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Hexenwahn in Tansania

Eine Journalistin recherchiert, warum in Kenia noch immer Frauen als "Hexen" verfolgt werden


Die Journalistin Gaudensia Mngumi und der Wissenschaftler Simeon Mesaki interviewen eine vermeintliche Hexe. Die Jagd auf Hexen ist noch heute grausame Realität in Tansania (Foto von: MedienKontor)
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Die Journalistin Gaudensia Mngumi und der Wissenschaftler Simeon Mesaki interviewen eine vermeintliche Hexe. Die Jagd auf Hexen ist noch heute grausame Realität in Tansania

Ein Film von Holger Riedel

Allein in Tansania fallen jährlich Hunderte von Menschen, meist Frauen, dem Hexenwahn zum Opfer. Juristisch gesehen sind es oft Morde aus Habgier - die Motive sind Erbschaftsstreitigkeiten, Unterhaltskosten oder einfach nur Neid. Doch diese profanen Motive werden okkultistisch verschleiert. Die Journalistin Gaudensia Mngumi und der Professor Simeon Mesaki wollen die Hintergründe aus nächster Nähe erforschen und brechen zu einer Reise ins tansanische Hinterland auf.

Eine Frau ist ermordet worden. Ihr eigener Sohn hielt sie für eine Hexe, die an der Kinderlosigkeit seiner jungen Ehe Schuld war. Ein Hexenmeister hätte ihm empfohlen, sie zu töten, gibt er später zu Protokoll. Die Familie steht unter Schock. Witchdoctor oder Nfumu heißen die professionellen Heiler oder auch Hexenmeister in Tansania. Sie werden um Hilfe angerufen, wenn angeblich durch Hexerei hervorgerufene Krankheiten kuriert werden müssen. Der Mord geschah im Norden Tansanias, in der Nähe der Stadt Shinyanga. Hier beginnen Gaudensia Mngumis und Professor Simeon Mesakis Recherchen. Der Wissenschaftler erforscht die Hexenmorde seit vielen Jahren. Er berät die Journalistin, die sich für die Frauenrechtsinitiative TAMWA engagiert.

Nach einer mehrwöchigen Reise durch die Dörfer der Region plant sie eine Artikelserie im Guardian, eine der einflussreichsten Tageszeitungen in Tansania, zu veröffentlichen. Hexerei, wie die Afrikaner sie selbst nennen, ist eine Realität, die tief in der afrikanischen Denk- und Lebensweise verwurzelt ist. Seit Jahrhunderten schon leben die Menschen zwischen Dakar und Daressalam täglich in Furcht vor Hexerei. Die Schuld an Missernten, Unfruchtbarkeit oder beruflichem Misserfolg wird Hexen zugeschrieben, die um den Zustand zu ändern, getötet werden müssen.

Jahrhundertlang wurde der Aberglaube der Menschen dafür genutzt, die bestehenden Sozialstrukturen und insbesondere die Unterdrückung der Frauen aufrecht zu erhalten. Inzwischen verlassen zwar viele Tansanier ihre dörfliche Heimat, um in den Städten ihr Glück zu versuchen. Von ihnen wird jedoch erwartet, dass sie die Großfamilie zuhause unterstützen. Weigern sie sich, droht ihnen Verhexung durch die Verwandtschaft. Wer in der Stadt scheitert und deshalb seine Familie nicht unterstützen kann, dem wird nicht geglaubt, sondern unterstellt, nicht teilen zu wollen. Für ihren Misserfolg muss deshalb eine Hexe verantwortlich sein. Ein Teufelskreis, aus dem Gaudensia Mngumi und Professor Mesaki einen Ausweg suchen.

360° - GEO Reportage hat die beiden begleitet.




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