Äthiopien – Die Diva unter den Afrikanischen Ländern

Reisebericht

Äthiopien – Die Diva unter den Afrikanischen Ländern

In Äthiopien ticken die Uhren anders. Klingt platt, ist aber tatsächlich so. Das große Land am Horn von Afrika hat eine eigene Zeitrechnung, feierte am 11. September letzten Jahres Millennium und ist auch sonst recht eigen. Ich war von Februar bis September 2007 als Praktikantin in Addis Abeba und berichte von singenden Priestern und belehrenden Wettergöttern

HERZLICH WILLKOMMEN

Es ist sechs Uhr morgens, Mittwoch, der 18. Februar 2007. Draußen ist es bereits hell, denn ich befinde mich in unmittelbarer Nähe des Äquators. Nebenan ist eine Kirche, orthodox, äthiopisch-orthodox, der Däbtäras betet durch einen Lautsprecher. Das ist sein Job. Er ist Kirchensänger, Amtsträger der äthiopisch-orthodoxen Kirche und hat nichts anderes zu tun, als den Gläubigen Zucht und Ordnung zu predigen und sie auf ihre Sünden aufmerksam zu machen. Mein Hotelzimmer hat einen kleinen Balkon zur Vorderseite. Auf dem Gehsteig laufen schick gekleidete Menschen und voll beladene Esel nebeneinander. Auf der Straße hupen Minibusse und Mercedes-Benz Geländewagen. Es ist früh. Und es ist laut. Sehr laut! Aber das morgendliche Licht stimmt mich versöhnlich. Der Himmel ist wunderschön orange-rot. Herzlich Willkommen. Das also ist Äthiopien. Jedenfalls denke ich das, an meinem ersten Morgen, nach meiner ersten Nacht in Addis Abeba.



DIE HAUPTSTADT IM HOCHLAND

Während meines siebenmonatigen Aufenthalts am Horn sollte ich eines Besseren belehrt werden. Denn: das ist Addis Abeba (Amharisch für: Neue Blume), die Hauptstadt Äthiopiens, mit seinen geschätzten 3 Millionen Einwohnern, Vertretungen aller wichtigen Internationalen Organisationen, modernen Hochhäusern und geteerten Straßen. Addis Abeba liegt im zentralen Hochland Äthiopiens, auf 2.400 Metern und gehört damit zum Trio der höchstgelegenen Hauptstädte der Welt (nach La Paz, Bolivien und Lhasa, Tibet). Das ist Addis Abeba, nicht Äthiopien.



ÄTHIOPIEN IST NICHT AFRIKA

Äthiopien ist das Land am Horn von Afrika, das sich nicht recht entscheiden kann ob es lieber noch zum arabischen Norden oder doch schon zum subsaharischen Süden des schwarzen Kontinents gehören möchte. Im gebirgigen Norden sind die Menschen groß, schlank, hellhäutig mit spitzen Nasen und einer arabisch anmutenden, harten Aussprache. Im Süden hingegen, wo der Regenwald hinüber auf die kenianische Seite wuchert, haben sich die Menschen den tropischen Klimabedingungen angepasst – sie sind eher klein, fast ein wenig gedrungen, haben krisselige Locken auf ihrem Kopf und eine ganz dunkle Haut. Politisch wird Äthiopien dem südlichen Afrika zugeordnet.



EIN STOLZES VOLK

Die Menschen jedoch sehen das anders. Die Äthiopier bezeichnen Äthiopien als den Nabel der Welt und wollen mit dem Rest des afrikanischen Kontinents bloß nicht in einen Topf geworfen werden – Äthiopien ist nicht Afrika! Und die Äthiopier sind nicht schwarz! Allerdings sind sie natürlich sehr stolz darauf, die wichtigste panafrikanische Institution, die Afrikanische Union, zu beherbergen und damit Addis Abeba zur Hauptstadt Afrikas zu machen. Der Äthiopier im Allgemeinen und Besonderen ist stolz auf einfach alles. Stolz in dem einzigen Afrikanischen Land zu leben, das nie im eigentlichen Sinne des Wortes kolonialisiert war. Stolz auf die Äthiopische Armee, die Mussolinis Truppen erfolgreich in die Flucht geschlagen haben. Stolz auf das Nationalgericht Injera, das aus dem Getreide Teff gemacht wird, welches wiederum in kaum einem anderen Land angebaut wird.



