Palmyra

Reisebericht

Palmyra

Reisebericht: Palmyra

Im Herzen Syriens liegt ein Kleinod von unglaublicher Schönheit, Palmyra. Die Herzlichkeit der Syrer ist in Palmyra besonders groß und zu entdecken gibt es viel, nicht nur Ruinen.
Diesem Bericht liegt ein 10wöchiger Syrienaufenthalt (zum Sprache lernen) in Damaskus zugrunde, der hier nur das Kapitel "Palmyra", mein persönliches Highlight in Syrien, beleuchten soll.

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Von Damaskus nach Palmyra

Damaskus

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In Syrien, wie auch in anderen arabischen Staaten, wird der "Freitag" seinem Namen gerecht. Denn der Freitag (al Djuma’a) ist der Tag der Woche, der dem Herrn gehört. In diesem Fall gehört dieser Tag mir und ich konnte mit studieren aussetzen, quasi ein verlängertes Wochenende nutzen und weiter entfernte Ziele ansteuern. An meinem ersten Freitag in Syrien entschied ich mich für Palmyra, mitten in der syrischen Wüste.

Schon die Reise in das 250 km entfernte „Tadmor“, wie es die Syrer nennen, war eine fast nicht zu beschreibende Erfahrung. Hierzu musste man zuerst einmal zur Harasta Bus-Station, auch „Pullmann-Station“ genannt. Alle Überlandbusse in den Norden – bis in die Türkei, nach dem Libanon und Nordsyrien, fahren in Harasta ab. Die Fahrt mit dem Taxi dauerte 20 Minuten. Die Station selbst war hermetisch abgeriegelt und um dort hinein zu gelangen, wurden, wie an einer Grenze üblich, die Ausweise und das Gepäck kontrolliert. Auf der Busstation selbst herrschte ein unbeschreibliches Chaos, denn Menschen aller Hautfarben und Nationalitäten liefen mit Bergen von Gepäck, schreienden Kindern und den ganzen Verwandten, die zum Abschied winken wollen, durcheinander.

Ganz ohne Kenntnis der arabischen Sprache ist es allerdings recht schwierig an dieser großen Busstation den richtigen Bus zu erwischen. Das Erste ist die Suche nach der richtigen Busgesellschaft. Diese Gesellschaften verkaufen alle ihre Tickets in kleinen Büros, die große Schilder mit ihren Reisezielen an den Fenstern und über der Tür aufgestellt oder aufgemalt haben. Diese Schilder sind arabisch geschrieben. Das Büro der Agentur nach Palmyra, war wie die sprichwörtliche Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen, denn in Syrien wird Palmyra - Tadmor genannt.

Zwei Frauen saßen hinter einem Tresen und warteten auf Kundschaft. Daneben lungerten ein paar Männer herum, deren Anwesenheit keinen für mich erkennbaren Grund hatte. Ich ging also zu einer der Frauen an den Tresen und erklärte mit meinen paar Worten arabisch, das ich nach „Tadmor“ fahren wolle. Die Antwort fiel etwas länger aus und ich vermute dass es soviel wie: „Es ist uns schon klar, dass sie nach Tadmor fahren wollen, denn sonst wären sie ja nicht in unser Büro gekommen. Bitte geben sie mir ihren ‚djauwaz as safar’, den Reisepass!“, heißen sollte.
Nachdem diese Formalität erledigt war, erhielt ich ein Ticket, auf dem das Reiseziel, der Sitzplatz und die Abfahrtszeit vermerkt waren. Der Bus stand in geringer Entfernung zum Büro und ich konnte mich, einen Sitzplatz in der Nähe des Busses erobernd, auf das geschäftige Treiben um mich herum konzentrieren. Junge Burschen, Kinder noch, ließen nicht locker, bis ich ihnen einen Kaugummi abkaufte. Schuhputzer in gleichem Alter gingen des öfteren an mir vorbei, enttäuscht realisierend, dass meine Wildlederschuhe keiner Pflege bedürfen. Damit ging die halbe Stunde Wartezeit schnell herum und der Bus wurde startklar gemacht.



Im Bus nach Palmyra

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Nach kurzer Zeit war der Bus komplett voll. Menschen aus allen Teilen der arabischen Welt saßen in dem komfortablen, klimatisierten Bus. Jeder Fahrgast erhielt kurz nach dem Start eine kleine Aufmerksamkeit in Form eines Bonbons und einen Trinkbecher. Zuerst war mir nicht klar, was das mit dem Becher auf sich hat, aber auf der langen Fahrt wurde von Zeit zu Zeit vom „Reisebegleiter“ Wasser ausgeteilt, denn trotz Klimaanlage war die Hitze erdrückend. Insgesamt war es sehr angenehm mit dem Bus zu reisen. Es war ruhig, denn viele der Reisenden schliefen oder unterhielten sich sehr leise. Man konnte seinen Gedanken nachhängen, oder in die Landschaft schauen.

