Erlebnisreiche Streifzüge durch Namibia

Reisebericht

Erlebnisreiche Streifzüge durch Namibia

Reisebericht: Erlebnisreiche Streifzüge durch Namibia

Im Rahmen eines Praktikums in einem Waisenhaus in Windhuk hatte ich die Gelegenheit durch einige Ausflüge und mehrere Reisen das Land Namibia kennen zu lernen. Dabei sind mir neben facettenreichen Landschaften und einer artenreichen Tierwelt immer wieder die Warmherzigkeit und die Aufgeschlossenheit der Namibianer aufgefallen. Ganz gleich welchem Stamm sie angehören, ob reich oder arm, nie ist mir Fremdenhass oder ein Zusammentreffen mit materiellen Hintergedanken begegnet. Hier nun ein paar Auszüge von meinen Reisen:

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Ovamboland

Baobab Tree

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Meine erste größere Reise führte mich in den Norden Namibias, zusammen mit zwei weiteren Praktikanten und einem Reisebegleiter. Zuerst besuchten wir das Ovamboland, welches auch mein Toptipp ist.

Fährt man aus Windhuk heraus auf die B1, erreicht man nach etwa vierzig Minuten Okahandja, der Ort der Herero. Hier sollte ein Zwischenstopp eingelegt und der hintere, auf keinen Fall der vordere Holzmarkt, besucht werden. Schmuck, Holzfiguren jeglicher Größe und Tücher kann man hier in Ruhe erwerben, ohne ständig angesprochen zu werden. Das Schöne hierbei ist, dass das Geld direkt an die Händler geht, denn die Hersteller, zumeist aus dem Norden kommend, sind mit den Verkäufern in Okahandja verwandt. Weiter geht es Richtung Norden, die Strecke zwischen Okahandja und Tsumeb ist nicht besonders spannend, man fährt an eingezäunten Farmen und Jagdgebieten vorbei. Dazwischen liegen noch die Städte Otjiwarongo und Otavi, die einzige Möglichkeit auf die Toilette zu gehen. Ab dem Ovamboland verändert sich die Aussicht aber schlagartig und man kann sich nicht mehr satt sehen. Man bestaunt die einzelnen Krale, die viele kleine Strohhütten beinhalten, die bunten Hütten an der Straße, zumeist Kneipen, und es kann auch vorkommen, dass Tiere nicht nur neben der Fahrbahn laufen. Kurz vor Ondangwa gibt es eine Missionsstation, in der günstig gezeltet werden kann. Es empfiehlt sich früh von Windhuk loszufahren, um im Hellen das Zelt aufschlagen zu können. Als Belohnung gibt es einen wunderschönen Sonnenuntergang. Das Abendessen besteht aus Huhn und Porisch, eine typische Speise der Ovambo, und gegessen wird ohne Besteck. Die sanitären Anlagen sind in Ordnung. Auch ein nachgebauter Kral ist zu bestaunen und das Nakambale Museum ist besuchenswert. Es wird einiges über den finnischen Missionsgründer und über die Ovambo berichtet.
Fährt man weiter die C46 entlang erreicht man nach einer kurzen Weile Oshakati, der zweite etwas größere Ort im Norden. Ab hier beginnt meine Lieblingsstrecke, die entlang eines kleinen Baches führt. In dem Bach spielen Kinder, die einem strahlend zuwinken, baden die Einheimischen und waschen ihre Kleider, stehen Bäume und Esel trinken. Man kann unendlich weit in das Land hineinschauen, das von Palmen gesäumt ist. Für mich war diese Strecke viel zu kurz und ich wäre gerne länger geblieben, was ich auch bei dem nächsten Ovambolandaufenthalt fest vorhabe.
Der nächste größere Ort heißt Uutapi, wo man unbedingt halten und sich den großen alten Baobabbaum anschauen sollte. In diesem großen Baum wurden bei Stammeskriegen Häuptlinge, Kinder und Frauen versteckt. Aber auch als Postamt, Kapelle und Standesamt hat dieser Baum fungiert.