13 MONTHS OF SUNSHINE

Äthiopien hat eine eigene Zeitrechnung. Obwohl die offizielle Zeitverschiebung von Deutschland aus gerade mal eine Stunde beträgt, gehen die Uhren hier sechs Stunden vor. Wenn es in Berlin sechs Uhr schlägt, stehen in Addis beide Zeiger auf der Zwölf. Das liegt ganz alleine daran, dass die Äthiopier bei Sonnenaufgang den Tag mit der Stunde Null begehen und um zwölf, wenn es dunkel wird, den Tag beschließen. Das trifft heutzutage weniger auf die zu jeder Tages- und Nachtzeit hell beleuchtete Hauptstadt zu, als auf das naturgebundene Leben auf dem Land. Doch es sind nicht nur die Uhrwerke, die anders ticken, auch der äthiopische Kalender (eine Variante des Koptischen Kalenders) ist speziell. Er zählt einen Monat mehr. „13 Months of Sunshine“ lautet der Werbeslogan, der in jedem Reisebüroschaufenster die Touristen locken soll. Die Rechnung lautet: 12 Monate mit je 30 Tagen, plus ein Monat mit sieben Tagen, ergibt die uns wohlbekannte Zahl von 365. Und um die Verwirrung auf die Spitze zu treiben, muss an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass das eigenwillige Land am Horn erst vergangenes Jahr (2007), am 11. September, das Jahr 1999 beschlossen und mit buntem Feuerwerk und knallenden Sektkorken das neue Jahrtausend begrüßt hat.

Alles klar? Sollte dies nicht der Fall sein, sind Selbstzweifel hier völlig unangebracht! Ein besseres Beispiel für die Eigenwilligkeit dieses Landes kann es nämlich kaum geben. Die komplexen Zusammenhänge und unzähligen Besonderheiten zu durchblicken erfordert zuweilen höchste Konzentration und stiftet oft mehr Verwirrung als Klarheit.



ETHNISCHE VIELFALT

Nicht nur Äthiopien im Allgemeinen grenzt sich von seinen Nachbarstaaten ab. Innerhalb der Grenzen kommt die föderale Struktur voll zum Tragen, wenn es darum geht die lokalen Besonderheiten zu schützen. Äthiopien besteht aus neun Regionen und zwei Stadtstaaten. Überall wird anders getanzt, anders gesungen. Mein persönliches musikalisches Highlight ist Gurage aus dem Süden. Man muss versuchen, zu schnellen Rhythmen, die Beine in die Luft zu werfen, dabei im Takt klatschen und komische Laute von sich geben. Während der Norden mit seinen bis zu über 4.600 Meter hohen Gebirgen protzt, wartet der Südwesten mit riesigen Kaffeeplantagen auf.



