Grand Train Tour So entdecken Sie die Schweizer Alpen mit dem Zug

Wer die Schweizer Alpen erleben will, muss nicht in Schrittgeschwindigkeit verstopfte Pässe im Auto hochquälen. Sondern kann sich in den Zug setzen und umweltfreundlich an Matterhorn, Zürichsee und St. Moritz vorbeirauschen
Luzern–Interlaken Express, Brienz

Viel Wasser und prächtige Gipfel erwarten die Mitfahrer auf dem Luzern–Interlaken Express

Man sagt den Schweizer Zügen nach, das Einzige, das noch genauer liefe als sie, sei ein Schweizer Uhrwerk. Einen besseren Pünktlichkseitsruf haben da nur die japanischen Züge.

Wer jedoch als Tourist in die Schweiz kommt, will nicht pünktlich sein - der will entschleunigen, mit einem Buch in der Hand am Fenster träumen und die schroffen Felswände, weißen Gletscher und türkisblauen Seen an sich vorbeiziehen lassen. Da kommt es gerade recht, wenn sich der Zug nur langsam durch die Alpen schlängelt. Außerdem möchte man aussteigen können, wo es schön ist.

Die Grand Train Tour Schweiz kombiniert beides. In acht Etappen führt die Strecke vorbei an St. Gallen und Luzern, mit Blick auf Zermatt und Lugano. Es sind acht kleine Etappen, die einen 1280 Kilometer langen Rundkurs beschreiben, ein- und aussteigen können Touristen überall.

Gerade für Urlauber aus Deutschland ist Zürich günstig mit dem Zug zu erreichen. Und so bietet sich die hübsche Hauptstadt als perfekter Ausgangspunkt für eine Zugreise durch die Schweiz an. Wer die komplette Tour plant, sollte mindestens acht freie Tage mitbringen. Es sind auch kürzere Varianten á fünf und drei Tagen möglich.

Etappe 1: Von Zürich nach Interlaken

Zürich gilt als das kosmopolitische Tor zur Zentralschweiz. Wer dort in den Zug steigt und Richtung Luzern fährt, weiß warum. Die sanften Hügelketten werden langsam zu hohen Bergmassiven, der Zuger- und Rotsee ziehen im Panoramafenster vorbei. In Luzern heißt es umsteigen, rein in den Luzern-Interlaken-Express, vorbei an rauschenden Wasserfällen und klaren Bergseen. Ein Aufenthalt in Interlaken lohnt sich immer, auch weil man dort mitten drin sitzt in den Alpen. Vom Bahnhof Ost geht es entspannt in die Jungfrauregion, bekannt für seine zahllosen Wanderrouten und Klettersteige. Wer nicht so hoch hinaus möchte, kann alternativ mit dem historischen Schaufelraddampfer über den Thuner- und Brienzersee schippern.

Das kostet die Grand Train Tour durch die Schweiz

Wer alle Routen der acht Etappen nutzen möchte, sollte sich den Swiss Travel Pass anschauen. Den gibt es in zwei Varianten - für 257 Schweizer Franken und in der Premium-Variante für 382 Schweizer Franken. 

Mit beiden Varianten können Touristen die öffentlichen Verkehrsmittel in über 90 Städten der Schweiz nutzen und haben freien Eintritt in rund 500 Museen.

Wer nicht das volle Programm möchte, kann sich für eine abgespeckte Regional-Variante entscheiden hierfür gibt es einzelne Regional-Tickets zu kaufen.

Etappe 2: Von Interlaken an den Genfer See

In Interlaken geht es in die Bahn des „Golden Pass“, am Thunersee entlang, durch das Simmental, nach Zweisimmen. Dort verschwimmen der deutsch- und französischsprachige Teil der Schweiz. Saftige Wiesen ziehen am Fenster vorbei, manchmal lugt ein Holzchalet hinter einem grünen Hügel hervor, auf dessen Bewohner man durchaus etwas neidisch werden kann. Im Hintergrund stets die hohen Gipfel der Alpen, die kurz vor dem Ziel der Etappe in Montreux den Blick auf den Genfersee freigeben. Dort kommt beinahe mediterranes Flair auf: Das Klima am größten Binnensee Mitteleuropas lockt jeden Sommer Wassersportler aus der ganzen Welt. Übrigens: Das benachbarte Genf geht auch einigermaßen günstig, wie unser Autor zeigt.

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Etappe 3: Von Montreux an den Fuß des Matterhorns

Das Rhônetal in den Walliser Alpen wird von den deutschsprachigen Schweizern auch Rottental genannt. Die Schönheit der steilen Hänge, die die Rhône umgeben, bewerten jedoch alle Schweizer gleich. Zu beiden Seiten erheben sich die Walliser Alpen, sanfte Hügel gehen in schroffe Felsen über. Die Rhône entspringt am Rhônegletscher und schlängelt sich über 260 Kilometer bis zum Genfer See. Die Passagiere folgen ihr nur kurz, bevor sie Richtung Osten, nach Visp abbiegen. Wer will, kann von dort aus zum berühmtesten Berg der Schweizer Alpen fahren: zum Matterhorn. Der Weg dorthin führt durch das Nikolaital, das tiefste der Schweiz, bevor die charakteristische spitz zulaufende, dreieckige Silhouette des Berges am Horizont auftaucht. 4478 Meter ist er hoch, mehr als 500 Menschen starben, bei dem Versuch auf seinem Gipfel zu stehen. Was heute bis zu 200 Bergsteiger an einem Tag wagen, was früher Stoff für ewige Legenden. Zum Beispiel die von Lucy Walker, die es als erste Frau auf das Matterhorn schaffte - in einem Rock, weil es die männliche Vorstellungen von Weiblichkeit so wollte.

