Amselsterben Ist das Usutu-Virus auch für Menschen gefährlich?

Experten rechnen für 2019 mit einem neuen traurigen Rekord beim Amselsterben. Und bitten die Bevölkerung um Mithilfe
 Usutu-Amsel

Eine am Usutu-Virus erkrankte Amsel

Amseln gehören nicht nur zu den besten Sängern in deutschen Gärten, sondern sind auch unsere häufigsten und markantesten Vögel. Doch seit Jahren häufen sich Berichte über Tiere, die apathisch wirken, bei der Annäherung nicht fliehen, sich torkelnd bewegen, am Kopf zerzaust wirken. Viele von ihnen sind mit dem Usutu-Virus infiziert. Und sterben meist innerhalb weniger Tage.

Seit 2011, als das Virus zum ersten Mal in Deutschland wütete, grassiert die Infektionskrankheit, die von Stechmücken übertragen wird. Damals starben nach Schätzungen 300.000 Amseln, vor allem in der Rheinebene. Nach Berechnungen des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) brach der Amselbstand in den 21 betroffenen Landkreisen innerhalb eines Jahres um rund ein Drittel ein. Alarmierte Vogelfreunde berichteten von regelrecht "entvölkerten" Landstrichen.

Experten bitten um Mithilfe

Wie im vergangenen Jahr erwarten Experten den Höhepunkt des Amselsterbens in den Monaten August und September. 2018 entfielen 93 Prozent der insgesamt fast 13.500 Meldungen auf diese beiden Monate. Da der Sommer 2019 bislang ebenso heiß wie der vorangegangene sei, aber feuchter, könnte die Usutu-Welle schlimmer verlaufen, glaubt Renke Lühken vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Der Grund: Es gibt mehr Mücken, also potenzielle Viren-Überträger.

Auch in diesem Jahr ruft der Naturschutzbund Deutschland (NABU) wieder dazu auf, kranke und tote Vögel zu melden und - wenn möglich – zur Feststellung der Todesursache an das BNITM zu schicken. So wollen die Vogelschützer mehr über die Ausbreitung des Virus erfahren – und welche Auswirkungen die neue Krankheit auf die Amselpopulation hat.

Ist Usutu für Menschen gefährlich?

Der Erreger ist zwar verwandt mit dem in Süd- und Südosteuropa schon länger vorkommenden West-Nil-Virus, aber für Menschen in der Regel ungefährlich. Das BNITM schreibt auf seiner Homepage, eine Übertragung des Usutu-Virus auf Menschen - ebenfalls durch infizierte Mücken - sei zwar grundsätzlich möglich. "Zu den Symptomen gehören Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschläge; in seltenen Fällen kann es zu einer Gehirnentzündung kommen." Allerdings konnten in Deutschland bislang nur zwei Infektionsfälle nachgewiesen werden - ohne Krankheitssymptome bei den Betroffenen. Ein Anlass zur Sorge besteht laut BNITM nicht.

Obwohl von toten Vögeln nach aktuellem Wissenstand keine Gefahr ausgeht, raten NABU und BNITM dazu, die Tiere nur mit Einmal-Handschuhen oder einer übergestülpten Plastiktüte anzufassen.

Usutu ist nicht zu stoppen

Entdeckt wurde das Usutu-Virus 1959 in Swaziland im südlichen Afrika – in einer Mücke. Die auf Vögel spezialisierten Blutsauger übertragen den Erreger auf ihren Wirt, und weitere Mücken können sich bei ihrer Blutmahlzeit infizieren. Während die Infektion für die meisten Zugvögel offenbar ungefährlich ist, verläuft sie bei Amseln und weiteren mitteleuropäischen Singvogelarten oft tödlich. Betroffen sind unter unter anderen Arten auch Singdrosseln, Haussperlinge und Meisen.

Neue Totfunde lassen darauf schließen, dass sich das Virus weiter ausgebreitet hat. Mittlerweile ist das ganze Bundesgebiet betroffen - mit Ausnahme der höher gelegenen Mittelgebirgsregionen. Ornithologen und Tropenmediziner erwarten aber auch, dass immer mehr Vögel Resistenzen entwickeln und die Infektion überleben. Dass die Amsel in Deutschland ausstirbt, müssen wir also wohl nicht fürchten.

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