Zwischen den Welten. (M)Ein Wochenende in Riga

Reisebericht

Zwischen den Welten. (M)Ein Wochenende in Riga

Reisebericht: Zwischen den Welten. (M)Ein Wochenende in Riga

Riga wird häufig unterschätzt. Aber glaubt es mir: Die baltische Metropole an der Ostsee ist eine bezaubernde Stadt. Sie zu erkunden, ist wie in einem Bilderbuch zu blättern – man entdeckt ständig etwas Neues. Besonders eindrucksvoll ist die gut erhaltene Architektur. In ihr spiegelt sich die über 800-Jährige Stadtgeschichte Rigas. Die Kulturhauptstadt Europas 2014 ist definitiv eine Reise wert!

Zwischen den Welten. (M)Ein Wochenende in Riga

Auf Riga, die baltische Metropole, war ich wirklich gespannt. Bei dem Begriff Metropole denke ich eigentlich immer als erstes an das Empire State Building und die Brooklyn Bridge – aber gut, ich bin ja offen für Neues. Einige meiner Freunde und Bekannte haben mich allerdings skeptisch gemustert, als ich ihnen von meinem Plan erzählt habe, für ein Wochenende in die lettische Hauptstadt zu fliegen. „Was willst Du denn in Riga? Da gibt es doch nichts zu sehen.“ Riga wird von vielen unterschätzt. Und ich geb’s zu: Kurz habe ich an meiner Entscheidung gezweifelt und mich gefragt, warum ich nicht einen Kurztrip in den Süden gebucht habe.

Aber glaubt es mir: Riga ist eine bezaubernde Stadt. Sie zu erkunden, ist wie in einem Bilderbuch zu blättern – man entdeckt ständig etwas Neues. Schlendert man in Riga durch die Straßen, erfährt man hinter jeder Ecke mehr über die reiche Historie der Stadt. Besonders eindrucksvoll ist die gut erhaltene und unglaublich vielseitige Architektur. In ihr spiegelt sich die über 800-Jährige Stadtgeschichte Rigas. Hier verlaufen mittelalterliche Mauern entlang historischer Prunkbauten und moderner Gebäude im zeitgenössischen Design.

Hingeflogen bin ich mit Air Baltic. Von Düsseldorf aus. Die lettische Fluggesellschaft startet aber auch von anderen deutschen Städten aus. Sie fliegt von Hamburg, Berlin, Frankfurt am Main und München nach Riga. Die Airline gehört zu einer der zehn innovativsten Fluggesellschaften weltweit. Ganz lustig: das Pilotprojekt „SeatBuddy“. Interessant für alle, die alleine fliegen. Bei „SeatBuddy“ handelt es sich um einen Service, der es ermöglicht, Fluggäste mit ähnlichen Interessen nebeneinander zu platzieren. Das heißt, hier kommt keine Langeweile auf, weil man immer irgendein Gesprächsthema findet. Ob es sich auf dem, kurzen Flug nach Riga allerdings lohnt, diesen Service einmal auszuprobieren – wohl eher nicht. Noch etwas, was für AirBaltic spricht: das freundliche (Kabinen-)Personal.

In Riga angekommen, ging es mit dem Taxi vom Flughafen in die Innenstadt zum Hotel. Die Fahrt in die Altstadt dauert ungefähr 20 bis 30 Minuten, je nach Verkehrslage. Ich habe im Hotel Neiburgs gewohnt. Es befindet sich in einem der ältesten Jugendstil-Gebäuden Rigas. Die Fassade ist weltbekannt. Das Hotel liegt nur eine Straße vom Rigaer Dom entfernt und ein paar Minuten zu Fuß von der Oper. Von meinem Fenster aus hatte ich einen tollen Blick auf den Dom. Im Neiburgs treffen der Art Nouveau-Stil und modernes Design aufeinander: alte Holztüren, tolle Wandmalereien und schöne Motive auf den Abzugsschächten auf der einen und ein supermodernes Badezimmer, ein großer Flachbildfernseher und abstrakte Lampen auf der anderen Seite. Die Zimmer sind groß, hell und alle mit einer voll funktionsfähigen Küche ausgestattet, sodass man sogar selbst kochen kann, wenn man möchte. Gutes Essen gibt es aber auch im Restaurant Neiburgs, das dem Hotel angeschlossen ist und sich im Erdgeschoss befindet. Wer abends vom vielen Laufen erschöpft ist und Entspannung braucht, der kann entweder in die hauseigene Sauna oder ins türkische Bad gehen.