Schon wenige Minuten nach dem Start, ließen wir die Metropole Damaskus hinter uns. Zuerst war noch etwas Industrie rechts und links der Strasse zu erkennen. Dann wurde die Landschaft immer öder, bis schließlich kaum noch ein Baum oder Strauch bis zum Horizont zu sehen war. Wüste, Berge, ausgetrocknete Täler, von Zeit zu Zeit ein aus Stein gebautes Haus, mehr einem Stall gleichend, umgeben von einer mehr oder weniger kompletten Steinmauer in dessen Hof ein paar Bäume und Kakteen den Kampf mit der Trockenheit aufnahmen. Manchmal konnte man Ziegen, Schafe oder Hühner erkennen und ich fragte mich immer wieder, wie die Menschen und Tiere in diesem, für mich lebensfeindlichen Umwelt, existieren konnten.

Die Strasse war sehr gut, wenig Verkehr und so konnte man sich ganz in die Betrachtung dieser einzigartigen Landschaft versenken. 250 Kilometer Wüste waren zu durchfahren. Nach etwa 150 Kilometer, linker Hand waren die malerischen, kargen Berge des Djebel Tadmuriyhe und Al Janoubiyhe an uns vorbeigezogen, eine kurze Unterbrechung. An einer Wegkreuzung in Al Basiri, kreuzte die Strasse von Homs in Richtung Iraq, eine Haltestelle mitten in der Wüste. Unweit der Haltestelle eine Hütte mit einem großen Schild, „Café Bagdad“. Dieses Cafe wurde genauso gebaut, wie es in einem Hollywood-Film zu sehen war – sagte mir mein syrischer Nebensitzer.
Nach weiteren einhundert Kilometern erreichten wir die Oase Tadmor.



Kurz vor Palmyra


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Kommentare

  • trollbaby

    Sehr interessanter Bericht mit wunderschönen Fotos! Bis Anfang April d.J. hat mich der Nahe Osten als Reiseziel nicht sonderlich gereizt, aber dann machte ich eine Rundreise durch Jordanien mit und erlebte dort auch die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Leute, weswegen ich nun auch Syrien für eine Reise im Hinterstübchen habe. Dein Bericht bestärkt mich darin nur noch!
    LG
    Susi

  • astrid

    Ein ausführlicher, toller Bericht über eine grandiose Ausgrabungsstätte.
    Gruß
    Astrid

  • RdF54

    Was für ein eindrucksvoller, interessanter und gut geschriebener Bericht mit tollen Fotos, die das Erzählte unterstreichen!
    Ich seh´ schon - diese Ecke der Welt könnte auch was für mich sein ...

    LG Robert

  • mamaildi

    Du hast mich entführt in eine Kultur, mit der ich bisher noch wenige Berührungspunkte hatte - beeindruckend und wirklich Werbung für Syrien.
    Sehr gut gefallen haben mir deine Gedanken zu den antiken Stätten dieser Welt und zur Gastfreundschaft.
    Liebe Grüße - Ildiko

  • caramaina

    Klasse der Bericht! lG Cara Ischtarmaina

  • holunder21


    Danke, Gerhart für den ausführlichen Bericht - habe ihn mit Spannung gelesen.Ich interessiere mich für dieses Land Syrien, von dem man so wenig hört. (Habe eine Einladung nach Damaskus, bin aber unschlüssig) - herzlichen Dank

  • Zaubernuss

    Deine respektvolle und ausführliche Schilderung einer mir fremden Welt hat mir sehr gut gefallen. Gute Hintergrunds - Informationen und schöne Bilder. Wenn ich auch in nächster Zeit nicht nach Syrien reise, habe ich grossen Gewinn aus deinem Bericht gezogen. Die Randbemerkungen über die Touristen, die im Schnellgang "alles" sehen wollen und doch am Wesentlichen vorbeigehen, haben mich beeindruckt und bestärkt, dass in der Langsamkeit eine Chance liegt, Persönliches von Menschen und ihrer Geschichte zu erfahren. Mehr als in Büchern und Reiseempfehlungen steht. LG: Ursula

  • nach oben nach oben scrollen
  • desertflower

    Danke für diesen informativen, beeindruckenden Bericht!#
    LG, Resi

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Palmyra 4.71 17

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