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Botswana: Die Schule der Elefanten
In Botswana werden Dickhäuter auf ein neues Leben im Busch vorbereitet. Auch menschliche Besucher können im Abu Camp das Wildnis-Abitur ablegen
Das Seminar beginnt mit einer Kletterübung: Linken Fuß auf den Oberschenkel des Lehrers setzen, rechtes Knie in den Sattelgurt des Elefanten pressen. Benny, der auf dem Bauch liegt, grunzt unwillig und verlagert ruckartig sein Gewicht. Ich kann mich nicht mehr halten, rutsche ab, bleibe benommen im Sand liegen. Benny packt mit dem Rüssel meinen Sonnenhut, kaut auf ihm herum und spuckt ihn wieder aus. "Musst dem Elefanten vertrauen", sagt Joseph Molekoa, der Seminarleiter. "Dann vertraut der Elefant auch dir." Vertrauen? Benny wiegt fast sechs Tonnen! Seine Beine haben den Umfang von antiken Säulen, sein Rüssel hat die Kraft einer Würgeschlange, und wenn er den unerhörten Konvulsionen seines Darms nachgibt, kracht Dung heraus wie bei einer Detonation. Ich habe mir das ehrgeizige Ziel gesetzt, in drei Tagen sein Wesen zu ergründen. Im Abu Camp im Norden Botswanas will ich in einem Elefantenseminar herausfinden, was es heißt, ein Dickhäuter zu sein. Ich will das Verhalten des größten lebenden Säugetiers lesen lernen, um das Okavango-Delta, eines der letzten Naturparadiese der Welt, aus seiner Perspektive zu erleben.
Elefanten sind meine Familie
Auf ein Neues also: links, rechts, links; mit beiden Händen hochziehen, in den Sattel gleiten - festhalten! Benny erhebt sich und schwankt dabei wie ein überladener Sattelschlepper. Dann throne ich drei Meter über dem Boden. Joseph sitzt vor mir im Elefantennacken. Mit seinem Vollbart, der Armeemütze und der verspiegelten Sonnenbrille sieht der ehemalige Wildhüter aus der Gegend von Pretoria verwegen aus. "Hatte nie daran gedacht, einen Elefanten auch nur zu berühren", sagt Joseph in seiner sparsamen Art. "Hielt das für lebensgefährlich." In den 15 Jahren, die er das Elefanten-Seminar leitet, hat Joseph seine Meinung grundlegend geändert. Im Urlaub, zu Hause in Südafrika, sei die Sehnsucht nach den Tieren einmal so groß gewesen, dass er in den Zoo ging, nur um Elefanten zusehen. "Sind meine Familie", sagt Joseph. "Move up!", befiehlt mein Elefantenlehrer, und Benny setzt sich in Bewegung, marschiert geradewegs in eine schimmernde Lagune, die das Camp umrahmt. Das Wasser reicht Benny bis zum Bauch, ich wiege mich im Rhythmus seiner gleichmäßigen Schritte.
Seine Schwanzquaste zieht durch die Lagune, in ihrem Kielwasser treibt entwurzeltes Schilf; dahinter ein Anblick wie ein fantastischer Traum: eine Karawane von Elefanten, deren Leiber sich auf der glatten Oberfläche der Lagune spiegeln, und die ihre Reiter auf dem Rücken tragen wie Tornister. Die Hausherde des Abu Camps zählt acht Elefanten, die Schlimmes durchgemacht haben. Benny musste als Baby erleben, wie seine gesamte Herde bei einer Dezimierungsaktion im südafrikanischen Krügerpark vom Hubschrauber aus erschossen wurde. Er überlebte, wurde eingefangen und in die USA verschifft. In Texas vegetierte er 23 Jahre lang in einer winzigen Betonzelle im Zoo von Fort Worth vor sich hin. Er litt an Bewegungsmangel, rammte seine Stoßzähne in die Wände, bis sie ausfielen, und verletzte sein rechtes Ohr, das heute schlaff herunterhängt. Benny gehörte zu den ersten drei Tieren, die der amerikanische Elefantentrainer Randall Moore für die Produktion eines Kinofilms aus den USA zurück nach Afrika verschiffte.
Die Haut fühlt sich an wie ein alter Lastwagenreifen
1990 gründete Moore im Okavango-Delta das Abu Camp, befreite weitere Elefanten aus jämmerlichen Situationen und führte sie zu einer Familie zusammen. "Benny war kein Elefant", erinnert sich Joseph. "Er hatte Angst vor allem." Schon ein aufflatterndes Buschhuhn ließ ihn in Panik geraten. Langsam legte sich die Furchtsamkeit. Indem er Elefantenschüler wie mich durch den Busch trägt, lernt er, sich wieder angstfrei in der Wildnis zu bewegen. Bennys Lebensgeschichte berührt mich. Ich lege meine Hände in seinen Nacken. Die Haut fühlt sich an wie ein alter Lastwagenreifen. Darunter spüre ich gewaltige Schulterblätter, die sich bei jedem Schritt verschieben. Benny hebt den Kopf, seine Nackenhaut faltet sich zusammen und klemmt meine Finger ein. "Er spürt deine Hände", sagt Joseph. Ich sehe ihn ungläubig an, denn ich habe den Elefanten nur leicht berührt. Bennys zwei bis vier Zentimeter starke Hautschicht ist nicht so unempfindlich, wie ich geglaubt hatte, sondern bis dicht unter die verhornte Oberfläche gut durchblutet und hoch sensibel.
Nach dem langen Tag genieße ich den Abend im Abu Camp. Die Lodge liegt in einem 160.000 Hektar großen privaten Schutzgebiet und zählt zu den exklusivsten Adressen im Okavango-Delta. Ich residiere in einem der sechs Luxuszelte, entspanne mich in einem weich gepolsterten Mahagonibett, bade in einer Wanne aus Porzellan. Von meiner eigenen Terrasse blicke ich auf die ruhige, nachtdunkle Lagune. Auf dem Hauptdeck der Lodge, unter Sykomoren und Ebenholzbäumen, proste ich der untergehenden Sonne zu.
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