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Finanzpolitik: Das gute Rating

Die amerikanischen Rating-Agenturen stehen in Europa spätestens seit der Finanzkrise in der Kritik. Jetzt entwickelt die Deutsche Umweltstiftung ein Konzept für eine europäische Bewertungsinstanz, die nachhaltiger sein soll als Moody's und Co.

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Weniger Spekulation, mehr wahre Werte fordern auch die Anhänger der "Occupy"-Bewegung (Foto von: Tim Wegner/laif)
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Weniger Spekulation, mehr wahre Werte fordern auch die Anhänger der "Occupy"-Bewegung

In den Zeiten der internationalen Finanzkrisen scheinen sie die heimlichen Hauptakteure zu sein: Rating-Agenturen. In den Nachrichtensendungen und Tageszeitungen haben Meldungen wie "Rating-Agentur wertet Griechenland weiter ab" zeitweise Hochkonjunktur.

Tatsächlich spielen Rating-Agenturen im komplexen Wirtschaftsgeschehen eine wichtige Rolle. Denn sie beurteilen, wie kreditwürdig ein Unternehmen oder ein Staat ist: Wird er das geliehene Geld samt der vereinbarten Zinsen zurückzahlen können? Wie groß ist das Ausfallrisiko, also das Risiko, dass ein Geldgeber sein Geld nie wiedersieht?


In Europa stehen die Rating-Agenturen in der Kritik. Zum einen, weil es privatwirtschaftliche, gewinnorientierte Unternehmen sind, die von ihren Auftraggebern bezahlt werden. Wie sie zu ihren Bewertungen kommen, legen die Agenturen nicht offen. Manche Finanzexperten beklagen darum Intransparenz und mangelnde Unabhängigkeit. Interessenkonflikte seien vorprogrammiert. Hinzu kommt, dass sich die "großen Drei", die US-amerikanischen Rating-Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch Ratings, rund 90 Prozent des Rating-Marktes teilen. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger monierte, es gebe unter den Rating-Agenturen weder einen echten Wettbewerb, noch hafteten sie für ihre Beurteilungen.


Die Finanzwelt schaut auf drei Buchstaben

Mit ihren Ratings von AAA (Bestnote) bis D (zahlungsunfähig), sagen Kritiker, können sie die Misere ganzer Staaten beschleunigen und verschlimmern. Besonders dramatisch können die Auswirkungen sein, wenn eine Rating-Agentur einen ohnehin klammen Staat weiter abwertet. Denn wenn die Kreditwürdigkeit eines Landes sinkt, verschlechtern sich auch die Konditionen, zu denen es sich Geld leihen kann. So erhöhen sich etwa die zu zahlenden Zinsen. Diese zusätzliche Bürde geht wiederum zu Lasten der Kreditwürdigkeit des Landes. Es ist ein teuflischer Kreislauf, in den jüngst auch Griechenland und Portugal gerieten.

Aber auch ein vergleichsweise prosperierendes EU-Land wie Frankreich bekam schon die Macht der Rating-Agenturen zu spüren. Im November 2010 wertete Standard & Poor's Frankreich irrtümlich ab. Für rund 90 Minuten verlor die "Grande Nation" ihre Bestnote. "Nach ersten Schätzungen kostet Europa dieser Fehler rund 500 Milliarden Euro", sagt Jörg Sommer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Umweltstiftung.


"Es kann nicht sein, dass ein paar anonyme Analysten intransparent und unter schweren Interessenkonflikten Staaten und Unternehmen entwerten", sagt Sommer - und fordert eine europäische Alternative zu den drei amerikanischen Schwergewichten. Eine populäre Forderung, spätestens seit der Finanzkrise. Doch die Deutsche Umweltstiftung geht noch einen Schritt weiter.



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