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GEO Magazin Nr. 01/16 Seite 1 von 1


Psychologie: Warum brechen wir gute Vorsätze?

Etwa die Hälfte derer, die sich selbst und ihren Partnern an Silvester Besserung geloben, geben ihr Unterfangen im Laufe des Jahres wieder auf. Warum bloß?

Text von Henning Beck

Besonders knifflig ist es, mit dem Rauchen aufzuhören. Der Grund: ein Mangel an Verbindungen im Gehirn (Foto von: C/L / photocase.de)
© C/L / photocase.de
Besonders knifflig ist es, mit dem Rauchen aufzuhören. Der Grund: ein Mangel an Verbindungen im Gehirn

Der Jahreswechsel steht an, Zeit für ein paar gute Vorsätze. Etwa drei Viertel der Deutschen nehmen sich etwas für das neue Jahr vor. Unter den Top-Vorhaben sind seit vielen Jahren immer dabei: gesündere Ernährung, mehr Zeit für die Familie und natürlich mit dem Rauchen aufhören.

Leider fehlt in dieser Liste der Vorsatz, dass man sich an die guten Vorsätze auch tatsächlich halten wird. Denn etwa die Hälfte derer, die sich selbst und ihren Partnern an Silvester Besserung geloben, geben ihr Unterfangen im Laufe des Jahres wieder auf. Warum bloß?


Ein Mangel an Verbindungen im Gehirn


Besonders knifflig ist es, mit dem Rauchen aufzuhören. „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“, diesen Spruch kennen wir aus der Bibel. Doch dank der Hirnforschung wissen wir nun, was das genau ist, das „schwache Fleisch“ der Raucher: Es ist ein Mangel an Verbindungen im Gehirn.

Entscheidend für Suchtverhalten ist nämlich die Insula im Großhirn. Sie ist daran beteiligt, das typische Verlangen nach Zigaretten zu steuern, und tauscht sich dabei mit den benachbarten Bewegungszentren aus, die auch den Griff zur Zigarette auslösen oder verhindern. Für die erfolgreiche Kontrolle der Sucht kommt es genau auf diesen Austausch an. So konnten in einer Studie nur die Testpersonen erfolgreich mit dem Rauchen aufhören, bei denen die Insula besonders gut mit ebenjenen Bewegungsregionen verknüpft war (was sich durch verstärkte Verbindungen im Hirnscan zeigte). Bei wiederholt rückfälligen Rauchern war der „Suchtschalter Insula“ jedoch von den anderen Hirnregionen gewissermaßen entkoppelt. Weniger Verbindungen, weniger Kontrolle – das lässt sich ein Gehirn nicht zweimal sagen und greift gern nach nikotinreichen Glimmstängeln. Das wäre er also: der biologische Grund, warum manche Menschen nicht mit dem Rauchen aufhören können. Eingemeißelt in die Struktur des Gehirns. Eine tolle Ausrede, warum es mit dem Vorsatz wieder nicht geklappt hat.


Besonders gut gegen Entzugserscheinungen: Tetris spielen


Was also tun? Sich seinem biologischen Schicksal ergeben und weiter rauchen? Keine Sorge, auch hier hat die Hirnforschung eine lebenspraktische Antwort parat. Besonders gut gegen Entzugserscheinungen hilft nämlich: Tetris spielen. Denn was als populäres Videospiel in den 1980er Jahren begann, zeigt nun im wissenschaftlichen Versuch seine eigentliche Kraft. Im konkreten Fall konnten Probanden jedes Mal, wenn sie nach einem Suchtstoff verlangten, diese Begierde durch dreiminütiges Tetris-Spielen vermindern. Offenbar, weil sie sich so sehr auf dieses Videospiel konzentrieren mussten, dass sie sich die Zigaretten gar nicht mehr vorstellen konnten. Das galt jedoch nicht nur für Glimmstängel, sondern auch für Essen, Trinken und Sex.

Ob es da tatsächlich so eine gute Alternative ist, Tetris zu spielen, statt zu rauchen? Auf überlebenswichtige Triebe wollen wir doch auch im Jahr 2016 lieber nicht verzichten. Egal was Sie sich fürs neue Jahr vornehmen, mehr Videospiele sollten besser nicht dabei sein. Nicht dass Sie auf einmal spiel- statt zigarettensüchtig werden.



Mehr zu den Themen: Rauchen, Rauchen aufhören, Henning Beck

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