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Nordengland: Drei historische Routen

Besuchen Sie Inspirationsquellen für Schriftsteller wie JRR Tolkien, verfolgen Sie die Geschichte der Hexen in Lancashire oder entdecken Sie Burgen und Schlösser, die von einer bewegten Vergangenheit erzählen

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Die Bauzeit des York Minster, der eigentlich "The Cathedral Church of St. Peter" heißt, betrug 250 Jahre bis die Kirche 1472 fertiggestellt war (Foto von: Ryan McGinnis/Getty)
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Die Bauzeit des York Minster, der eigentlich "The Cathedral Church of St. Peter" heißt, betrug 250 Jahre bis die Kirche 1472 fertiggestellt war

Kirchen, Schlösser und Burgen: Von York nach Alnwick in drei Tagen


1. Tag - York und Fountains Abbey
Die Tour beginnt gleich mit einer Superlative. Der York Minster zählt zu den größten gotischen Kathedralen in Nordeuropa und bildet das Herzstück der Altstadt von York. In der Krypta unter dem Gotteshaus sind Relikte aus den letzten 2000 Jahren zu finden. Geschichtsträchtig geht es weiter entlang der alten Stadtmauer oder in dem Straßenzug The Shambles, wo sich in schiefen Fachwerkhäusern aus dem 14. und 15. Jahrhundert heutzutage kleine Cafés und Geschäfte verstecken (www.visityork.org).


Von York aus geht es zum nächsten Zeitzeugen längst vergangener Tage: Fountains Abbey. Die Ruine eines ehemaligen Zisternenklosters ist inzwischen Teil des Studley Royal Water Garden und gemeinsam stehen sie unter dem Welterbeschutz der UNESCO. Das Kloster wurde im 12. Jahrhundert von nur 13 Mönchen gegründet, die sich nicht mehr mit der Glaubensausrichtung ihrer Brüder in York identifizieren konnten, und wuchs über die Jahre immens. Umgeben von satten Weidenlandschaften lebten die Mönche größtenteils von der Schafzucht und waren damit so erfolgreich, dass das Kloster bereits im 13. Jahrhundert zu den wohlhabendsten in ganz England zählte. Dass es Fountains Abbey wirtschaftlich gut ging, lässt sich noch heute erkennen. Die Ruine ist in großen Teilen sehr gut erhalten und lässt erahnen wie das Leben der Mönche umgeben von der immergrün scheinenden Landschaft Yorkshires einst gewesen sein muss. Die heutige Anlage ist die größte Klosterruine Großbritanniens und liegt auf einer Fläche von über 30 Hektar. Sie verfügt neben der sehr gepflegten Gartenanlage auch über einen Wildpark (www.nationaltrust.org.uk/fountains-abbey-and-studley-royal-water-garden).

In unmittelbarer Nähe von Fountains Abbey befinden sich mehrere Gasthäuser, wie beispielsweise die Bay Tree Farm (www.baytreefarm.co.uk). Alle der sechs lichtdurchfluteten Zimmer verfügen über einen offenen Blick in den hauseigenen Garten und die dahinterliegende Landschaft.


Die ikonische Ruine von Whitby Abbey liegt auf einem Felsen über dem Hafenstädtchen Whitby von dem aus einst Captain Cook in See stach (Foto von: Dave Head/Shutterstock)
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Die ikonische Ruine von Whitby Abbey liegt auf einem Felsen über dem Hafenstädtchen Whitby von dem aus einst Captain Cook in See stach

2. Tag - Whitby und Durham
Vom Land geht es heute ans Meer, und zwar in den Küstenort Whitby. Eigentlich sieht es hier nicht anders aus, als in anderen britischen Seebädern. Fein säuberlich reihen sich die Steinhäuser aneinander, während der Atlantik gegen die Kaimauer rauscht. Doch im beschaulichen Whitby hat Seefahrer James Cook seine Ausbildung erhalten, zwei seiner Schiffe wurden hier gebaut und seine Südseereise 1768 startete von dem kleinen Hafenbecken aus. Wer mehr über Cook in Whitby erfahren möchte, besucht das Captain Cook Memorial Museum. Auf einer Landzunge etwas abseits des Zentrums ragen die Überreste einer Abtei in den Himmel. Die Klosteranlage Whitby Abbey gab es schon 657 nach Christus. Aber die vom Atlantikwind gezeichnete Ruine, die Besucher heute noch bestaunen können, stammen größtenteils aus dem 13. Jahrhundert. So markant die Ruine und so einzigartig die Lage, diente Whitby Abbey dem Schriftsteller Bram Stoker als Vorlage für sein Werk "Dracula". Wer Nervenkitzel sucht, nimmt an der sogenannten "Dracula Experience" teil und besucht einige Kulissen des Schauermärchens (www.visitwhitby.com/dracula-experience-whitby).

