tag bringt.
Muddy Times
Nachdem es die ganze Nacht geregnet hat, ist am Morgen die Piste richtig schön verschlammt und als Alternative zu der gestrigen Staubfahne ziehen wir nun eine Schlammschleppe hinter uns her. Die Piste wird zur Rutschbahn und die Kurven und Abfahrten lassen den Adrenalinspiegel im hohen Bereich rotieren. Fährt man zu langsam hat man als Rückmeldung am Lenkrad „Zäher Honig!“, geht man die Sache etwas forscher an meldet der Hintern „Alarm! Kontaktverlust bevorstehend!“ Selbst die Hardcore-Trucker sind heute etwas langsamer, mir macht die Sache langsam aber Spass… (Merke: Greift die Beste aller Navigatorinnen - Billy - nach dem Griff an der A-Säule biste zu schnell!) Wir sind ein tolles Team und wähnen uns zeitweise an der Rallye Berlin-Breslau. Der Scheibenwischer schaufelt das Nass zur Seite, wir erahnen arktische Wälder rundherum und befinden uns in einem eigenen Universum ohne Zeit und Distanzgefühl. Heute ist der Weg das Ziel, nur das GPS bestätigt das wir dem Etappenziel Yukon-Crossing näherkommen.
Yukon Crossing
Die Brücke über den mächtigen Yukon River ist die einzige in ganz Alaska die den Strom überspannt und war beim Bau eine grosse Herausforderung für das Konstruktion- und Montageteam. Vom südlichen Steilufer fällt die Brücke in einer steilen Rampe auf das gegenüberliegende flache Ufer ab, man sollte bei so rutschigen Verhältnissen den Rat „Use Low-Gear“ wohlweislich beherzigen. Das Roadhouse ist ein Muss, einerseits sind die Portionen nach Truckermass und nur hier bekommt man den Sprit für die Weiterreise. Auf dem Dalton hat es nur drei Tankstellen: Yukon Crossing (140Mi, 224Km ab Faibanks), Coldfoot (119Mi 190Km ab Yukon Crossing), Deadhorse (239Mi 382Km ab Coldfoot) Da die Pickups in den Staaten sehr schlechte Trinkgewohnheiten haben und die Gravelpisten ihren Tribut fordern, ist es ratsam wo immer möglich vollzutanken!
Zum Bau der Brücke, dem Hwy und der Pipeline hat es hier Infotafeln, lesenswert (Vis a vis vom Roadhouse unter der Pipeline durch)
Arctic Circle
Nachdem die Speicher bei Car und Besatzung wieder voll sind brauchen wir noch Frischwasser und eine Dumping-Station. Auf dem ganzen Dalton Hwy ist das "Dumping" offiziell nur bei "Five Mile" kurz nach Yukon Crossing möglich! Der öffentliche Campground (BLM) daneben lädt nicht wirklich zum Bleiben ein...
Wir schlingern weiter nach Norden, die Piste verläuft mal links, mal rechts neben der TASP und das Wetter wird langsam etwas besser. Einzelne Abschnitte sind recht steil, kein Wunder dass es v.a. im Winter immer wieder zu tödlichen Unfällen kommt. Unsere Bewunderung für die Truckdriver wächst bei jedem Kilometer, die Vorstellung bei -40°C im Schneesturm einen 40 Tönner hier durch zusteuern lässt uns Schaudern.
Es klart weiter auf und die Piste wird langsam trocken. Sobald wieder Sonnenlicht auf die Landschaft fällt kommen die schönen Farben des Arktischen Herbsts hervor, es locken die Wanderschuhe... Einfach wird das nicht, das Unterholz ist sehr dicht und Pfade hat es einfach keine. Wir bleiben immer in der Nähe der Strasse, sich hier zu verirren ist ganz schnell geschehen.
Viel besser geht das Wandern bei MP 98, Finger Mountain. Schon seit langer Zeit ist dieser Ort der Menschheit bekannt, es wurden in der Region Prähistorische Artefakte gefunden. Auf diesem Höhenrücken mit toller Aussicht bekommt man kalte Ohren, auf das Damenklo (Plumps wie immer) wurde geschossen. Die Pipeline wurde hier in den Boden versenkt, ob wegen der tollen Aussicht oder aus klimatischen Gründen wissen wir nicht. Der Landschaft tut dies jedenfall gut.
Bei MP 115 (60 Mi. 100km nach Yukon Crossing) überquert die Strasse den Polarkreis, hier hat es auch einen recht schönen BLM Campground mit Plumpsklo, kein Wasser.