MIT HUNGER IN DIE SCHLAGZEILEN

Die Äthiopier haben den Exportschlager Kaffee.
Und sie haben Lucy, das 1974 vollständig gefundene Skelett eines Hominiden (Menschenaffen). Lucy wurde in der Afar-Region gefunden, dort wo Mitte der 80er Jahre eine grassierende Hungerskatastrophe ausbrach und Äthiopien schlagartig zum Medienstar aufstieg. Monatelang schien es, als würde das ganze Land in Kürze verelenden. Bis heute beherrschen die damaligen Schlagzeilen das Bild Äthiopiens in den westlichen Köpfen.
Auch meine Vorstellungen waren geprägt von Dürre, Trockenheit und hungernden Menschen. Heute schäme ich mich fast ein wenig dafür, wie leichtgläubig ich Kurs auf diese mir damals so fremde Welt genommen habe. Als mir meine Nachbarin Kalkidan bei einem gemeinsamen Abendessen auf unserer Terrasse erzählt, dass sie zum Zeitpunkt der Katastrophe in Addis gelebt und nichts von all dem Hunger und Elend mitbekommen hat, bin ich erstaunt. Natürlich war sie damals noch klein, die Zeitungen interessieren sie nicht, für das Geschwätz der Erwachsenen galt das erst recht. Aber alleine die Tatsache, dass es ihr in keinster Weise an irgendetwas gefehlt hat, lässt mich nachdenklich werden. Unsere Medien berichten von einer flächendeckenden Katastrophe. Warum?



MIT STRICKSOCKEN UND WÄRMFLASCHE IN ÄTHIOPIEN

Eine weitere Lektion erteilt mir der äthiopische Wettergott. Denn auch meine klimatischen Vorstellungen – in Äthiopischen ist es immer heiß und trocken – haben mit der Realität weinig zu tun haben. Ich komme Ende Februar nach Addis Abeba. Zu diesem Zeitpunkt scheint die Sonne in den Mittagspausen so stark, dass ich ganz schnell aus meinem Bürogebäude in das gegenüberliegende Restaurant hüpfen muss, um mir nicht einen enormen Sonnenbrand einzufangen. Zwei Monate später regnet es. Ich sitze mit einem dicken Strickpullover, dicken Socken, einem Schal um den Hals und einer Wärmflasche auf dem Schoß im 5. Stock des hochmodernen Boston Buildings, an der Hauptverkehrsader der Stadt, und suche im Internet nach Internationalen Organisationen, die in Äthiopien im Governance-Bereich tätig sind.



BOLLWERK GEGEN DEN TERROR

Ich soll für die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) eine Donor-Netzwerkliste erstellen. Eine Übersicht, die Aufschluss darüber gibt, welche Organisation in welchem Bereich mit welchen Mitteln und wie effektiv tätig ist. In der Tat eine interessante Frage, für mich als zukünftige Diplompolitologin. In der Entwicklungszusammenarbeit gilt Äthiopien gemeinhin als Donors Darling. Jede Organisation, die etwas auf sich hält, hat eine Postadresse am Horn. Die Weltbank, die Europäische Union, das United Nations Development Program, Ärzte ohne Grenzen. Die Schweden, die Franzosen, die Amerikaner, die Italiener. In Europa ist Deutschland wichtigstes Geberland Äthiopiens. Trotzdem, nach dem Human Development Index der Vereinten Nationen, ist Äthiopien das sechst ärmste Land der Welt. Dass der ostafrikanische Staat derzeit ganz oben auf allen Geberlisten steht, liegt nicht zuletzt an seiner strategisch günstigen geographischen Lage. Äthiopien ist das einzige christlich geprägte Land umgeben von muslimischen Nachbarstaaten. Somalia, Eritrea und der Sudan stehen auf der roten Liste der USA und müssen kontrolliert werden. Äthiopien – ein Bollwerk gegen den Terror.



DIE HIGH SOCIETY WOHNT IN BOLE HOMES

Diese Vielzahl von Internationalen Organisationen prägt vor allem die Wohnlandschaft in der Hauptstadt. Mitte März ziehe ich mit einem Kollegen nach Bole Homes, einer recht noblen Wohnsiedlung im Süden von Addis, in unmittelbarer Nähe zum Flughafen gelegen. Heute würde ich mich eher in Casa Inches oder Piassa niederlassen, zwei gemütlichen Vierteln im Norden der Stadt. Ich liebe die voll gestopften Supermärkte, die kleinen Kinder, die auf der Straße fangen spielen und die Musik, die spät abends aus allen Richtungen in die Nacht hineinschallt. Und ich liebe die Gerüche der Märkte: das Gemisch aus exotischen Gewürzen, wenn gemahlene Paprika, scharfer Pfeffer und Chili in der Nase zwirbeln. Den Duft von reifen Zitronen, süßen Papaya, frischen Mango und Bananen. Aber: diese Dinge sind einem Neuling nicht bekannt. Im eher sterilen Bole Homes hat sich die High Society Äthiopiens angesiedelt, und auch die internationale Gemeinschaft. Hier gibt es keinen Markt. Dafür ist es morgens um sechs noch ruhig, keine Kirche in Sicht, und das wiederum ist viel wert.