Man kann Riga auf eigene Faust erkunden oder sich einer Stadtführung anschließen. Ich habe eine Stadtführung gemacht und muss sagen, es war eine der besten, die ich je bekommen habe. Unsere Stadtführerin Aija (http://www.cityguide-index.com/stadtfuehrer-finden/lettland/riga/aija-kocina.html) hat nicht nur sehr gut Deutsch gesprochen, sondern konnte uns wirklich eine Menge über die Stadt und ihre Geschichte erzählen. Zwischendurch hatte sie auch immer eine Anekdote oder Spukgeschichte parat, um ihre Ausführungen ein bisschen aufzulockern. Insgesamt hat Aija uns rund drei Stunden im Zickzack, vorbei an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten, durch die Rigaer Altstadt und Neustadt geführt. Und dabei habe ich eine ganze Menge über Riga gelernt:

Die Hansestadt wurde 1201 vom deutschen Bischof Albert gegründet und stand lange Jahre unter deutscher Herrschaft, die erst 1629 von den Schweden gebrochen werden konnte. Schnell wurde Riga zu einer der größten Städte des schwedischen Königreichs. 1710 übernahmen schließlich die Russen die Kontrolle über die Stadt. Und obwohl die Stadt zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr von den Deutschen regiert wurde, war der deutsche Einfluss offensichtlich. So war bis 1891 die offizielle Amtssprache Deutsch, erst dann wurde Russisch Amtssprache. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 wurde Lettland unabhängig und Riga zur Hauptstadt der neuen lettischen Republik gemacht. Der wirtschaftliche Boom und die rasche Entwicklung des Bauwesens Anfang des 20. Jahrhunderts machten Riga zur bedeutendsten Jugendstilstadt in der Welt.

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges verlor Lettland seine Unabhängigkeit wieder. Erst besetzten die Russen die Stadt. Und nach dem Angriff auf die Sowjetunion übernahmen 1941 nach mehr als 300 Jahren wieder die Deutschen die Kontrolle über das Gebiet um Riga. Während der schweren Kämpfe um die Rückeroberung der Stadt durch die Rote Armee 1944 wurde die Altstadt Rigas sehr schwer beschädigt. Erst 1991 wurde Lettland schließlich unabhängig und Riga wieder Hauptstadt eines souveränen lettischen Staates.

Zurzeit ist Riga eine der dynamischsten und am schnellsten wachsenden Städte in Europa. Mit rund 736.000 Einwohnern ist sie nicht nur die größte Stadt des Landes, sondern mit über einer Million Einwohnern in der Region gleichzeitig der größte Ballungsraum der drei baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland. Knapp eine Million Touristen besuchen die Hafenstadt an der Ostsee jedes Jahr. Das Herz von Riga ist die malerische Altstadt. Und seit 1997 gehört das historische Zentrum der lettischen Hauptstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der unwiderstehliche Charme der Stadt rührt von ihrer einzigartigen kulturellen Vielfalt. Riga liegt direkt an der Schnittstelle zwischen Ost und West, Nord und Süd. Deshalb sind hier Traditionen aus vielen Ländern zusammengeflossen.

Riga gilt weltweit als das Zentrum des Jugendstils. Rund 800 Gebäude in Riga sind im Art Nouveau-Stil erbaut, das sind ungefähr ein Drittel aller Gebäude in der baltischen Metropole. Die schönsten davon hat der berühmte Architekt Michael Eisenstein entworfen, insgesamt 19 Stück. Kennzeichnend für diesen Architekturstil sind üppige Ornamente an den Gebäudefassaden: dekorative, geschwungene und stilisierte florale Elemente. Zur Freude der männlichen Touristen zieren auch viele nackte Frauen die Fassaden der Häuser von Michael Eisenstein. Aija wusste aus Erfahrung zu berichten, dass viele Männer mit dem Kopf nach oben durch die Straßen laufen und vergessen zuzuhören. Angeblich hat Michael Eisenstein seine unglückliche Ehe in seinen Entwürfen verarbeitet: Die Frauen lachen nie, schauen beinahe gleichgültig auf die Passanten auf der Straße hinunter; die Männer schauen dagegen verstört oder schreien mit weit aufgerissenem Mund.

Die meisten Sehenswürdigkeiten liegen sehr nah beieinander und sind gut zu Fuß zu erreichen. Must Sees sind der Rathausplatz, auf dem sich auch das besonders schöne Schwarzhäupterhaus befindet. Das Rigaer Schloss und der Dom sind nicht weit entfernt. Gegenüber vom Dom befindet sich die Rigaer Börse, die auch in einem sehr schönen, alten Gebäude untergebracht ist. Die Drei Brüder, ein kleines Ensemble von Wohnhäusern aus unterschiedlichen Epochen, zeigen am anschaulichsten, wie sehr sich Riga im Laufe der Zeit verändert hat. Die große und kleine Gilde am Livländischen Platz gelegen, sehen so pittoresk aus, da glaubt man tatsächlich, man wandert durch eine Bilderbuchwelt. Unweit des Freiheitsdenkmals steht in einem Park die Rigaer Nationaloper, für die es auch relativ günstig Tickets zu kaufen gibt. Ein beliebter Treffpunkt in Riga ist die Laima Uhr, schräg gegenüber der Oper. Geht man an der Freiheitsstatue vorbei Richtung Neustadt, ragt im Stadtpark neben einem die prächtige Christi-Geburt-Kathedrale in den Himmel. Sie ist das größte orthodoxe Gotteshaus in Riga. Einer der berühmtesten – und einer meiner liebsten Orte – ist der stilvolle Bergs Basar, Rigas erste Einkaufsstraße. Kleine Geschäfte, ein grüner Markt und gemütliche Restaurants und Cafés findet man hier – beispielsweise die Kanela Konditoreja, eine kleine Zimt Konditorei. Einen Besuch wert ist auf jeden Fall auch der Zentralmarkt. In den fünf riesigen Markthallen gibt es Sachen zu kaufen, von denen wusste ich nicht mal, dass man sie kaufen, geschweige denn essen kann. Einen tollen Blick über die Stadt hat man von der Skyline Bar des Radisson Blue Hotels am Rande des Stadtparks. Hier kann man vor dem Abendessen (oder auch danach) entspannt einen Cocktail schlürfen und den grandiosen Blick über die Dächer von Riga genießen.

