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Die Grundlagen des Wissens

Gehirntraining Was Denksport wirklich bringt

Das Geschäft mit dem sogenannten "Gehirnjogging" boomt. Unternehmen ersinnen immer neue Übungen, Online-Kurse oder Computerspiele. Millionen Menschen versuchen, mit Denksport-Aufgaben geistig fit zu werden. Aber kann das funktionieren? Die Grenze zwischen Seriosität und Scharlatanerie ist schwierig auszumachen
Was Denksport wirklich bringt

Häufig wird älteren Menschen Training für das Gehirn empfohlen. Forscher bestätigen: Wer sein Denkorgan mit Logikrätseln, Knobelaufgaben und Zahlenspielen ertüchtigt, kann den natürlichen Abbau geistiger Fähigkeit – in begrenztem Maß – verzögern

Gehirnjogging für Anfänger geht beispielsweise so: Auf einem Computerbildschirm tauchen drei Punkte auf. Eine Linie erscheint und verbindet den ersten mit dem zweiten Punkt, knickt ab und verknüpft den zweiten mit dem dritten Punkt. Nach wenigen Sekunden verschwindet die Linie wieder. Die Aufgabe besteht nun darin, den Weg der Linie aus dem Gedächtnis nachzuvollziehen – dazu müssen die Punkte in der richtigen Reihenfolge mit der Computermaus angeklickt werden. Bei drei Punkten ist dies problemlos möglich. Doch spätestens, wenn sieben oder acht Punkte auftauchen, wird es knifflig. Die Linien ziehen sich kreuz und quer über den Bildschirm; die Zeit, um sich das entstehende Gebilde zu merken, ist kurz. Wenn das Liniengewirr wieder verschwindet, erinnert man sich vielleicht noch an die ersten drei oder vier Verbindungen – doch der Rest lässt sich partout nicht mehr wachrufen. Diese Übung mit dem Namen „Pfadfinder“ ist Teil eines Gehirn-Trainingsprogramms, das auf einer Website angeboten wird. Sie soll die „Merkfähigkeit“ und die „räumliche Aufmerksamkeit“ steigern, wie es dort heißt. Weitere Trainingsaufgaben bestehen darin, zu einem Geldbetrag das passende Wechselgeld zu finden, einfache Aufgaben in den Grundrechenarten zu lösen, Zahlenreihen zu vervollständigen, Muster zu vergleichen, aus einem Haufen Buchstaben ein Wort zu bilden oder Farbbezeichnungen einander zuzuordnen – ohne sich davon verwirren zu lassen, dass die Schriftfarbe und die Bedeutung der Wörter meist nicht übereinstimmen.

Was Denksport wirklich bringt

In Trainingsprogrammen, die die Intelligenz fördern sollen, werden unter anderem technische Probleme dargestellt. Zum Beispiel: Wie dreht sich Rad 2, wenn Rad 1 in Bewegung gebracht wird? Schneller als Rad 1 (a), langsamer (b), gleich schnell (c) oder gar nicht (d)? Solche Aufgaben lassen sich durch physikalisches Wissen lösen – aber auch durch logisches Denken.

Die Lösungen für alle gezeigten Knobelaufgaben finden Sie am Ende der Seite

Denksport soll durchaus Spaß machen - und das Denkorgan wie einen Muskel ertüchtigen

Die Aufgabenfolgen sind so gestaltet, dass der Anspruch kontinuierlich zunimmt, nach und nach kann man zudem höhere Levels erreichen. Bei den Rechenaufgaben werden zum Beispiel die Zahlen größer und schließlich teils durch Symbole ersetzt – man muss sich also zusätzlich merken, welches Symbol für welche Zahl steht. In den anderen Übungen werden die Muster komplizierter, die gesuchten Wörter länger. Langeweile soll zu keiner Zeit aufkommen, der Denksport durchaus Spaß machen. Die Computerspiele sind allerdings nicht nur dazu gedacht, die Zeit zu vertreiben – glaubt man dem Anbieter, sollen sie wahre Wunder bewirken: Auf einer Website heißt es, dass sie die Denkgeschwindigkeit des Spielers, seine Konzentration, das logische Denken sowie andere geistige Fähigkeiten verbessern. Insgesamt könne das tägliche Training die „Gehirnleistung“ um bis zu 40 Prozent steigern. Dies, so beteuert das Online-Unternehmen, das mit einem kostenpflichtigen „Premium-Angebot“ Geld verdienen will, zeigten auch Studien renommierter Wissenschaftler. Häufig werden Übungen fürs Gehirn insbesondere für ältere Menschen empfohlen: Wer das Denkorgan wie einen Muskel ertüchtige, der könne den natürlichen Abbau der geistigen Fähigkeiten im Alter aufhalten oder zumindest verzögern. Gerade individuelles Gedächtnistraining helfe dabei, lange geistig fit zu bleiben und im Alltag besser klarzukommen. Selbst das Risiko von Demenzerkrankungen wie Alzheimer, behaupten einige Anbieter, ließe sich durch gezieltes kognitives Training verringern.

Was Denksport wirklich bringt

Viele Übungen sollen dazu dienen, die Imagination zu trainieren. Es geht darum, Muster zu erkennen oder vor dem geistigen Auge Gegenstände zu drehen oder Puzzle zusammenzusetzen. Zum Beispiel formen diese Stücke gemeinsam ein Quadrat. Ein Teil allerdings ist zu viel. Welches ist es?

Gehirnjogging - ein Milliardengeschäft

Kein Wunder also, dass das Geschäft mit den Übungen boomt. Marktforschern zufolge hat sich der Umsatz digitaler Gehirnjogging-Angebote weltweit zwischen 2005 und 2013 mehr als versechsfacht – von 210 Millionen auf 1,3 Milliarden Dollar. Die Hersteller verdienen also gut an den Trainingsprogrammen. Und sie ersinnen immer neue Angebote. So gibt es inzwischen auch Online- Kurse und CD-ROMs sowie Apps und Anwendungen für Spielekonsolen. Die meisten Produkte funktionieren ähnlich wie das Trainingsprogramm, zu dem das Spiel „Pfadfinder“ gehört: Unterschiedliche geistige Fähigkeiten sollen durch bestimmte Aufgaben gestärkt werden, der Schwierigkeitsgrad passt sich automatisch dem Lernfortschritt an. Einzelne Anbieter locken Kunden auch mit der Aussicht, die eigene Wahrnehmung zu schärfen. Entsprechend geht es in manchen Übungen etwa darum, bestimmte Objekte auf dem Bildschirm möglichst schnell zu erkennen oder Töne zu unterscheiden. Und selbst wenn man keine Lust auf elektronisches Gehirntraining verspürt, lässt sich dem erlahmenden Geist auf die Sprünge helfen – ganz klassisch mit Papier und Bleistift. Bücher und Hefte bieten Logikrätsel, Knobelaufgaben und Suchspiele an, mit denen zum Beispiel Konzentration, Gedächtnis oder räumliches Denken verbessert werden sollen.

Was Denksport wirklich bringt

Dreidimensionale Puzzles sollen die Raumwahrnehmung stärken. Denn dabei müssen wir ungewohnte Perspektiven oder Figuren imaginieren. So lässt sich die Form ganz links zu einer Art Schachtel falten. Welcher der daneben abgebildeten Schachteln entspricht sie?

Den ganzen Artikel und weitere Denksportaufgaben finden Sie im neuen

GEOkompakt Nr. 44 "Jung im Kopf".

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