ZUM ARBEITEN BLEIBT WENIG ZEIT

Denn die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde feiert 200 Festtage im Jahr und an diesen Tagen beginnt der Däbtäras besonders früh mit seiner Predigt. Für den streng-gläubigen Äthiopier ist es ein Tabu an diesen Tagen zu arbeiten, für den Landwirt unvorstellbar sein Feld zu bestellen, zu ernten oder auf den Markt zu gehen, auch wenn sie dadurch Einbußen hinnehmen müssen. Schließlich predigt es der Däbtäras so – und was haben sie schon, der Bettler auf der Straße, die kleine Angestellte in der Metropole, der arme Bauer auf dem Land außer ihrem Glauben an ein glückliches Leben nach dem Tod… So jedenfalls lässt dies die Kirche die Menschen glauben. Rational gesehen bleiben von 365 Tagen im Jahr, von denen 200 Tage gebetet und Buße getan wird, wenig Arbeitszeit übrig um Geld zu verdienen und die Familie zu ernähren – aber die Kirche schreibt die Gesetze. Und eben diese haben noch immer oberstes Gebot. Das Verhältnis zwischen äthiopisch-orthodoxen Gläubigen und Muslimen beträgt rund 50:50. Katholiken, Protestanten und Naturvölker sind Minderheiten.



DIE BUNDESLADE LIEGT IN AXUM

Als christliche Geburtsstädte Äthiopiens gilt die kleine Stadt Axum, ganz im Norden des Landes, 15 Kilometer entfernt von der eritreischen Grenze. Das Stadtbild ist geprägt von wahrhaft biblischen Gestalten in weißen Gewändern, teils barfuss, teils Sandalen besohlt, oftmals mit Kreuzketten behängt. Sie alle halten den Mythos lebendig, der dann und wann einen religionswissenschaftlich interessierten Touristen anlockt: Axum ist ein Ort, der von sich behauptet, in seinen heiligen Hallen die Bundeslade unter Verschluss zu halten.



MIT DEM AUTO IN DIE BERGE

Im Juli werde ich für einen Monat lang nach Axum, in den Außendienst versetzt. Ich soll für die Presseabteilung des äthiopischen GTZ Büros (International Services) über die laufenden Projekte in der Stadt schreiben. Und obwohl ich Addis inzwischen erobert habe, bin ich doch heilfroh die Großstadt, den Smog und die Menschenmassen für ein paar Wochen hinter mir lassen zu können und in friedlich-dörflicher Umgebung zu agieren. Die Autofahrt von Addis nach Axum dauert drei Tage. Immer weiter ins Hochland hinein, quer durch die Simien Mountains. Während mein Kollege Efrem den Geländewagen gekonnt durch die Berge steuert unterhält er sich lebhaft mit seiner mitfahrenden Tante Alem auf Tigrinisch.



