Die Rotkehlchen kommen! Große Vogelzählung verblüfft Experten

Am zweiten Mai-Wochenende haben 60.000 Vogelfreunde in ganz Deutschland Vögel gezählt. Das Ergebnis erstaunt Experten - bestätigt aber auch traurige Trends
Rotkehlchen

Sensationeller Gewinner bei der Stunde der Gartenvögel: das Rotkehlchen

"Die Stunde der Gartenvögel" ist eine der größten Vogelzählungen der Republik: Mehr als 60.000 Menschen meldeten bislang Sichtungen aus über 41.000 Gärten und Parks in Deutschland – mit insgesamt 1,3 Millionen gezählten Vögeln.

Spatzen top, Insektenfresser flop: So fassen die NABU-Experten das diesjährige Ergebnis zusammen. Überraschend haben sich beide Spatzenarten, der Feldsperling und der Haussperling, gut erholt. Der Haussperling liegt mit sechs Prozent deutlich über dem Vorjahresergebnis, sein Verwandter, der Feldsperling, legte sogar um sieben Prozent zu. Ein Ergebnis, das Vogelschützer begeistert. Denn beide Arten waren in den vergangenen Jahren rückläufig, stehen bis heute in der Vorwarnkategorie der Roten Liste deutscher Brutvogelarten. „Die Spatzen haben vom Rekordsommer 2018 eindeutig profitiert“, sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Geradezu sensationell schneidet das Rotkehlchen in diesem Jahr ab – mit einem Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Warum dieses Jahr so viele der schönen, zutraulichen Gartenbewohner unterwegs waren, darüber sind sich die Experten noch unklar.

Mehlschwalben und Mauersegler machen sich rar

„Katastrophal“ nennt dagegen NABU-Experte Marius Adrion die Zahlen für Mauersegler und Mehlschwalben. Beide Arten haben mit Abstand die schlechtesten Ergebnisse seit der Einführung Bestehen der Stunde der Gartenvögel – also seit 15 Jahren – eingefahren. In diesem Jahr sei vermutlich die anhaltende Kaltluft-Wetterlage mit für die wenigen Sichtungen verantwortlich, erklärt Adrion. Allerdings setzt sich damit eine bei beiden Vogelarten insgesamt deutlich abnehmende Tendenz fort. „Das Fehlen der Fluginsektennahrung und das Verschwinden von Brutnischen an Gebäuden sind wahrscheinlich die Ursachen“, sagt Adrion.

Spitzenreiter bei den Gartenvögeln ist weiterhin die Amsel. In fast jedem Garten – das zeigt die Auswertung der Daten seit 2010 – kommt sie vor. Nur in jedem 20. fehlt sie. Im Vergleich zum Vorjahr musste der brillante Sänger allerdings Einbußen von elf Prozent hinnehmen. Verantwortlich dafür ist wohl auch eine Virus-Erkrankung. In Hamburg und Bremen, wo das Usutu-Virus erstmals 2018 auftrat, gab es sogar einen Rückgang um über 40 Prozent.

Zahlenmäßig wird die Amsel vom Haussperling getoppt, einem typischen Kulturfolger, der die Nähe zum Menschen sucht. Haussperlinge leben zwar nur in etwas mehr als zwei Drittel aller Gärten – dort aber gesellig in größeren Gruppen.

Alle Ergebnisse im Überblick: www.nabu.de/stundedergartenvoegel