Nach rund anderthalb Stunden Autofahrt ist von der Küste aus das Städtchen Durham erreicht. Hier mischt sich Geschichte mit britischer Arbeitermentalität. Die alten Kopfsteingassen erzählen Geschichten von Mönchen und Bergarbeiterstreiks. Umschlossen von dem Fluss Wear, liegt die Altstadt auf einer Halbinsel und hier stehen gleich zwei Welterbestätten in nächster Nachbarschaft: Durham Cathedral (von 1093) und Durham Castle (von 1083). Ersteres wird von den Briten selbst Jahr für Jahr zum schönsten Bauwerk des Königreichs gewählt. Verständlich, thront der majestätische Bau doch auf einem Felsen oberhalb der Stadtdächer und ist wohl die am besten erhaltene und raffinierteste Hinterlassenschaft der Normannen in England. Und Eltern dürften ihren Nachwuchs schnell von einem Besuch der Kathedrale überzeugt haben, denn sie diente für die Harry-Potter-Filme als Kulisse. Ebenfalls familientauglich ist "Beamish - The Living Museum". Das große Freilichtmuseum nimmt seine Besucher mit auf eine Zeitreise anfangend um 1820, endend in den 1940er Jahren (www.beamish.org.uk).

In unmittelbarer Nähe zu Castle und Cathedral liegt "The Town House". Alle Zimmer sind individuell gestaltet und folgen einem bestimmten Motto wie das maritime Zimmer "The Cruise" oder die helle "Eden Lodge" im Garten des georgischen Stadthauses (www.thetownhousedurham.co.uk).


Seit über 700 Jahre ist Alnwick Castle der Sitz der Familie Percy und ist nach Windsor Castle der größte Adelssitz in Großbritannien (Foto von: Darrenturner/iStock)
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Seit über 700 Jahre ist Alnwick Castle der Sitz der Familie Percy und ist nach Windsor Castle der größte Adelssitz in Großbritannien

3. Tag - Newcastle und Alnwick
Etwas mehr Großstadtflair bietet Newcastle upon Tyne. Futuristische Brücken vermischen sich hier mit historischen Steinhäusern. Es lohnt sich ein Spaziergang durch das historische Viertel The Quayside mit Blick auf den Fluss, die Skyline und die Gateshead Millennium Bridge. Die Schwesterstadt Gateshead liegt lediglich ein paar Fußschritte über eine der Tyne-Brücken entfernt und ist vor allem für Kunstinteressierte ein Muss. Hier steht das renommierte Baltic Centre for Contemporary Art, eines der weltweit größten Ausstellungshäuser für zeitgenössische Kunst. Das Ende der Tour ist am späten Nachmittag dann die rund eine Autostunde entfernt liegende Burg von Alnwick. Das normannische Bauwerk steht inmitten von grünen Wiesen nahe des Ufers Aln an dem Eichen sich im Wind wiegen und ist nach Windsor Castle der zweitgrößte Adelssitz in Großbritannien. Seit über 700 Jahren residiert hier die Familie Percy, deren Angehörige seit dem 14. Jahrhundert den Titel Earls of Northumberland tragen. Alnwick dürfte aufmerksamen Kinofans bekannt vorkommen, das Schloss diente unter anderen "Harry Potter", "Robin Hood" und der Serie "Downtown Abbey" als Kulisse.

Unweit des Schlosses und mitten in der kleinen Marktstadt Alnwick liegt "The Bondgate". Sieben liebevoll dekorierte Zimmer laden nach einem ausgiebigen Spaziergang am Fluss Aln zur Entspannung ein (www.thebondgate.co.uk).