Glacier Express

Menschen mit Höhenangst sollten bei dem ein oder anderen Abschnitt des Glacier Express die Augen schließen, wie hier am Landwasserviadukt

Etappe 4: Von Zermatt nach St. Moritz

Der „Glacier Express“, der Gletscherzug, ist eine der berühmtesten Bahnlinien Europas. Außerdem gilt er als langsamster Schnellzug der Welt, was angesichts des Blicks aus den großen Panoramafenstern eher gut als nervend für seine Passagiere ist. Über 291 Kilometer führt die Strecke von Zermatt nach St. Moritz, das dauert mit dem Glacier Express knappe acht Stunden. Dafür zuckelt er über 291 Brücken und durch 91 Tunnels - vorbei an imposanten Gebirgslandschaften, über tiefe Täler - bevor er in eine der mondänsten Städte der Schweiz einfährt: St. Moritz. Der Ort auf rund 1800 Metern Höhe erlangte früh Bekanntheit als Kurort, auch wegen der nahe gelegenen Heilquellen. Im Winter fahren die Schönen und Reichen dort Ski, sehen und werden gesehen. Im Sommer ist der Ort umgeben von Seen, Bergen und zahlreichen Wanderrouten.

Bernina Express

Die altehrwürdige Strecke der Rhätischen Bahn auf der der Bernina Express verkehrt, zählt inzwischen zum Weltkulturerbe

Etappe 5: Von St. Moritz nach Lugano

Weiter geht es mit dem Bernina Express. Am Fenster zieht der berühmte Gletscher des Morteratsch vorbei und blendet bei Sonnenlicht ebenso wie der türkisblaue Lago Bianco, an der die Zugreisenden vorbeirattern. Hier ist nicht nur die umgebende Landschaft, sondern auch die Zugstrecke selbst eine Attraktion. Die altehrwürdige Strecke der Rhätischen Bahn, mittlerweile Weltkulturerbe, führt zum Beispiel ein Landwasserviadukt, das sich zum heimlichen Wahrzeichen der Schweizer Bahnbetriebe gemausert hat. Nicht-Schwindelfreie sollten erst wieder rausschauen, wenn der Zug im italienischen Lugano einrollt. Wer dort nicht mehr sitzen kann, lässt sich von einer der vielen Bergtouren auf den Monte San Salvatore oder Monte Brè locken.

Etappe 6: Von Lugano zurück nach Luzern

Die Strecke führt einmal entlang der Nord-Süd-Achse der Schweizer Alpen, vorbei an Bellinzona, durch den alten Gotthardtunnel, der bereits 1882 in den Fels getrieben wurde. Drei Mal geben die Berge auf der Strecke den Blick auf die Kirche von Wassen frei - was sie bereits Ende des 19. Jahrhundert zu einer nationalen Berühmtheit machte. Die Gotthardbahn beschreibt um sie herum zwei Kehrtunnel, um 200 Meter in kurzer Distanz zu überwinden, auch das schafften findige Ingenieure bereits 1882. Weiter geht es durch das Urner Reusstal an die Ufer des Vierwaldstättersees in Flüelen. Dann heißt es: Raus aus dem Zug, rauf auf das Schiff. Die Fahrgäste werden gemütlich auf einem Dampf- oder Motorschiff auf die andere Seite des Sees gebracht, nach Luzern. Vom Boot aus ist sogar das mit dem Smartphone gemachte Foto postkartentauglich.

Etappe 7: Von Luzern nach St. Gallen

Wer nach sechs Etappen noch nicht genug von den Schweizer Alpen bekommen hat, kann noch einen Schlenker über St. Gallen machen, bevor es zurück nach Zürich geht. Die Strecke führt dort nicht mehr durch die schroffen Felsformationen und nicht mehr durch die tiefen Täler des Schweizer Gebirges, sondern zeigt die Alpen eher von ihrer sanften Seite. Der Voralpen-Express zuckelt über grüne Hügel, vorbei an Rapperswill, im Hintergrund immer das bedrohlich-schöne Panorama der Alpen. Die Bahnstrecke wäre allerdings wohl keine Schweizer Bahnstrecke, wenn es einem nicht mindestens einmal schwindelig werden könnte beim Blick nach draußen. Kurz vor der Zieleinfahrt in St. Gallen führt sie noch einmal über das Sitterviadukt - in 99 Metern Höhe über dem Boden saust der Zug dann durch die Landschaft - über die höchste Eisenbahnbrücke der Schweiz.

Etappe 8: Von St. Gallen zurück nach Zürich

Über sanfte Hügellandschaften geht es zurück an den Startpunkt der Reise, nach Zürich. Rund 40 Kilometer lang geben die Panoramafenster auf der rechten Seite des Zuges den Blick frei auf den Bodensee, bevor sich besonders für geschichtsbegeisterte lohnt, einmal in Schaffhausen auszusteigen. Denn dort thront die Festung Munot auf dem Emmersberg, der imposante Hauptturm ist das Wahrzeichen der Stadt. Aber auch die Schaffhauser Natur bietet einiges, zum Beispiel den Rheinfall, den größten Wasserfall Europas - auch er ist durch das Glas des Panoramafensters zu erspähen. Noch einmal über eine letzte, etwas angsteinflößende Brücke - die Eisenbahnbrücke von Eglisau - dann erreichen die entschleunigten, aber mit neuen Eindrücken beladenen Gäste wieder Zürich.

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