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Erneuerbare Energie: Lichtblick für Afrika?

Mit Solarkiosken bietet der Rechtsanwalt und Unternehmer Andreas Spieß Menschen in der afrikanischen Provinz Zugang zu Elektrizität

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Nicht selbstverständlich: Elektrisches Licht ermöglicht Lesen, Lernen und soziales Leben - so wie hier in Äthiopien (Foto von: Georg Schaumberger)
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Nicht selbstverständlich: Elektrisches Licht ermöglicht Lesen, Lernen und soziales Leben - so wie hier in Äthiopien

Ein bisschen sehen sie aus wie Raumfahrzeuge auf einem fernen Planeten. Aber so fremd die blitzblanken, containerartigen Kuben mit den abgerundeten Alu-Profilen auch in der staubigen Umgebung von Wellblech- oder Lehmhütten wirken mögen: Sie kommen in friedlicher Absicht. "Solarkioske" nennt Andreas Spieß sie. Nach dem Willen ihres Erfinders sollen sie nicht nur Licht in das Dunkel der afrikanischen Weiten bringen. Sondern auch mehr Beschäftigung, Gesundheit, Kommunikation, Unterhaltung. Solar-Buden als Brückenköpfe des zivilisatorischen und technischen Fortschritts, Mini-Motoren der wirtschaftlichen Entwicklung.

Die Idee ist ebenso simpel wie einleuchtend: Ein Solarkiosk besteht im Wesentlichen aus einer leichten, aber stabilen und zerlegbaren Hülle, einem Solardach und einer Batterie. Alle Teile lassen sich zur Not auch mit einem Esel in die entlegensten Gegenden des Kontinents transportieren. Die Solarzellen versorgen den Kiosk und eine Batterie mit Strom - elektrische Energie, die nun dort zur Verfügung steht, wo es vorher keine gab. Und das ist in ziemlich vielen ländlichen Gegenden Afrikas der Fall. "800 Millionen Menschen", sagt Spieß, "sind allein in Afrika ohne Strom." Das soll sich durch die Solarkioske ändern.


Tagesreise für eine Handyladung

Für Europäer kaum vorstellbar, bringen die Solarstrombuden einen bislang unbekannten Komfort in manche Dörfer. Mussten die Menschen bislang oft eine Tagesreise in die nächste Stadt unternehmen, um ihr Handy für umgerechnet bis zu 50 Cent aufzuladen, genügen jetzt der Gang zum Solarkiosk und ein Bruchteil der Gebühr. In Kühlschränken lassen sich empfindliche Medikamente aufbewahren. Drucker und Kopierer - wichtige Utensilien einer modernen Verwaltung - stehen nun zur Verfügung. Und Fernseher. "Fußball zu gucken ist in Afrika sehr beliebt", erzählt Spieß. Darüber hinaus ist der Solarkiosk auch ein bisschen Tante-Emma-Laden. Kaugummi und Seife bekommen die Dörfler hier ebenso wie ausgewählte Solarprodukte aus Markenproduktion. Zum Beispiel Solarlampen. Zwölf Stunden dauert die Nacht in Äquatornähe. Solarlampen ermöglichen vielen Menschen erstmals, in der langen Dunkelheit ohne den giftigen Dunst von Kerosinlampen zu lesen.

Verkauft wird das alles von einem Operator, der als Franchise-Unternehmer auftritt. Denn die meisten Menschen in den Regionen ohne Netzanschluss verfügen nicht über genügend Geld, um sich selbst einen Solarkiosk zu kaufen. "Den Großteil der Einnahmen", sagt Spieß, "behält der Operator für sich. Davon kann er leben." Der Rest fließt zurück an die Solarkiosk GmbH. "Alle Kioske laufen, ohne dass wir weiter Geld reinstecken müssen", sagt Spieß. Das Geschäftsmodell lockt zahlreiche Bewerber an, auch wenn die sich einem rigiden Auswahlverfahren stellen müssen. "Überall, wo wir einen Kiosk stehen haben, wollen sofort zehn weitere Leute auch einen Kiosk haben", so Spieß. Neben dem nötigen technischen Know-how rüstet die Solarkiosk GmbH den Operator in Workshops auch mit wirtschaftlichen Grundkenntnissen aus. Und neben dem Operator schafft ein Solarkiosk Arbeit für bis zu vier weitere Menschen.



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Kommentare zu "Lichtblick für Afrika?"

elisabeth | 06.11.2013 12:58

Ich bin begeistert, das ist auch für Österreich in ländlichen Gegenden von Vorteil, wo es mit der Beleuchtung eher spärlich ist. Ich werde das weiterleiten , viele Menschen müssen das wissen.
Kann mir vorstellen auch in Gärten einsetzbar zu sein .Umwelt freundlich ....
Vielen Dank
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