Gesundheit Depressionen sind über die Augen messbar

Die Pupillenreaktion kann Aufschluss darüber geben, ob ein Mensch schwer an einer Depression erkrankt ist oder nicht. Das zeigt eine Studie des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie
Augen

Die Reaktion der Pupille kann bei der Diagnostik von Depressionen helfen

Unsere Augen sind das Fenster zur Seele, heißt es. Und in diesem Sprichwort steckt tatsächlich viel Wahres. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München haben herausgefunden, dass sich die Schwere einer Depression an den Augen eines Patienten ablesen lässt, genauer an den Pupillen.

Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichte das Forscherteam um Projektgruppenleiter Prof. Dr. Victor Spoormaker im November 2020 in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Brain Sciences, einem Open-Access-Journal für Neurowissenschaften.

Pupillenreaktion gibt Aufschluss über Schweregrad der Depression

Für ihre Studie gingen die Wissenschaftler der Frage nach, ob depressive Patienten Belohnungen weniger wertschätzen als nicht-depressive Probanden. Sie untersuchten dazu die Pupillenreaktion der 161 Studienteilnehmer, da sich nachweislich die Pupillen eines Menschen, der einen Gewinn oder einen Verlust erwartet, ganz automatisch weiten.

Die Probanden absolvierten im Magnetresonanztomographen ein einfaches Spiel, bei dem sie einen kleinen Geldbetrag gewinnen konnten. Ein klarer Anreiz, der bei Gesunden zur Erweiterung der Pupillen führt. Die Forscher des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie beobachteten währenddessen die Pupillen der Studienteilnehmer genau mithilfe extrem schneller Eyetracker. Diese nahmen 250 Bilder pro Sekunde auf – zum Vergleich: der Mensch blinzelt überhaupt nur alle vier bis sechs Sekunden.

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Das Ergebnis: Die Pupillen der depressiven Probanden öffneten sich weniger als die der gesunden Studienteilnehmer. Und weiter: Je schwerer die Symptome einer Depression bei einem Patienten auftraten, desto weniger weit öffneten sich dessen Pupillen. Die Aussicht auf eine Belohnung führt bei schwer depressiven Patienten also nicht zur gleichen Verhaltensaktivierung wie bei gesunden Menschen. Das Nervensystem einer an einer Depression erkankten Person kann sich selbst bei einer positiven Erwartung weniger stark aktivieren als bei einer gesunden Person.

Die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie konnten auf diese Weise erstmals die Verbindung zwischen einer Pupillenerweiterung als Reaktion auf eine zu erwartende Belohnung und dem Schweregrad einer Depression nachweisen.

Die Forscher vermuten, dass "dahinter ein physiologisches System steht, das die oft berichtete Antriebsstörung bei Patienten teilweise erklären kann", so Studienleiter Victor Spoormaker in einer Mitteilung des Instituts.

Die neuen Forschungsergebnisse könnten in Zukunft zu einer Verbesserung der Diagnose und Behandlung von Depressionen beitragen. Denn zukünftig basiert beides dann nicht mehr ausschließlich auf den Aussagen der Patienten, sondern ist auch biologisch begründbar. So ließe sich eine Depression fundierter als bisher feststellen und eine medikamentöse Therapie könnte individueller angepasst werden.