Endlich verstehen Warum die eigene Stimme so seltsam für uns klingt

Jeder, der die eigene Stimme zum ersten Mal in einem Video oder auf einer Tonaufzeichnung hört, ist meist entsetzt: So soll die eigene Stimme klingen? Wir erklären, warum wir uns selbst anders hören als unsere Mitmenschen und warum wir diesen Klang oft nicht mögen
Warum die eigene Stimme so seltsam für uns klingt

"Was, so klinge ich?!" Wer seine Stimme auf einer Aufnahme hört, ist meist entsetzt

Als im Jahr 1877 das Kinderlied "Mary had a little lamb" aus dem Phonographen Thomas Alva Edisons ertönt, ist das eine Sensation. Undeutlich schallen die ersten Verse des Liedes, gesungen von dem Erfinder persönlich, aus dem Wiedergabe-Trichter.

Damit schaffte Edison das, was dem Franzosen Édouard-Léon Scott de Martinville zwanzig Jahre zuvor mit seinem "Phonautograph" noch nicht gelang: Thomas Alva Edison konnte als erster Mensch überhaupt die menschliche Stimme direkt aufnehmen und wiedergeben - und auf diese Weise der Tonaufnahme seiner eigenen Stimme lauschen.

Doch so richtig glücklich machte den Erfinder diese Aufnahme trotzdem nicht: Der Klang seiner Stimme erschien Edison irgendwie fremd...

Die eigene Stimme nehmen wir nicht nur mit den Ohren wahr

Wie Thomas Alva Edison im 19. Jahrhundert, ergeht es auch heute noch vielen Menschen, die zum ersten Mal der eigenen Stimme auf einer Ton- oder Videoaufzeichnung lauschen. "Das bin ich? Klinge ich etwa immer so?", sind typische Fragen, die sofort an Freunde und Kollegen gestellt werden. Immer lautet die Antwort: Ja!

Warum aber klingt die eigene Stimme oft ganz anders, als wir es gewohnt sind? An der Qualität des Aufnahmegeräts liegt es nicht. Denn auch wenn die Aufnahme der eigenen Stimme fremd klingen mag: Es ist tatsächlich genau die Stimme, welche die Mitmenschen um einen herum hören.

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Der Grund für die unterschiedliche Wahrnehmung liegt darin, dass wir beim Sprechen die eigene Stimme nicht ausschließlich über den äußeren Gehörgang hören wie unsere Mitmenschen, sondern auch über das Innen- und Mittelohr.

Wenn wir Laute von uns geben, dringen Schallwellen über die Schädelknochen zum Innenohr vor. Beim sogenannten "Knochenschall" gelangt die Tonfrequenz vom Kehlkopf aus durch den Schädelknochen bis zum Trommelfell. Durch diesen Vorgang klingt die eigene Stimme für einen selbst meist tiefer, als sie es eigentlich ist.

Hören wir die eigene Stimme hingegen nur auf einer Aufzeichnung, entfällt der beschriebene Effekt. Denn Mikrofone beispielsweise nehmen nur den "Luftschall" aus unserem Mund wahr, nicht aber den Knochenschall. Und die Schwingungen, die während des Sprechens im eigenen Körper entstehen, finden nicht statt. Wir hören die eigene Stimme stattdessen ausschließlich über den äußeren Gehörgang. Plötzlich klingt die eigene Stimme eigenartig fremd.

Weil der Klang zunächst sehr ungewohnt ist, mögen viele den Ton der eigenen Stimme nicht. Doch es gibt eine gute Nachricht: Die Akzeptanz der eigenen Stimme lässt sich trainieren. Je öfter man der eigenen Stimme auf Aufzeichnungen lauscht, desto mehr gewöhnt man sich an diese und desto größer wird auch das Gefallen daran.

Als Thomas Alva Edison 1877 die eigene Stimme auf Band hörte und sich über deren eigenartigen Klang wunderte, kannte er diese Erklärung nicht. Stattdessen vermutete der Erfinder, ein Fehler in der Technik seines Phonographen würde die Töne verändern.