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Reisetipps für die Perle: 36 Stunden in Hamburg

Seeluft schnuppern, Pötte gucken und auch abends "Moin" sagen - das ist Hamburg. Ein Gefühl für die Hansestadt aber bekommt man in den Vierteln, wo wilde Visionen auf hanseatische Bodenhaftung treffen

Text von Katja Senjor und Philip Wesselhöft

Segelnd die Stadt entdecken. Boote und Skipper stehen am Alsterufer bereit (Foto von: Gulliver Theis)
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Segelnd die Stadt entdecken. Boote und Skipper stehen am Alsterufer bereit

Wenn auf der Elbe die Welt in die Stadt strömt, gibt es Applaus von den Rängen. Hafenspektakel, Glamour? Alles im Repertoire. Ein Gefühl für Hamburg aber bekommt man in den Vierteln, wo wilde Visionen auf hanseatische Bodenhaftung treffen. In der HafenCity kann man zusehen, wie sich die Stadt weiterentwickelt, am Elbstrand dem Industriecharme verfallen sowie zwischen Alster und Altona den Szenegängern folgen.

FREITAG

1. Klassiker auf dem Wasser: Hafenrundfahrt
Selbst Hamburger sind immer wieder erstaunt, wie prachtvoll Speicherstadt, Elbphilharmonie und Riesenfrachter vom Wasser aus wirken. Fahren Sie unbedingt mit einer kleinen Barkasse, sie sind wendiger, biegen auch auf kleine Kanäle ab, und die Kapitäne erzählen freche Geschichten. Landungsbrücken, Barkassen fahren im Innenbereich ab; ca. 20 €

Alternativ und kostengünstiger sind die Fähren des HVV. An Bord der 62er-Fähre zum Beispiel mischen sich Pendler, Ausflügler und Touristen, ca. eine Stunde dauert die Überfahrt nach Finkenwerder und zurück, viele fahren mehrmals hin und her, genießen Seeluft, Werft- und Hafenblick, Dockland und Museumshafen. Auch Finkenwerder ist einen Ausflug wert: In dem ehemaligen Fischerdorf gibt’s ein Freibad aus den Sechzigern. Einfach Kult! Landungsbrücke 3, alle 15 Min.

2. Stärkung bei Schauermann
Wer sich von der Elbe nicht losreißen kann, kehrt im Restaurant Schauermann ein. Die Bistroküche ist ambitioniert, der Blick auf Hafen und Werft ist phänomenal. Man sitzt draußen oder drinnen auf Sechzigerjahre-Leder-Thonet-Stühlen, Hamburger kennen sie noch aus dem Fernsehturm-Café.
Hafenstr. 136–138, Tel. 040-31 79 46 60, www.restaurant-schauermann.de


3. Bier aus der Schanze: Altes Mädchen
Exzellente Burger und 60 Craft-Biersorten stehen auf der Karte des mit viel Holz modern, hell und luftig designten Braugasthauses im Schanzenviertel. Der Name stammt übrigens vom österreichischen Hamburg-Barden Freddy Quinn – seine gefühlte Heimatstadt nannte er in einem Songtext zärtlich "altes Mädchen".
Lagerstr. 28 b, www.altes-maedchen.com

4. Überraschungstüte Kiez: The Rock Café
Australische Stoner-Rock-Bands, norddeutsche Metal-Gruppen, Singersongwriter: Das Programm des Clubs ist so bunt wie die Geschichte der Nachkriegsbaracke auf dem Kiez. Wenn 50 Leute da sind, ist der kleine Laden voll.
Silbersackstr. 27, Tel. www.rock-cafe-hamburg.de, Fr/Sa ab 21 Uhr

5. Burlesque für alle: Queen Calavera
Charmant und mit viel Humor wird auf der kleinen Bühne mit vollem Körpereinsatz Burlesque getanzt.
Gerhardstr. 7, www.queencalavera.com, 10 €


Mit dem Rad nach Entenwerder und dort auf der Elbe schwimmend schlemmen: Das Lokal Entenwerder 1 befindet sich nämlich auf einem Ponton (Foto von: Gulliver Theis)
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Mit dem Rad nach Entenwerder und dort auf der Elbe schwimmend schlemmen: Das Lokal Entenwerder 1 befindet sich nämlich auf einem Ponton

