Mythen-Check Fünf populäre Irrtümer über Plastiktüten

Ist Papier die bessere Alternative? Und können kompostierbare Beutel in die Biotonne? Wir klären verbreitete Mythen über Plastiktüten auf
Plastiktüte

Zwei Milliarden Plastiktüten verbrauchen die Deutschen jedes Jahr

In diesem Artikel
1. Einkaufstüten aus Plastik lassen sich als umweltfreundliche Müllbeutel verwenden
2. Kompostierbare Plastiktüten sind ökologisch vorteilhaft
3. Papiertüten sind umweltfreundlicher als Plastiktüten
4. Plastik-Mülltüten gehören in den Müll
5. Wozu Plastiktüten sparen? Das Recycling funktioniert doch!

1. Einkaufstüten aus Plastik lassen sich als umweltfreundliche Müllbeutel verwenden

Man kann die Plastiktüte vom letzten Einkauf natürlich als Müllbeutel verwenden. „Umweltfreundlich“ ist das allerdings nicht. Denn Einkaufstüten sind dicker und haben eine höhere Reißfestigkeit als übliche Müllbeutel. Das bedeutet, dass zu ihrer Produktion mehr Ressourcen und Energie aufgewendet werden mussten.

Tipp: Nutzen Sie die (saubere) Einkaufstüte ruhig weiter als Einkaufstüte. Wenn sie sich gar nicht mehr verwenden lässt, geben Sie sie in den Wertstoffmüll.

2. Kompostierbare Plastiktüten sind ökologisch vorteilhaft

Stimmt leider nicht. Denn zum einen werden zur Herstellung von „Bio“-Kunststoff Pestizide und Mineraldünger eingesetzt. Außerdem verrotten Bio-Kunststoffe bei weitem nicht so schnell, wie wünschenswert wäre. Darum gehören sie weder in die Landschaft noch in den Biomüll. In der Kompostieranlage würden sie den kostbaren Humus nur verunreinigen – und müssen darum von den Entsorgungsunternehmen aufwändig aussortiert werden.  

Tipp: Werfen Sie Bio-Müll weder in Plastiktüten noch in Bio-Kunststofftüten in den Container - sondern lieber lose. Oder verwenden Sie zum Beispiel Papiertüten oder Zeitungspapier.

3. Papiertüten sind umweltfreundlicher als Plastiktüten

Richtig ist zwar, dass Papiertüten sich in der Umwelt problemlos abbauen. Das war's dann aber auch schon mit den Vorteilen der Papiertüte. Das Problem: Um dieselbe Reißfestigkeit zu erreichen, muss das Tüten-Material im Vergleich zu Plastik dicker sein. Papiertüten sind darum fast doppelt so schwer – und verbrauchen auch für den Herstellungsprozess mehr Rohstoff, Energie, Wasser und Chemikalien. Genutzt werden sie aber wie ihre Kunststoff-Pendants: durchschnittlich nur 25 Minuten.

Tipp: Verwenden Sie statt Papiertüten lieber die Tüten, die Sie schon haben – so lange wie möglich. Ideal ist eine feste Mehrweg-Tragetasche aus Recycling-Kunststoff.

4. Plastik-Mülltüten gehören in den Müll

Klar, Restmüll gehört mitsamt der Mülltüte in den Restmüll-Container. Oder? Nicht unbedingt! Wer seinen Müll trennt, wird feststellen, dass im Restmüll überwiegend trockene Sachen landen. Und die lassen sich auch lose in den Restmüll-Container entleeren. Wieder eine Tüte gespart!

Tipp: Mülltüten können wir fast beliebig oft wiederverwenden. Dasselbe gilt für die gelben Wertstoff-Säcke.

5. Wozu Plastiktüten sparen? Das Recycling funktioniert doch!

Kann man so nicht sagen. Denn in der EU landen immer noch 90 Prozent aller Plastiktüten auf der Mülldeponie. Und bei unsachgemäßer Entsorgung auch in der Umwelt und im Meer. Auch in Deutschland werden jährlich mehr als zwei Milliarden Tüten verbraucht. Und auch im Musterland der Mülltrennung und Recycling werden nach Angaben des Plastikatlas 2019 nicht einmal 16 Prozent des Kunststoffmülls recycelt. Zudem verbraucht auch das Recycling Energie und Ressourcen.

Tipp: Verzichten Sie, wo immer möglich, ganz auf Tüten – egal, aus welchem Material.