Außerdem locken in Riga viele interessante Museen. Ich habe das Rigaer Museum für dekorative Kunst und Design besucht, wo zurzeit eine Ausstellung mit Kleidungsstücken aus dieser Epoche läuft. Unter den 70 Exponaten sind Designs, die von den damals angesehensten Modehäusern wie Worth, Doucet, Paguin und Fortuny entworfen wurden – den Dolce&Gabbanas, Armanis und Pradas des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Riga präsentiert sich wie eine Kreuzung aus modernem europäischen Lifestyle und historischem Flair: Während es in der Neustadt eher hektisch zugeht, entspannen die Menschen in der urigen Altstadt gemütlich bei einer Tasse Riga Kaffee – Kaffee mit Black Balsam, einem traditionellen Kräuterschnaps. Gegessen wird in Riga eher herzhaft: Speckkuchen, gefüllter Schweinekopf oder einen Teller Sauerkrautsuppe. Viele Touristen entscheiden sich lieber für eine Pizza, wenn sie die Speisekarten der traditionellen Restaurants studiert haben. Und ja, ich geb‘s zu: Statt für einen Teller graue Erbsen mit Speck, habe ich mich letztendlich auch für eine Pizza Hawaii entschieden.

Was mich in Riga irgendwie besonders fasziniert hat: Obwohl es Mitte Oktober in Riga schon recht kalt war, saßen immer noch viele junge Leute draußen. Zwar hatten sich die meisten in dicke Decken eingemummelt und sich neben einen Heizstrahler gesetzt, trotzdem sah es total gemütlich aus. In der grünsten Stadt des Baltikums genießt man die gute Luft nicht nur im Sommer, sondern offensichtlich auch im Winter.

Mein Fazit: Die baltische Metropole ist definitiv eine Reise wert. Wer gerne Städtetrips macht, der sollte Riga auf jeden Fall zu seiner Wunschliste hinzufügen. Ich würde gerne noch einmal im Winter bei Schnee nach Riga zurückkommen und das traditionelle Lichterfest Staro Riga („Riga erstrahle!“) besuchen, das einmal jährlich stattfindet. Das muss wirklich ein tolles Erlebnis sein. Vielleicht schaffe ich es 2014, wenn Riga die Kulturhauptstadt Europas ist.

Noch ein Tipp zum Schluss: Wer einen guten Reiseführer sucht, dem empfehle ich „Another Travel Guide. Die lettische Hauptstadt für Insider“. Dieser Guide ist ein bisschen anders strukturiert als herkömmliche Reiseführer. Er ist von Künstlern, Architekten, Unternehmern, Journalisten und Fotografen, etc. – „selbst ernannten Stadtführern“ – entworfen worden und zeigt Riga von einer persönlicheren Seite.



Das Schwarzhäupterhaus

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Kommentare

  • weltreisen

    gut geschildert, so habe ich riga bei meinem besuch auch erlebt. und probier es doch auch mal mit tallinn oder vilnius das nächste mal, lohnt sich auf jeden fall.
    inge

  • Vinni

    Schöner Bericht :) Es lohnt übrigens auch der Besuch im Freiluftmuseum vor den Toren Rigas (aber vielleicht besser, wenn die Tage wieder länger sind). Ich war im Frühjahr in Riga und hab auch ein paar Bilder bei mir drin.

    Liebe Grüße
    Vinni

  • Jaquily

    Sehr toller Bericht macht Lust auf Erkundungen. Vielen Dank.

  • icchk

    Nach so einem Reisebericht braucht man fast keinen Reiseführer mehr ;-), möchte aber sofort auch nach Riga! Hört sich ganz bezaubernd an! Vielen Dank!

  • Sternensilber

    Wir sind dieses Jahr an Ostern in Riga und ich hab mir gleich mal ein paar Notizen gemacht. Dankeschön. Da uns Air Baltic mal nicht nach Tallinn mitgenommen hat, mussten wir mit dem Bus vom Flughafen Riga nach Tallinn. Da konnten wir mal kurz einen Blick in die Altstadt werfen und haben damals beschlossen, dass es sich wohl auch ein paar Tage dort lohnt. Dieses Jahr ist es soweit. Viele Grüße Anne

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