SAMSTAG

6. Zurück ans Wasser: Alstersegeln
Wer selbst nicht navigieren kann, mietet Skipper und Jacht, bestellt wahlweise Schokolode oder Sekt. Nettes Hamburger Start-up. Treffpunkt am Restaurant "Alster-Cliff".
Fährdamm 13, www.hamburg-city-sailing.de, ab 29 €

7. Auf die Sattel: Radtour von Deichtorhallen bis Entenwerder
Die "Oberhafen-Connection" hat die Bürgerintiative "Der wilde Osten" initiiert. Sie führt auf der Flutmauerkrone immer am Wasser entlang: Eisenbahngleise, Großmarktparkplatz, Brandshof, unter den Elbbrücken durch. Danach schwenkt der Weg in den Entenwerder Park ein, wo Reiher am Ufer stehen und Hamburger grillen. Einkehren: Am Ende des Parks auf einem neuen Ponton, der auf der Elbe liegt, trifft sich die Hamburger It-Crowd im Entenwerder 1 zu Craftbier, Kaffee, Linsenrisotto oder Kuchen.
Ca. 4 km, 30 Minuten, Räder gibt es schnell und günstig über das StadtRad-System mit diversen leihstationen im Stadtgebiet (http://stadtrad.hamburg.de, 30 Min. gratis). Leichter und schicker sind die Mieträder von www.zweiradperle.hamburg, Altstädter Str. 3–7, oder www.hhcitycycles.de, Bernhard-Nocht-Str. 89–91.

8. Kunst unterstützen: Gängeviertel
Die letzten Terrassenhäuser in der Altstadt drohten zu verfallen. Dank engagierter Hausbesetzer aus der Hamburger Kunstszene entstand in sechs Jahren in den zwölf Häusern zwischen Valentinskamp, Speckstraße und Caffamacherreihe ein lebendiger Ort mit Galerie, Jupibar, Bühne für Konzerte und Diskussionen, spontanen Hoffesten und Jam Sessions auf den Fluren. Unbedingt hingehen!
www.das-gaengeviertel.info (auch Führungen durchs Quartier)


9. Szene-Essen: Brooklyn Burger Bar
Selbstgebackene Brötchen, Biohack und homemade Ketchup: Die Burger schmecken besser als anderswo. Gute Lage, grundehrlich gemixte Cocktails.
Alter Fischmarkt 3, www.brooklynburgerbar.de, Fr/Sa open end

10. Kultur und Konzerte: MS Stubnitz
An schönen Tagen sitzt man an Deck und schaut auf die werdende Hafencity. Unter Deck veranstaltet der Schweizer Urs Blaser einzigartige Jazz-, Reggae-, Independent- oder Folkkonzerte. Dank Crowdfunding sind die nächsten fünf Jahre gesichert.
Kirchenpauer Kai 29, ms.stubnitz.com ms.stubnitz.com

11. Feierei im Bunker: Uebel und Gefährlich
Der "Ballsaal" des Clubs liegt im vierten Stock des alten Luftschutzbunkers nahe dem Schanzenviertel, der Blick von der Dachterrasse ist der Kracher. Im Programm: Hip-Hopper, Independent Stars und Newcomer. Ich liebe die "Revolver Club"-Samstage mit Brit-Pop und New Wave. Und die "Bunker Slam"-Poetry-Partys immer am letzten Donnerstag im Monat.
Feldstr. 66, www.uebelundgefaehrlich.com


Gute Burger und Cocktails mehr benötigt die Brooklyn Burger Bar nicht, um beim meist jungen Publikum anzukommen (Foto von: Gulliver Theis)
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Gute Burger und Cocktails mehr benötigt die Brooklyn Burger Bar nicht, um beim meist jungen Publikum anzukommen

SONNTAG

12. Hamburger Pflichtprogramm: Alster
Beliebter Ort für die sonntägliche Hamburger Völkerwanderung. Wer nicht spaziert oder joggt, nimmt ein Boot an einer der vielen Verleihstationen und dümpelt unter den Weiden. In den ehemaligen Klohäuschen haben viele nette Cafés aufgemacht, auf den meisten Pontons stehen Liegestühle, werden Weißweinschorlen und Aperol Spritz konsumiert. Auf der Ostseite scheint die Sonne am längsten. Wenn der Wind die Wellen ans Ufer wirft und in den Bäumen rauscht, fühlt sich ein Alstertag immer ein wenig wie Urlaub an.

