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Städtereise: Köln: Stadtführungen im Dunkeln

Nach dem Erfolg der Dunkelrestaurants geht es jetzt in die wirkliche Welt: Dr. Axel Rudolph bietet Stadtführungen durch Köln an - mit verbundenen Augen. GEO.de-Redakteurin Judith Horchert hat es ausprobiert und ihre Heimatstadt neu kennengelernt

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Der Stadtführer Dr. Axel Rudolph übernimmt das Sehen für die ganze Gruppe (Foto von: picture alliance/dpa )
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Der Stadtführer Dr. Axel Rudolph übernimmt das Sehen für die ganze Gruppe

Von Köln sehe ich momentan so viel wie gestern auch - nämlich nichts. Nur gestern war ich nicht hier, sondern in Hamburg. Deshalb bin ich extra vier Stunden Zug gefahren, um nichts von Köln zu sehen. Der Plan ist aufgegangen, um mich herum ist es jetzt stockdunkel.

Meine Hände krallen sich an die Schlaufe eines Rucksacks, ich stehe dicht gedrängt in einer Gruppe von fünf Fremden, die mit mir den "Blindwalk" durch die Stadt unternehmen. Deborah, Friederike, Andrea und Christina tragen wie ich eine schwarze Brille, durch die kein Strahl der Herbstsonne dringt. Auf dem Rücken tragen wir Rucksäcke, an denen wir uns an der Vorderfraufesthalten, ähnlich einer Polonäse, damit niemand verloren geht. Ganz vorne geht Dr. Axel Rudolph, unser Stadtführer. Er ist der einzige von uns, der etwas sieht. Durch einen Knopf im Ohr hören wir, was er sagt, nämlich dass wir losgehen sollen, auf drei. Eins, zwei, drei.

Der erste Schritt erfolgt widerwillig. Ich traue mich nicht, einfach loszulaufen, ohne zu wissen, was vor mir liegt. Ein Bordstein? Eine Treppe? Ein Abgrund? Wohl nicht. Axel nennt uns jede Kante, jeden Poller, jede Bodenwelle. Ein paar Schritte später fasse ich Vertrauen - mir kann nichts passieren.



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Der Blindwalk im Podcast: Im GEOaudio-Magazin dieser Woche kann man sich durch Köln hören

"Das sind Blindgänger"
Ein wenig bin ich schon geübt im Blindsein auf Zeit. Ich habe in der "Unsicht-Bar" in absoluter Finsternis gegessen und bin in Hamburg durch den "Dialog im Dunkeln" gestolpert, einen nachtschwarzen Erlebnisparcours. Bei all diesen Angeboten hat unser Stadtführer Axel seine Finger im Spiel, und sie sind mittlerweile gang und gäbe: Das Wort "Dunkelrestaurant" hat es in diesem Jahr sogar in den Duden geschafft.

Wieso gibt es jetzt auch noch Stadtführungen im Dunkeln? "Der größte Unterschied zu den anderen Veranstaltungen ist, dass sie in geschützten Räumen stattfinden und letztendlich etwas Inszeniertes sind", sagt Axel. Der Blindwalk hingegen finde in der echten Welt statt, mit richtigem Verkehr und wirklichem Wetter. "Man ist konfrontiert mit den echten Passanten, mit den echten Geräuschen und auch mit den ganzen Zufälligkeiten", sagt er.


Gestartet sind wir in aller Ruhe an der Rückseite des Doms. Im Gänsemarsch gehen wir jetzt um ihn herum, vorsichtig tasten wir uns in den Trubel. Vor wenigen Minuten noch habe ich den Dom gesehen mit seinen Verzierungen und Baugerüsten, davor ein paar japanische Touristen, die sich vor dem Portal gegenseitig fotografieren. Von all dem bekomme ich nichts mehr mit. Entfernt höre ich das Xylophon eines Straßenmusikers und das Klackern und Knallen der Skateboards auf dem Steinboden. Plötzlich rollt etwas ganz nah an mir vorbei. Ist das einer der Skater oder doch eher ein Koffer auf dem Weg zum Bahnhof?

"Was machen die denn da?", fragt ein Passant und lacht. "Das sind Blindgänger", sagt ein anderer. Neben uns scheint es eine herkömmliche Stadtführung zu geben. "Wenn Sie jetzt einmal nach oben schauen möchten", ruft der Stadtführer vernehmlich in unsere Richtung, "dann sehen Sie auch, wie schön der Dom ist!" Gelächter.


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