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Tierschutz macht keinen Urlaub

Heimatlose und vernachlässigte Haustiere sind in vielen Urlaubsländern rund um das Mittelmeer ein Problem. Tierschützer sagen zudem, dass Urlauber aus Mitgefühl oft das Falsche unternehmen

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Sechs maltesische Hundewelpen überlebten nur knapp: Ihre Mutter, herren- und heimatlos, legte sich hochschwanger bei Temperaturen von 35 Grad an den Rand einer vielbefahrenen Straße und verharrte dort fast zwei Tage. Sie wartete auf die Geburt. Oder den Tod. Einheimische gingen regungslos vorbei. Doch dann bekam Claire Gafa, Mitbegründerin und Hauptverantwortliche der Hundeauffangstation Island Sanctuary auf Malta, einen anonymen Hinweis. Sie rettete die geduldige Mischlingshündin womöglich in letzter Minute, päppelte sie auf und verhalf dem mittlerweile kerngesunden Nachwuchs zum Start ins Leben.


Claire Gafa lebt als freiwillige Tierschützerin auf Malta. Die 38-Jährige gab ihren Job auf, um sich herrenloser Hunde anzunehmen (Foto von: Sonja Gersonde)
© Sonja Gersonde
Claire Gafa lebt als freiwillige Tierschützerin auf Malta. Die 38-Jährige gab ihren Job auf, um sich herrenloser Hunde anzunehmen

Eine derartige Situation ist kein Einzelfall in beliebten Urlaubsländern rund ums Mittelmeer. Leidende Tiere leben millionenfach am Rand des touristischen Geschehens und vermehren sich ohne Kontrolle. Sie sind oft krank und unterernährt. Keiner kümmert sich um sie. Nur in Hinterhöfen von Restaurants oder bei Touristen, die Herz zeigen wollen, finden sie Nahrung. Häufig verenden sie qualvoll an Krankheiten, die mit menschlicher Hilfe einfach zu behandeln wären. Allein in Italien sind laut einer Studie des Gesundheitsministeriums 600.000 Tiere herren- und heimatlos. In Griechenland wird die Zahl auf rund 300.000 Streuner geschätzt. Doch damit nicht genug: Auch Tiere mit Besitzer oder jene, die von vermeintlichen Tierschützern im Heim abgegeben wurden, leben in vielen südlichen Regionen nicht tierschutzgerecht. 2003 wurden im spanischen Castellón laut Schätzungen der Pfotenhilfe Europa 1405 von 2046 eingefangenen Tieren getötet. Sie konnten in den Tierheimen nicht vermittelt werden und für die Versorgung war die finanzielle Lage nicht gut genug. Das Problem sehen die internationalen Tierschützer bei den Einwohnern: Während es für Deutsche in der Regel selbstverständlich ist, ein Haustier angemessen zu behandeln, haben sie für Menschen in südlichen Ländern oft nur einen geringen Stellenwert. Dementsprechend werden sie oft behandelt: Bringen sie Nutzen, bleiben sie (Jagdhunde, Wachhunde, etc.). Kosten sie Geld, verschwinden sie. Entweder werden sie dann illegal getötet oder auf die Straße gesetzt und sich selbst überlassen. Darüberhinaus wird oft von sadistischen Tierquälereien berichtet.


Weil die Zahl der heimatlosen und somit stark gefährdeten Tiere von Jahr zu Jahr steigt, engagieren sich immer mehr mittel- und nordeuropäische Tierschutzorganisationen in Südeuropa. Vorbildlich arbeitet beispielsweise die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. Durch öffentliche Aktionen, Petitionen, Kastrationsarbeit und medizinische Versorgung vor Ort wollen sie das Leid lindern und Tierquäler an den Pranger stellen. Erfolgreiche Arbeit haben sie zuletzt in der Türkei geleistet. Dort haben die Tierschützer Katzenhäuser aufgestellt, also Futterstellen für heimatlose Tiere in Hotels und Restaurants. Ärzte sind stets vor Ort und kastrieren kostenlos. Sie retten Tierleben.
Auch der Verein Chance für Vier Pfoten kämpft gegen das Problem an. Hotels, die sich dem Robinson Katzenprojekt anschließen, gewähren heimatlosen Tieren einen Unterschlupf, unterstützen örtliche Kastrationsmaßnahmen und verpflichten sich, die Tiere weder zu töten, zu quälen oder wegzuschaffen. Allein in diesem Jahr errichtete Chance für Vier Pfoten sieben solcher Robinson-Stationen, 1200 Tiere konnten dort bereits kastriert werden. Die Pflichten für beteiligte Hotelbetreiber sind vertraglich festgehalten und werden in regelmäßigen Abständen überprüft.
Geltende Tierschutzgesetze allein sind laut Dr. Petra Richter, der Ersten Vorsitzenden von Chance für Vier Pfoten, leider nie eine Garantie. "Die richtigen Gesetze gibt es oft schon, beispielsweise in Griechenland, aber die Gemeinden halten sich nicht daran", klagt sie. "Man sieht in Südeuropa ganz klar: Papier ist geduldig."


