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GEO Magazin Nr. 03/11 Seite 1 von 2

Gartenkunst 2.0: Die wandernden Gärten von Berlin-Kreuzberg

Grünanlage der anderen Art: Auf einer Brachfläche haben zwei junge Leute zusammen mit ihrer multinationalen Nachbarschaft den "Prinzessinnengarten" aufgebaut. Das Besondere: Er ist tragbar

Text von Ute Scheub

Kisten und Kästen mit viel Natur: der Prinzessinnengarten in Berlin (Foto von: Prinzessinnengarten )
© Prinzessinnengarten
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Kisten und Kästen mit viel Natur: der Prinzessinnengarten in Berlin

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Von den Straßen weht Autolärm herüber, und Berlin-Kreuzberg hat hier wahrlich nicht seine schönsten Seiten. Doch die ehemalige Brachfläche am Moritzplatz, die Jahrzehnte im Schatten der Mauer vor sich hindämmerte, hat sich in eine grüne Insel verwandelt: den Prinzessinnengarten. Die Initiatoren Robert Shaw, 33 Jahre alt, und Marco Clausen, 36, haben den Schutt vom Gelände geräumt und zusammen mit Freunden und Nachbarn einen 6000 Quadratmeter großen Gemeinschaftsgarten aufgebaut. Von Amarant bis Zuckerschoten - in Hunderten von "mobilen Beeten" gedeihen seither Gemüse, seltene Kulturpflanzen und Kräuter. Salbei, Guter Heinrich und Gelbe Melde wiegen sich in Kübeln, Kürbisse ranken aus Bäckerkisten, mit Karton abgedichtet und mit Komposterde gefüllt. Kartoffeln und Tomaten wachsen in Säcken.

Das Konzept eines mobilen Gartens ist die kluge Antwort auf eine besondere Situation: Weil das gepachtete Gelände Stadteigentum ist und jederzeit verkauft werden könnte, sind die Beete transportabel. Und haben den weiteren Vorteil, dass Pflanzen hier nicht in womöglich kontaminiertem Stadtboden wachsen, sondern in Bio-Erde.

Unter Robinien stehen lange Tische und Bänke für Besucher. In einem umgebauten Schiffscontainer können sie Kaffee, Saft oder Cuba Libre bestellen. Hier trifft man auch Robert Shaw, der mit seiner Revoluzzermütze an den jungen Che Guevara erinnert. Inspiriert hat ihn die "agricultura urbana" auf Kuba, die er 1999 als Filmstudent in Santa Clara kennenlernte. Der dortige Gemeinschaftsgarten, in dem Bananenpflanzen und Yucaknollen wuchsen, war für ihn Treffpunkt, Nachrichtenbörse und Entspannungsort.

Ende 2008 sprach Shaw, halb Brite, halb Deutscher, den Historiker Marco Clausen an, der in Kreuzberg eine Bar betrieb. Ob er sich vorstellen könne, in einem Nachbarschaftsgarten die Gastronomie aufzubauen? Im Juli 2009 unterschrieben die beiden den Pachtvertrag.

"Nomadisch Grün" heißt die gemeinnützige GmbH, die dem Ganzen einen Rahmen bietet, mit Jugendlichen arbeitet, Workshops, Konzerte und Veranstaltungen organisiert und Ein-Euro-Jobbern zu neuen Perspektiven verhelfen soll. Privatleute oder Betriebe, etwa der Aufbau-Verlag, haben "Beetpatenschaften" übernommen. Ein Quadratmeter Biogarten kostet die Paten einmalig 55 Euro, geerntet wird gemeinsam. Denn die Produkte gehören allen, sie werden im Gartencafé verarbeitet oder verkauft. Kräuter, in aufgeschnittenen alten Milchverpackungen gezüchtet, sind für 3,50 Euro pro Tetrapak zu haben.


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Kommentare zu "Die wandernden Gärten von Berlin-Kreuzberg"

Ramesh Lahoti | 07.08.2011 06:20

Ausgezeichnete Idee. Schade, dass so etwas nur in Berlin gibt. Vielleicht die Stadt Berlin sollte durch Fotografien ueber Auswaertige Amt versuchen diese Idee auch in andere, stark ueberbevolkerte Staedte wie Mumbai, woher ich schreibe zu propagieren. Ideen meistens kommen von Menschen und selten von Beamten, weil sie an Gesete und Anordnungen viel kaputt machen als nutzvolles entstehen zu lassen wie diese "Wanderenden Gaerten". Ich bin sicher, dass es sehr viel Nutzen wird. Beitrag melden!

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