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Pulau Ubin: Wildes Singapur: Auszeit von der Metropole

Wer in Singapur der Großstadt entfliehen will, muss nur wenige Minuten mit dem Boot fahren: Auf Pulau Ubin, einer Insel im Nordosten des Stadtstaates, warten Wellblechhütten statt Wolkenkratzer

Text von Jan Henne

Es ist heiß. Und schwül. So heiß und schwül, dass ich es nicht für möglich gehalten hätte, auch nur einen Meter mit dem Fahrrad zu fahren. Doch: Abgelenkt von der sattgrünen Vegetation und der Aussicht auf exotische Tiere ist mein Körper offensichtlich zu ungeahnten Höchstleistungen fähig. Na gut, ich übertreibe. Schließlich radele ich äußerst gemächlich dahin – genau so schnell, dass sich der kühlende Fahrtwind und die Anstrengung des Pedalentretens aufheben. Hektik wäre auch völlig unangebracht auf Pulau Ubin. Das werden Besucher bereits bei der Anreise feststellen.


Die Überfahrt nach Pulau Ubin kostet 3 Singapur-Dollar pro Person. Wenige Meter hinter dem Anleger wartet eine große Auswahl an Leihfahrrädern (Foto von: Jan Henne)
© Jan Henne
Die Überfahrt nach Pulau Ubin kostet 3 Singapur-Dollar pro Person. Wenige Meter hinter dem Anleger wartet eine große Auswahl an Leihfahrrädern

Zehn Minuten dauert die Überfahrt zu der kleinen Insel im Nordosten von Singapur, die Wartezeit am Fährterminal "Changi Point" in der Nähe des Flughafens schon mal etwas länger. Einen Fahrplan gibt es nicht. Die kleinen Bumboats legen erst ab, wenn zwölf Passagiere an Bord sind. Wer es doch eilig hat, kann allerdings für die leeren Plätze mitbezahlen. Für 36 Singapur-Dollar (ca. 23 Euro) fährt Sie der Skipper alleine auf die Insel.


Auf Pulau Ubin führen die Fahrradwege mitten durch tropisches Grün. Ein Erlebnis (Foto von: Jan Henne)
© Jan Henne
Auf Pulau Ubin führen die Fahrradwege mitten durch tropisches Grün. Ein Erlebnis

Direkt hinter dem Landungssteg warten hunderte Fahrräder, die für 2 bis 10 Singapur-Dollar ganztägig geliehen werden können. Ich habe mich für ein mittelpreisiges Modell entschieden, bei dem sowohl Bremsen als auch Gangschaltung einen vertrauenswürdigen Eindruck machen. Eine gute Idee, wie sich schnell herausstellen sollte: Die Hügel auf Pulau Ubin sind mit maximal 75 Meter zwar nicht besonders hoch, aber steil.

Schon nach wenigen Metern auf dem Radweg hat sich die Glitzer-Metropole Singapur gedanklich meilenweit entfernt. Kein Wolkenkratzer ist zusehen, nur üppiges Grün und einige Wellblechhütten. Sie erinnern daran, wie weite Teile Singapurs aussahen, bevor in den 1960er-Jahren die großen Stadtentwicklungsprojekte begannen.


Chek Jawa Wetlands: Ein Holzpfad führt durch Mangroven und Küstenwald (Foto von: Jan Henne)
© Jan Henne
Chek Jawa Wetlands: Ein Holzpfad führt durch Mangroven und Küstenwald

Gerade einmal 10 Quadratkilometer ist das Eiland groß und seine Hauptattraktion, die Chek Jawa Wetlands, mit dem Mountain Bike schnell erreicht. Es ist nicht immer so leer hier wie an diesem Tag unter der Woche, darauf deuten die dutzenden leeren Fahrradständer hin, die mich am Eingangsschild zum Naturschutzgebiet erwarten. Pulau Ubin ist ein beliebtestes Ausflugsziel für einheimische Familien, die am Wochenende der Stadt entfliehen wollen - und Chek Jawa ein wunderbarer Ort für Entdecker jeden Alters.

Ein Holzpfad führt durch das Feuchtgebiet, durch Mangroven- und Küstenwald. Und tatsächlich habe ich das Glück einen Nashornvogel zu sichten, bevor er nach Sekunden wieder im Dickicht verschwunden ist. Weiter geht es über einen Stelzenweg entlang der Küste, hinweg über eine Lagune voller Seegras und die sanften Wellen des Ozeans. Im Wasser, so heißt es, habe man gute Chancen Meeresschnecken, Tintenfische, Seesterne oder auch Seepferdchen zu entdecken. Offenbar eine Geduldsprobe, die ich, der drückenden Sonne hier ohne jeden Schatten ausgeliefert, nicht bestehe.


Perspektivwechsel: Von dem Stelzenpfad blickt man vom Wasser aus auf das Naturschutzgebiet (Foto von: Jan Henne)
© Jan Henne
Perspektivwechsel: Von dem Stelzenpfad blickt man vom Wasser aus auf das Naturschutzgebiet

Nach wenigen hundert Metern erreiche ich wieder mein Fahrrad. Doch bevor ich mich wieder auf den Sattel schwinge, hat mich noch etwas in seinen Bann gezogen: Kein exotischer Vogel. Keine farbenfrohe Blüte. Nur einsamer Getränkeautomat mit eiskalter Limonade. Wirklich verschwunden ist die Zivilisation dann eben doch nicht. Und es gibt Momente, in denen das auch ganz schön ist.



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