Für 8 Cent am Tag können Urlauber eine Patenschaft für Hunde übernehmen (Foto von: Sonja Gersonde)
© Sonja Gersonde
Für 8 Cent am Tag können Urlauber eine Patenschaft für Hunde übernehmen

Örtliche Tierschützer können allerdings nur eine Minderheit der heimatlosen Tiere versorgen. So auch die beispielhaft vorgestellte Claire Gafa auf dem Inselstaat Malta. Vor über zwanzig Jahren gründete sie die Island Sanctuary. Da nicht ausreichend Geld und Platz zur Verfügung stehen, kann sie nur 100 Tiere zur Zeit aufnehmen, versorgen und vermitteln. Eine staatliche Förderung bekommt sie nicht. Um Geld für die Versorgung zu bekommen, bietet sie Patenschaften für 8 Cent am Tag an: "Herzlich willkommen sind auch Touristen, die in ihrem Sommerurlaub Sinnvolles tun wollen." Das passiere aber selten, ergänzt sie. Auf der Insel kann es zur Hochsaison schließlich Temperaturen von bis zu 40 Grad geben.

Während der Pflegebedarf der Straßenhunde steigt, sinkt dann die Hilfsbereitschaft der Urlauber.



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Kommentare zu "Tierschutz macht keinen Urlaub"

Frey Sabrina | 10.07.2012 15:28

In Italien werden die Tiere lebenslang in Canili gesperrt, abseits der Touristenpfade ohne Aussicht das Canili lebend zu verlassen.

Der ital. Schriftstller PAOLO RICCI beschreibt das sehr treffend:

Der Teil des Gomorrha, den Roberto Saviano vergaß, als er sein Buch schrieb
Im August diesen Jahres wurde ich von drei jungen Mädchen kontaktiert. Sie hatten einen Brief gelesen, den ich an einen katholischen Theologen geschrieben hatte bezüglich des Schweigens der Kirche gegenüber leidenden Tieren. Ich zeichnete alles auf, was sie sagten.

Dann zeigten mir die Mädchen einige Fotos, bei deren Anblick mir das Kotzen kam.
Ich war völlig entgeistert und zutiefst geschockt.
Die Fotos waren der reinste Horror. Ich war vollkommen erschüttert.

Mich erstaunte, dass die Mädchen sagten, dass die Menschen, die sich um die misshandelten Tiere in den Tierheimen kümmerten, mich nicht sprechen wollen würden.
Sie wurden erpresst. Sie sagten, wenn sie etwas von dem, was sie gesehen haben, Beitrag melden!

Antonietta | 04.07.2012 12:11

Wußten Sie, das es in Bulgarien ca. 250.000 Strassenhunde gibt ? Dass jährlich 50.000-100.000 Tiere brutalst in sogenannten Tierheimen erschlagen, erdrosselt oder vergiftet werden?
Wußten Sie, das es in Rumänien ca. 1 Million Strassenhunde gibt? Dass jährlich Tausende in Tötungsstationen brutalst erschlagen, erdrosselt oder vergiftet werden?
Wußten Sie, das es in Griechenland ca. 400.000 Strassenhunde gibt? Dass jährlich ca. 10.000, kurz vor der beginnenden Urlaubssaison, durch Giftköder ermordet werden?
Wußten Sie, das es in Portugal 150.000 -200.000 Strassenhunde gibt ? Dass jährlich ein Großteil von ihnen vergiftet und erschossen werden?
Wußten Sie, das es in Italien ca. 1 Million Strassenhunde gibt? Dass dort regelmäßig Giftköder ausgelegt werden? Beitrag melden!

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