Kaokeland und die Himbanomaden

Ruacana Falls

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Weiter auf der C46 von Uutapi dauert es nicht mehr lange und man erreicht das Kaokeland. Dieses vielseitige Land blieb lange unerforscht und beherbergt noch Gebiete von unberührter Natur. Hier sind auch die Himba zu Hause, eine der letzten Halbnomadenstämme in Afrika und verwandt mit den Hereros. Ich hatte die Gelegenheit ein paar Mitglieder einer Gemeinschaft kennen zu lernen. Doch dazu später. Meine erste Station im Kaokeland heißt Ruacana, bekannt durch ihre Wasserfälle. Allerdings führen die Ruacana Falls nur in der Regenzeit Wasser, dennoch sind sie auch in der Trockenzeit zu empfehlen. Wer Lust hat kann das Ganze auch von unten betrachten, denn etwas versteckt führt eine lange Treppe zu den Felsen und Lagunen. In Ruacana gibt es sehr gute Übernachtungsmöglichkeiten, wer nicht Wildcampen möchte und sanitäre Anlangen bevorzugt.
Nicht weit von Ruacana befindet sich die Kunene River Lodge, ein sehr schöner Ort zum Picknicken. Hohe Palmen, in denen viele Affen herumturnen und farbenprächtige Blüten umrahmen eine Terrasse, auf der man einen tollen Blick auf den Kunene River hat. Auch Wildwasserfahrerfans kommen hier nicht zu kurz.
Von der Kunene River Lodge nahe der Grenze Angolas geht es nun in Richtung Landesinnere nach Opuwo. Unterwegs sieht man einige Himbas, die sich auf Tourismus spezialisiert haben und handgefertigten Schmuck verkaufen oder gegen Geld ein Foto von sich schießen lassen. Leider fallen einem immer wieder die vielen Bierflaschen nahe der Hütten auf.
Entfernt man sich von der Hauptschotterpiste hat man die Möglichkeit Himbanomaden kennen zu lernen, die fernab des Tourismus leben, doch sollte man höflich fragen, ob ein Besuch möglich ist und sich nicht sofort auf sie stürzen. Für mich war das eine ganz tolle Erfahrung, denn auch wenn ich nicht mit ihnen kommunizieren konnte, war eine Verständigung durch Gesten und Mimik möglich. Ganz überrascht war meine Freundin, als ihr eine Mutter ihr kleines Baby in den Arm legte, was wir als Willkommenszeichen deuteten. Die Frauen waschen weder ihren Körper noch ihre Haare. Statt dessen schmieren sie sich immer wieder mit einer Creme aus Butterfett und einem eisenhaltigen Gesteinspulver ein, wodurch ihre Haut und ihre Haare die rote Farbe annimmt. Am Anfang ist der Geruch des Pflanzenfetts etwas intensiv, aber man gewöhnt sich ganz schnell daran.
Interessant zu beobachten ist der Schmuck der Himbas, der die verschiedenen Lebensstufen eines Himbas symbolisiert. Wenn ein Mädchen das erste Mal ihre Periode bekommt, erhält es eine Kette. Auch bei einer Hochzeit erhalten Braut und Bräutigam ein neues Schmuckstück. Ebenso besonders sind die Frisuren. Mädchen tragen zwei nach vorne gewölbte Zöpfe, die an die Hörner der Rinder erinnern sollen, denn diese sind bei den Himbas heilig. Jungs dagegen tragen nur ein Zopf. Bei den Männern, die ein Tuch fest über ihren Kopf gewickelt haben, fällt einem ein kammähnliches Gerät auf, mit dem sie sich kratzen, denn das Tuch wird nur selten abgelegt. Zum Glück werden nur die Jungs beschnitten, die Mädchen werden von diesem grausamen Ritual verschont.
Unterwegs fahren wir an einem Friedhof vorbei, in dem die Häuplinge der Himbas begraben liegen. Kennzeichnend sind die vielen Hörner von Rindern an den Gräbern, die zeigen, dass hier eine Persönlichkeit begraben liegt. Danach geht es auf der Schotterpiste weiter Richtung Opuwo. Dieser kleine Ort, auf jeder Karte jedoch riesengroß eingezeichnet, besteht größtenteils aus einer langen Straße. Auf ihr findet fast ausschließlich das gesellschaftliche Leben statt. Angehörige unterschiedlicher Stämme sind zu beobachten, ob es sich um die älteren Hererofrauen ( auffallend durch die traditionellen weiten Kleider ), um die jüngeren Hererofrauen ( modern gekleidet)oder um die Himbas handelt, sie alle vermitteln ein buntes und einladendes Bild der kleinen Ortschaft. Hier kann man auch günstig von den jeweiligen Stämmen typische Produkte erwerben, und wiederum weiß man, dass das Geld direkt dem Hersteller übergeben wird.
Übernachten kann man im Kunene Village Rest Camp, in dem ein wunderschöner Pool vorhanden ist mit Blick auf das Bergpanorama. Gesteigert werden kann das Ganze noch, wenn man das Glück hat, den Sonnenuntergang mitzuerleben.
Am späten Abend sind gedämpfte Klänge und Gelächter aus dem Tal zu vernehmen.
Wer sich am nächsten Morgen bequemen kann, früh aufzustehen, wird mit einem tollen Sonnenaufgang über Opuwo belohnt.



Auf der Kunene River Lodge


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Kommentare

  • evamaria

    Sehr guter + interessanter Bericht. Vor allem das Damaraland. Ich will auch nach Namibia!!! :-)

  • Betty

    gute Beschreibung von Land und Leuten

  • immerFernweh

    Ein schöner Bericht... konnte mich für ein paar Minuten zurück nach Namibia versetzen und mich an all unsere eindrucksvollen Erlebnisse erinnern. DANKE !

  • R.B.

    Ein Anmerkung zu den Bildern, das vermeintliche "lustige Erdmännchen" ist ein Borstenhörnchen.
    mfG

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Erlebnisreiche Streifzüge durch Namibia 3.25 12

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