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Pelzfarmen Tierrechtler decken auf: Nerz-Kadaver im Biodiesel

Nerz in Käfig
Tierrechtler kritisieren die Haltungsbedingungen auf ausländischen Pelzfarmen - hier in Dänemark
© Rokas Tenys / shutterstock
Über den Umweg Deutschland und Niederlande gelangen Überreste von Nerzen aus dänischen Pelzfarmen in den Tank. Das zeigen Recherchen von PETA und SWR

Wer Biodiesel tankt, fährt möglicherweise mit den Überresten von Nerzen aus dänischen Pelzfarmen. Das zeigen jetzt Recherchen der Tierrechtler von PETA und des SWR.

PETA-Mitarbeiter hatten in einer Langzeitrecherche dänische Nerzfarmen beobachtet und den Weg von Nerz-Kadavern nach Deutschland verfolgt. In einem Tierkörperbeseitigungsunternehmen nahe dem Schleswig-Holsteinischen Schleswig sind den Recherchen zufolge Zehntausende enthäutete Nerze angeliefert worden. Das belegen auch Video-Aufnahmen von Mitarbeitern des Unternehmens.

Die Fette sollen dann SWR-Recherchen zufolge nach Belgien und die Niederlande geliefert worden sein, wo sie raffiniert und Biodiesel beigemischt wurden.

Gegenüber dem SWR bestätigte das Tierkörperbeseitigungsunternehmen schriftlich, dass „ein Großteil des Tierfettes in die Biodieselindustrie verkauft“ werde.

Schon seit 2019 keine Nerzfarmen mehr in Deutschland

Nerzfarmen gibt es in Deutschland schon seit dem vergangenen Jahr nicht mehr. Die Käfige der letzten deutschen Pelzfarm in Nordrhein-Westfalen waren im März 2019 leer. Offenbar haben neue gesetzliche Vorgaben für die Tierhaltung die Nerzzucht in Deutschland unrentabel gemacht. Im Nachbarland Dänemark dagegen nimmt die Zahl der gehaltenen Tiere zu. Laut tagesschau.de wurden im vergangenen Jahr in mehr als 1500 Farmen 19 Millionen Nerze gehalten. Besonders im Norden des Landes, etwa rund um die Stadt Aalborg, hätten sich zahlreiche Farmen angesiedelt.

Heimlich gedrehte Videoaufnahmen dänischer Tierschützer zeigen kranke und verletzte Tiere in schmutzigen, zu engen Drahtkäfigen. Da solche Käfige oft mit mehreren Tieren belegt sind, zeigen die Tiere Verhaltensstörungen und verletzten sich gegenseitig, Infektionen sind die Folge. Laut Einschätzung von PETA sind solche Haltungsbedingungen in Dänemark legal, in Deutschland hingegen mit dem Tierschutzgesetz nicht vereinbar.

Dem SWR gegenüber bestätigten Veterinäre, dass die Entsorgung der Tierkörper für dänische Unternehmen in Deutschland billiger sei. Tierschützer kritisieren, dass die beteiligten Unternehmen indirekt einen Umgang mit Tieren unterstützen, der in dieser Form in Deutschland verboten ist.

Nach Angaben von PETA findet sich ein "bedeutender Anteil" der dänischen Pelzproduktion in deutschen Boutiquen und im Angebot von Versandhäusern wieder.

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