IN JEDER REGION SPRICHT MAN ANDERS

Alem und Efrem haben beide Arbeit in Addis gefunden, ihre Wurzeln allerdings in Axum. Dort spricht man Tigrinisch, eine von über 80 bis heute praktizierten äthiopischen Sprachen. Und obwohl Amharisch die offizielle Amtssprache des Landes ist, bleiben die Regionalen lebendig. Ich spreche bei der GTZ Deutsch und Englisch. Supermärkte und Restaurants haben sich dem internationalen Geist der Metropole angepasst und halten Preisschilder und Speisekarten für ihre multikulturelle Kundschaft auf Englisch bereit. Auf der Straße und in den kleineren Vierteln wird es schon kritisch. Englisch steht zwar auf dem Stundenplan für alle Sprösslinge ab 8 Jahren, auch herrscht Schulpflicht in Äthiopien, doch diese wird noch lange nicht flächendeckend eingehalten. Das bedeutet für mich: Vokabeln lernen. Amharisch zählt zu den simitischen Sprachen und ich bin weit davon entfernt, Grammatik und Grundwortschatz durchdrungen zu haben. Hallo, Danke und Bitte sind allerdings nach ein paar Wochen gespeichert. Und Phrasen wie: „Einen Kaffee mit Milch ohne Zucker, bitte.“ und „Wie geht’s dir? Lange nicht gesehen!“ beherrsche ich nach einem weiteren Monat und platze fast vor stolz. Die Ernüchterung stellt sich schnell ein als ich Addis verlasse. Einmal raus aus der Hauptstadt kann ich meinen rudimentären Wortschatz vergessen und muss mich in Zeichensprache üben. Schon auf der Fahrt nach Axum verstehe ich kein Wort von dem was Efrem seiner Tante erzählt, staune dafür aber Bauklötze. Nie zuvor habe ich eine so imposante Landschaft durchquert. Ich bin sprachlos und stelle fest: den Schönheitswettbewerb haben die kanadischen Rocky Mountains haushoch verloren! Wie schade, dass das niemand weiß.



DIE MENSCHEN AUF DEM LAND SIND GROSSARTIG

Die vier Wochen in Axum werden der Höhepunkt meines Äthiopischen Abenteuers. Die Menschen auf dem Land sind großartig. Wenn um sechs Uhr die Sonne untergeht und der Strom mal wieder nicht funktioniert, sitzen sie generationenübergreifend um eine Kerze in Tamrats kleinem Supermarkt, trinken St. George (äthiopisches Bier) und erzählen sich Geschichten übers Leben. Sie scheinen zufriedener, sie leben bescheiden, aber dafür ist der Kampf lange nicht so schwer wie in der Hauptstadt – man arbeitet zusammen, nicht gegeneinander. Ich bin die einzige weiße Frau in der Stadt und habe nach meinem ersten Tag mein neues Dorfleben organisiert – bekommen. Efrem quartiert mich in einem kleinen Häuschen mit Ziegen im Garten ein und stellt mich den wichtigsten Menschen im in der Umgebung vor: Milch bekomme morgens frisch von Getiye vor die Türe gestellt, Brötchen hole ich bei meiner Nachbarin Saba und Obst und Gemüse bei Hanna auf dem Markt. Ich erfahre die Schönheiten und Unsicherheiten des ländlichen Alltags und lerne das liebevolle Miteinander einer Gemeinschaft schätzen.



AMBIVALENTE GEFÜHLE

Wenn ich heute diese sieben Monate revu passieren lasse, fällt es mir schwer eindeutig Stellung zu beziehen. Man könnte fast sagen, meine Meinung über Äthiopien ist so ambivalent, wie das Land selbst. Ich würde gerne sagen: Ihr lieben Leute, alles was ihr über das Horn von Afrika wisst ist falsch. Glatte Lüge! Die Natur ist atemberaubend. Die Menschen wunderbar, die Entwicklung geht voran. Es gibt Diskotheken, fünf-Sterne-Restaurants, eine boomende äthiopische Film- und Musikszene und Aktionspläne der Regierung zur strukturellen Armutsbekämpfung. Was ich dabei allerdings unter den Tisch fallen lasse ist fatal: die Betonwände im Sheraton-Hotelgarten zum Beispiel, die den Blick auf das angrenzende Blechhüttenviertel versperren. Die totalitäre Regierung, die Telefone abhören lässt, die Medienfreiheit unterbindet und Oppositionelle unter fadenscheinigen Vorwänden ins Gefängnis steckt. Die oftmals wenig kooperative Art vieler Äthiopier, die die internationale Entwicklungszusammenarbeit erschwert. Vielleicht sogar zu recht? Ich weiß es nicht. Ich möchte auch nichts schönreden. Aber ich würde mir wünschen, dass der mediale Zweikampf zwischen Ernteausfall und Neueröffnung einer Grundschule mal zugunsten der Grundschule entschieden wird. Für die jeweilige Region sind beide Ereignisse von gleicher Bedeutung – für das Land Äthiopien und sein Image in der Welt hat die Wahl der Schlagzeile schwerwiegende Folgen.