Rund um Pendle Hill sollen im 17. Jahrhundert die Hexen gewirkt haben. Auf ihren Spuren lässt sich noch heute wandeln (Foto von: Mauritius Images/Robert Harding)
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Rund um Pendle Hill sollen im 17. Jahrhundert die Hexen gewirkt haben. Auf ihren Spuren lässt sich noch heute wandeln

Verhext durch Lancashire

Über 400 Jahre ist es her, als in Lancashire die Angst umging. In der idyllischen Landschaft von Pendle Hill häuften sich plötzliche Todesfälle, die sich die Anwohner nur mit Hexerei erklären konnten. Schon bald waren mehr als ein Dutzend Frauen und Männer gefunden, die man der Hexerei verdächtigte. Und so kam es 1612 zu den sogenannten Hexenprozessen von Pendle - den wohl bekanntesten ihrer Art in der englischen Geschichte. Die Gegend in der Grafschaft Lancashire birgt auch heute noch Relikte aus der damaligen Zeit, so wurde beispielsweise 2011 von Arbeitern nahe des Dörfchens Barley ein sehr gut erhaltenes "Hexenhaus" unter einem bewachsenen Schutthaufen entdeckt – mitsamt mumifizierter Katzenleiche. Für die Archäologen ein deutlicher Hinweis auf Hexenbräuche. Auf den Pfaden der insgesamt zwölf vermeintlichen Hexen, denen damals der Prozess gemacht wurde, können Touristen heute noch wandeln. Und diese führen durch die mystisch schöne Landschaft des Forest of Bowland, eine sogenannte "Area of Outstanding Beauty". Sanft geschwungene Hügel verlieren sich hier in nebelverhangenen Tälern. Niedrige Wälder und Moore durchziehen die Landschaft. Die Hexen wanderten von Pendle Hill bis Lancaster Castle, wo ihnen der Prozess gemacht wurde. Die komplette Route beläuft sich auf 82 Kilometer und wurde 2013 als "Lancashire Witches Walk" für Wanderer geöffnet. Entlang der Strecke liegen mehrere Campingplätze und eine Jugendherberge (https://goo.gl/C5Nh4H).


Wem ein Tagesausflug reicht, der hat die Wahl. Ab dem Parkplatz in Barley beginnt ein 12 Kilometer langer Rundweg, der an Schlüsselstellen der Hexengeschichte vorbeiführt, wie beispielsweise dem Steinbruch von Faugh, wo eine der Beschuldigten den Teufel getroffen haben will. Über dem Rundweg wacht der sagenumwobene Hügel Pendle Hill (www.visitlancashire.com/dbimgs/Pendle_Witches_Trail.pdf). Familien können auf dem "Pendle Witches Murder mystery treasure trail" selbst einen Mord, der von Hexen begangen worden sein soll, aufklären. Startpunkt ist das Pendle Heritage Centre in Barrowford. Weitere Stationen sind die Ortschaften Downham, Newchurch und Barley. Rund 2,5 Kilometer werden dabei zu Fuß zurückgelegt und der Rest mit dem Auto (www.treasuretrails.co.uk). Ganz ohne selbst aktiv zu sein, kommt man natürlich auch von Barrowford nach Lancaster. Eine schmale Landstraße schlängelt sich durch den Forest of Bowland vorbei an kleinen Ortschaften und Flussläufen wie dem Dunsop bis hin zum Schloss von Lancaster (http://goo.gl/vgM9Rw).


Das Stonyhurst College ist eines der geschichtsträchtigsten Internate im Königreich, hier machten heutige Staatschefs, bedeutende Schriftsteller und Regisseure ihren Abschluss (Foto von: Mauritius Images / Alamy)
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Das Stonyhurst College ist eines der geschichtsträchtigsten Internate im Königreich, hier machten heutige Staatschefs, bedeutende Schriftsteller und Regisseure ihren Abschluss

Inspirationsquellen für Meisterwerke

Die Moore, die Steilklippen, die sagenumwobenen Ruinen und das mürrische Wetter haben den Norden Englands, schon lange vor "Harry Potter", zum literarischen Schauplatz gemacht. Dichter wie Ted Hughes oder William Wordsworth fanden hier Inspiration für ihre Werke, aber auch Schriftsteller wie die Brontë-Schwestern wohnten und wirkten im Norden des Königreichs. Drei Orte, die für Buchfans eine Reise wert sind.