Je nach Höhenlage verschwinden die Nordic Sprue ganz und die baumlose Tundra zieht uns mit magischer Schönheit in den Bann. So weit im Norden haben Wälder keinen kommerziellen Wert, wenn es brennt wird nur gelöscht bei Gefahr für die Pipeline. Im Freien pfeift uns ein eiskalter arktischer Wind um die Ohren, in Europa auf gleicher nördlicher Breite sorgt der Golfstrom für wesentlich milderes Klima.
Hier können wieder die Wanderschuhe montiert werden, tut gut die Beine nach vielen Pistenkilometern zu bewegen!
Persönliche Meinung von brandriba:
Wer den Dalton Hwy in Alaska und / oder den Dempster Hwy in Kanada unter die Räder nehmen will, sollte nach unseren Erfahrungen ein paar Dinge beachten.
Fahrzeug:
Optimal sind die grossen 4x4 Pickups mit aufgesetzter Wohnkabine (Truck Camper), mit den üblichen RV könnten v.a. bei nassen Bedingungen recht schnell Probleme entstehen, die meisten mehr
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Sehr schön beschriebene Fahrt auf diese "Strasse".
Mein Traum ist es auch nich immer mit ein Wohnmobil durch Kanada und Alaska zu reisen.
Ich möchte aber mein Enkelkinder mitnehmen und die sind noch etwas klein. Aber es teht auf meine Liste.
LG Anneken -
Ihr lasst die Sehnsucht in mir wach werden. Trotzdem weiß ich nicht ob ich wirklich den Mut dazu habe. Toller Bericht!!!!
LG Vera -
Eine erlebnisreiche Fahrt, die Du schön geschildert hast. Wir hatten so etwas nur in der Wüste erlebt mit anderen Extremen. Schöner Schreibstil, super Fotos!
LG Rolf -
informativ, witzig und interessant geschrieben!
es ist eine freude den bericht durchzulesen!! -
Sehr, sehr schön! Mehr davon!
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Erlebnisreiche Fahrt, unterhaltsam geschildert!
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Klasse Schreibstil und viele schöne Fotos, die uns ein bisschen an dieser Reise durch wundervollen Landschaft teilhaben lassen. Danke dafür!
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Ich kann mich den anderen nur anschließen: toll geschrieben! Das Lesen hat viel Spaß gemacht.
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Endlich hab ich die Musse gefunden, euch auf eurer abenteuerlichen Fahrt über den Dalton virtuell zu begleiten, es hat riesig Spass gemacht und das "Nordfieber" geweckt. Danke dafür!
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Kann mich den Vorrednern nur anschließen!
Schmunzelnd mitgereist!
LG Robert -
Hat richtig viel Spaß gemacht euch in die nördliche Weite zu folgen. Sehr ausdrucksstark und lebendig geschrieben mit traumhaften Fotos. Hatte beim Lesen die ganze Zeit 'Keep on rockin' in the free world' im Ohr und Fernweh im Herzen. Merci.
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Schöner und wirklich sehr unterhaltsamer Bericht... Danke für's Mitfahren.
LG Ursula -
Ich hab mich beömmelt ;-)))) SPITZE!!!!
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...toller Bericht, traumhafte Tour! Drücke die Daumen für´s "eisfreie" nächste Mal :-)
Gruß, Gudrun -
Das wäre auch mal etwas für uns. Wunderbar. Einsam und traumhaft schöne Landschaften. Ich habe beim Lesen viel schmunzeln müssen - sehr humorvolll geschrieben. Danke!
LG Berit -
Interessante Reise - toller Bericht. Das Lesen hat Spaß gemacht. lg Romy
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Etwas einsamer als der Carnevale war es schon :-))) Danke fürs "Mitreisen" Euch Allen LG Dani
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Danke fürs Mitreiesen lassen!!!! Wenn ihr das nächste Mal einen Stativträger braucht, sagt bescheid!!!!! :-)) lg Michael
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Was für ein interessanter, wunderbar kurzweilig geschriebener Bericht! Er hat mich an unsere Touren durch Kanada und die Staaten erinnert - und garantiert wird mir jetzt den ganzen Tag das Lied nicht mehr aus dem Kopf gehen, das da erzählt von "soft shoulders and dangerous curves"... :-))))
Danke! und LG
Beate -
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Es war ein Vergnügen mitzureisen. Ich wurde ein bisschen erinnert an eine USA-Reise vor vielen Jahren, diese Weite und es war überhaupt kein Problem, lange Strecken zu fahren, und ja, die Trucks gab es ähnlich auch im Südwesten. Aber Alaska muß etwas ganz besonderes sein.
LG Gabi -
Es hat Spass gemacht euch auf eure Reise Begleiten zu dürfen ! LG Hans
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