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Kommentare

  • lucy (RP)

    Ich habe den Bericht mit viel Interesse gelesen. Ich selbst war 2x dort, 2004 und 2006. Beim 1.Mal als normaler Touri - Nordtour + Südtour, unglaublich faszinierend, was dieses Land für unterschiedliche Landschaften, Sprachen, Ethnien und Lebensweisen bietet. Unser Guide von damals ist nun unser "Pflegesohn", lebt bei uns und studiert hier. Daher war die 2. Tour ein Familienbesuch. Ein Unterschied wie Tag und Nacht! Wir waren auf dem Land, in Oma's Hütte und im Dorf des Onkels, wo noch nie ein Weißer war - nach den Italienern jedenfalls. Es lohnt sich unbedingt, sich abseits der touristischen Pfade zu bewegen! Und unsere äthiopische Familie hat uns umsorgt wie Fürsten. Ich habe mich so wohl dort gefühlt.
    Den Abschnitt "Ein stolzes Volk" kann ich voll und ganz unterstützen. Du hast die Mentalität der Äthiopier sehr gut beschrieben! Überhaupt gefällt mir dein Bericht sehr gut, er umreißt viele Eigenarten und auch Probleme des Landes.

  • DoerteBrilling

    Hallo Hoffa,
    sind Sie sicher, dass es sich um den julianischen Kalender handelt? Laut Kalenderumrechner liegen zwischen gregorianischem und julianischem Kalender gerade mal 14 Tage, aber nicht knapp 8 Jahre. Entweder ist die Berechnung falsch oder der äthiopische Kalender entspricht doch nicht dem julianischen.
    Viele Grüße,
    Dörte Brilling

  • Gipsy

    Hallo, Hoffa, Sie hatten in 7 Monaten sicher mehr Zeit, die verschiedenen Facetten dieses wahrhaft exotischen Landes kennenzulernen, als ich in während einiger Wochen Rundreise, und Ihr Bericht erfaßt Land und Leute bündig und zutreffend.
    Aber ich vermisse doch die Beschreibung vom Bauernleben in wenig erschlossenen Landesteilen, wo die Zeit seit Christi Geburt stehengeblieben zu sein scheint. (O sehet die Hirten eilen von den Feldern...) Von den tagelang an der Straße entlanglaufenden Gestalten, die Bündel für den nächsten Markt schleppen, von den Eselspfaden, die das Land an Stelle von Straßen durchziehen, von den zerlumpten Kindern im Straßenstaub, die ein paar Ziegen hüten, oder vom Innern einfachster Rundhütten mit Gerät und Lagern einer ganzen Familie samt Haustieren. Das Landvolk kämpft einen Kampf um Wohlstand, der so nicht zu gewinnen ist, von Fortschritt mal ganz zu schweigen.
    Noch nebenbei: La Paz ist Hauptstadt von Bolivien, nicht Peru.

  • winklerw

    Liebe Gipsy,

    wenn sie die Berichte über das ländliche Leben in Äthiopien vermissen, dann verfassen Sie doch selber welche. Wie wär's?

    Noch nebenbei: La Paz ist zwar die größte Stadt Boliviens, die Hauptstadt ist Sucre!

  • swieti

    Ich werde im November 2008 Nord-Äthiopien bereisen und dein Bericht bestätigt mir die richtige Wahl für dieses Land.
    swieti

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