Stonyhurst College
Das Stonyhurst College liegt idyllisch umgeben von einer gepflegten Gartenanlage, einem Weiher, auf dem Enten dümpeln, in den südlichen Ausläufern des Forest of Bowland. Seit dem 16. Jahrhundert wird an dem katholischen College gelehrt. Hier drückte Sir Arthur Conan Doyle, Autor von "Sherlock Holmes", die Schulbank und erinnerte sich an die umgebende Landschaft in seinem Werk "Der Hund von Baskerville". John Tolkien, ältester Sohn von JRR Tolkien, studierte hier am Jesuitenseminar und sein Vater kam oft zu Besuch. Während er in den 1940er-Jahren an den drei Bänden von "Herr der Ringe" schrieb, hielt er sich besonders oft im Ribble Tal auf und soll am Schreibtisch seines Ferienhauses die ein oder andere Seite der Werke verfasst haben. Einige Orte aus der Gegend werden namentlich in den Büchern erwähnt oder dienten Tolkien als Inspirationsquelle. Auf dem sogenannten Tolkien Trail, der rund um das College führt, lassen sich diese Orte erkunden (http://goo.gl/684me6).


Lake District

Beatrix Potter dürfte nicht jedem sofort ein Begriff sein, "Die Geschichte von Peter Hase" allerdings schon - und die wiederum stammen aus der Feder von Beatrix Potter. Schon von Kindesbeinen an, umgab sich Potter gern mit Tieren, zeichnete sie und entwarf Geschichten, in denen ihre tierischen Freunde die Hauptrollen spielten. Erst ein gut gemeinter Rat verhalf ihr zur Veröffentlichung ihrer ersten Geschichte. Es folgten weitere 22, die sie allesamt selbst illustrierte. Mit 30 Jahren zählte Potter zu den beliebtesten Kinderbuchautoren in England. Dank ihrer Geschichten konnte sie lange Reisen unternehmen und kaufte sich 1905 einen Bauernhof im Lake District, wo sie eine ebenfalls erfolgreiche Schafzucht aufbaute. In Hill Top, so heißt Potters Bauernhaus, entstanden viele ihrer Geschichten, wie "The Tale of Samuel Whiskers" oder "The Tale of Tom Kitten". Heutzutage ist das Haus ein kleines Museum und zeigt, wie Potter hier gelebt und gearbeitet hat. Im Sommer 2016 sind anlässlich ihres 150. Geburtstages einige Sonderveranstaltungen geplant. In der Burg von Wray, wo Potter gern ihre Ferien verbrachte, wird ein Kinderliteraturfestival stattfinden mit Party am 28. Juli, ihrem Geburtstag (http://goo.gl/xUjlnZ).


Yorkshire

Ein weiterer Jahrestag sorgt in Yorkshire ebenfalls für Sonderveranstaltungen. Charlotte Brontë, Autorin des Romans "Jane Eyre", wäre 200 Jahre alt geworden und das wird im einstigen Haus der Familie, dem heutigen "Brontë Parsonage Museum", in Haworth gefeiert. Das schlichte Backsteinhaus ist umgeben von Moorlandschaften und beherbergte ab 1820 die Familie Brontë. Drei der insgesamt sechs Kinder eiferten dem Vater nach und versuchten sich als Dichter und Schriftsteller. Ihre Namen waren Charlotte, Anne und Emily. Alle drei hatten literarische Erfolge zu verzeichnen, aus ihren Federn stammen beispielsweise die Romane "Der Professor" oder "Die Herrin von Wildfell Hall". Die Inspiration für ihre Geschichten suchten sich die drei Schwestern in der umgebenden Landschaft. Die Moore, Herrenhäuser, Wälder und Weiden Yorkshires dienen vieler ihrer Geschichten als Kulisse (www.bronte.org.uk).



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