13. Sonntagsspiel beim Griechen: Olympisches Feuer
Mitten im Schanzenviertel wird seit Jahrzehnten ehrliche griechische Küche serviert, Fußball läuft immer, aber eher nebenher. Außer, St. Pauli …
Schulterblatt 36, Tel. 040-43 55 97, www.olympisches-feuer.de

14. Zum Abschied nochmal Pötte gucken: Park Fiction
Das Areal Park Fiction im Viertel zeigt, dass orte, die unter Mitbestimmung der Bewohner und Bewohnerinnen entstehen, mehr Ehrlichkeit, Authentizität und Lebensfreude bieten als Viele sogenannte Touristenattraktionen. Der kleine Park mit seinen stählernen Palmen ist eine Oase am Fluss.
Park Fiction, St. Pauli Kirche/Hafenstraße


Nicht nur für den sonntäglichen Spaziergang gern genutzt: die Alster-Wiesen sind vor allem an sonnigen Tagen eine beliebte Location zum Grillen mit Freunden (Foto von: Gulliver Theis)
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Nicht nur für den sonntäglichen Spaziergang gern genutzt: die Alster-Wiesen sind vor allem an sonnigen Tagen eine beliebte Location zum Grillen mit Freunden

SCHLAFEN

Inselpension
Baumhaus, Gartenlaube, Galerie oder Schiff: Zwei Wilhelmsburger haben mit viel Liebe sechs Quartiere im Süden Hamburgs eingerichtet. Jeder Gast wird persönlich betreut, Frühstück gibt’s aber nicht. Die S-Bahn braucht nur wenige Minuten in die Innenstadt.
Tel. mobil 0163-243 49 10, www.die-inselpension.de

Hadley's Bed and Breakfast
Bodo Klemm sammelt Möbel der Fünfziger und Sechziger und bestückt damit die hübsche Pension auf einem ehemaligen Krankenhausgelände im Stadtteil Rotherbaum. Man wohnt hier wie in einer Luxus-Altbau-WG – Frühstück gibt’s auf dem Zimmer, im Parterre ist die gleichnamige Bar, im Innenhof stehen eine Schaukel und alte Kastanien. Eignet sich gut für Familien.
Beim Schlump 85, Tel. 040-85 94 77, www.b-bhadleys.de

25 Hours Hafencity
Vorne Hafen, hinten Innenstadt: Hier wird von "Kojen" statt von Zimmern gesprochen, und im Foyer steht ein aufgeschnittener Schiffscontainer. In der Hotelbar spielen freitags Bands. Weil auch Seebären ein weiches Herz haben, gehört ein Kuschelhase zur Bettausstattung. Das dritte Hamburger Hotel der Kette hat übrigens gerade ebenfalls in der Hafencity, im Alten Hafenamt, aufgemacht.
Überseeallee 5, Tel. 040-257 77 70, www.25hours-hotels.com


Infos zu Hamburg


Tourguides
Mit Kleingruppe und VW-Bus durch Elbtunnel und Hafen und zu den Elbstränden: www.waterkant-touren.com (ab 49 €). Zu zig unterschiedlichen Themen führt www.stattreisen-hamburg.de durch die Stadt, auch mit Rad oder Schiff. Für den Hafen empfehle ich die abendlichen Touren mit der Barkasse Hedi, das Bier ist kalt, die Musik cool und laut. Bis 23 Uhr geht es kreuz und quer (www.frauhedi.de, vorher reservieren!). Auf www.reeperbahn.de versammeln sich die Kiezguides, die Auswahl ist bunt.

Blogs
Was ist wo wann los? Die Webseite hamburg.mitvergnuegen.com fasst Tipps von 20 Bloggern zusammen. Auf www.urbanshit.de informieren Streetartisten und Skater über ihre alternative Stadtkultur. Auf www.howtohamburg.com schreibt ein gut informierter Hamburger Guide. Die App und Webseite Heute in Hamburg gibt wertvolle Tipps was am aktuellen Tag los ist (www.heuteinhamburg.de).


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