Piemont: Mit allen Sinnen reisen

Reisebericht

Piemont: Mit allen Sinnen reisen

Reisebericht: Piemont: Mit allen Sinnen reisen

Wer in das Piemont verreist, pflegt für gewöhnlich, seinen Gaumen zu verwöhnen. Wer wissen will, wie wir in den 4 Tagen unserer Kurzferien auch auf einen anderen Geschmack gekommen sind, sinn - voll reisten, ohne dass wir etwas entbehren mussten, kann hier fündig werden.

Seite 1 von 6

Anreise

Die Autofahrt über Varese auf die wenig befahrene Autobahn Richtung Alessandria gestaltet sich dank Navi mühelos und sicher. Schon vor Mittag sind wir in Casale Monferrato, einer kleinen Provinzstadt, am Po gelegen, mit ungefähr 36000 Einwohnern, umgeben von den Hügeln des Monferratos, heute eher ein verschlafenes Städtchen. Im Zentrum finden wir ohne grosse Probleme einen kleinen Parkplatz. Stille, schattige Gassen führen uns direkt vor den Duomo.



Schattige Gasse



Casale Monferrato

Sant'Evasio, der Bischof von Asti, dem auch der Dom geweiht ist, benannte das Dorf "Casale" nach dem italienischen Begriff für "Landhaus" . Die romanische Kathedrale stammt aus dem Jahr 742 und erfuhr im 12. Jahrhundert einen kompletten Umbau. Nach einer Restaurierung 1706 wurde sie im 19. Jahrhundert in den mittelalterlichen Zustand zurückversetzt. Die weissen Vorhänge im Vorraum schaffen eine vornehme Atmosphäre. Im Kircheninnern umgibt uns das Dunkel eines grossartigen Gebetsraums.



Kunst im Vorraum



Ein kurzer Blick über die Piazza Mazzini zeigt uns, dass hier die Zeit beinahe stehengeblieben ist. Einer der ältesten Plätze der Stadt verweist auf eine reiche Vergangenheit. Wahrscheinlich geht der Platz am Schnittpunkt verschiedener Strassen sogar auf die römische Zeit zurück. Im Mittelalter war die Piazza Mazzini Zentrum des politischen und wirtschaftlichen Lebens. Heute eher ruhig und beschaulich. In der Mitte das Reiterdenkmal von Charles Albert von Savoyen, der im Piemont ein administratives Modell entwarf. Er gab Anstoss für eine freie Entfaltung der Landwirtschaft, des Bankenwesens und des Handels. Mit der Statue inmitten des schönen Platzes gedenkt die Stadt der zahlreichen Verdienste Carlo Albertos, dem weitblickenden Repräsentant des Könighauses Savoyen, inmitten einer krisengeschüttelten Zeit.



zeitlos aber nicht unbedeutend



Mit meinem neu erstandenen Osteriaführer ( siehe Tipp) nehmen wir Kurs auf Calliano, das zu San Diserio gehört. Allzu sehr können wir aber der neuen Technik nicht vertrauen! Das Navi schickt uns in die Wüste. Beim Zurückfahren gelangen wir dann doch zum Santisé der Familie Scanavino, die uns im schattigen Garten einer schönen Villa aus dem 19. Jahrhundert verwöhnt. Es ist heute ein aussergewöhnlicher Ruhetag. Trotzdem wird für uns frisch gekocht...





Richtung Asti sind es nur wenige Kilometer. Eingangs Albas finden wir unser Hotel
„I Castelli“, wo wir für drei Tage sehr gut untergebracht sein werden. Wenige Meter vor dem Stadteingang gelegen, mit einer grossen Hotelgarage, im Preis inbegriffen, ein schönes klimatisiertes Zimmer. So lässt es sich aushalten!



Alba

Beim Spaziergang durch die Stadt zieht es uns unwillkürlich zum Duomo.
Der Duomo von Alba ist San Lorenzo Martire geweiht. Er befindet sich auf der Piazza Risorgimento, einem der Hauptplätze der Stadt. Der Duomo stammt aus dem X. Jahrhundert und wurde nach verschiedenen Veränderungen 1486 auf Wunsch des Bischofs Andrea Novelli wieder aufgebaut. Die heutige Fassade geht auf das Jahr 1878 zurück. Bei den Renovationsarbeiten wurde der Kirche das heutige regelmässig symmetrische Aussehen verliehen.



Kirchen - Schloss



Der Nachtspaziergang durch Alba hat uns verzaubert. Dabei sind wir in die Geschichte eingetaucht. Sie reicht ins 6. bis 3. Jahrtausend zurück. Wenn wir heute durch die Strassen schlendern, können wir uns die Lebensweise der ersten Bewohner kaum vorstellen: Die keltischen Menschen waren sesshaft geworden, wohnten in runden Hütten, benutzten Steinwerkzeuge und stellte Keramik her. Der Fluss Tanaro mit seinen Sandbänken und dem Lehmvorkommen aus den häufigen Überschwemmungen, lieferte das Werkmaterial sozusagen vor die Hütte...
Heute lebt Alba von den Wein – und Trüffeltouristen. Aus den Rundhütten sind Hotels, Geschäfte, Verwaltungsgebäude und Bürgerhäuser geworden. Die Töpfe haben die Bewohner eingetauscht gegen Weinflaschen mit dem kostbaren Rebensaft. im Herbst gegen frische Trüffel, die auf die Goldwaage gelegt werden.... Vor einigen Jahren hat uns ein Kellner in ein Gespräch verwickelt und dabei mit seinem Hobel wie wild über die Tajarinn, feinste Eiernudeln, gehobelt. Die teure Knolle, das wussten wir damals noch nicht, wird per Gramm verrechnet...



Durchgang in Alba



Alba ist ein sehenswertes Städtchen mit rund 30.000 Einwohnnern und gilt als Hauptstadt der Langhe, einem hügeligen Weinanbau - Gebiet mit vorzüglichen Weinen: Hier eine alphabetische Aufzählung der 12 DOCG Gebiete im Piemont: Asti, Barbaresco, Barbera d’Asti, Barbera del Monferrato, Barolo, Brachetto d’Acqui, Dolcetto di Dogliani Superiore o Dogliani, Dolcetto di Ovada Superiore o Ovada, Gattinara, Gavi, Ghemme, Roero (Roero Arneis, Roero Arneis Spumante).



Vor Alba



Wie anderswo in Italien gibt es auch in Alba Geschlechtertürme nach dem Motto: Je höher, desto einflussreicher.... Hier eingangs von Albas Fussgängerzone. Das hübsche, sehenswerte Städtchen wird an Wochenenden und besonders in der Trüffelzeit im Herbst von Touristen förmlich überrannt. Wer sich die mittelalterlich anmutende Kleinstadt in Ruhe ansehen will, soll die Monate vor August ins Auge fassen.



Geschlechtertürme



Unsere Stadtrundgänge bringen uns auf die Plätze, wo die Jungen Fussball spielen, es wird Tango gespielt und ich mische mich unter die Tanzenden. Mein Mann ist doch etwas erstaunt, dass es mich wieder in den Beinen zwickt...
Abends, wenn die Strassen leerer geworden sind, treffen wir viele Bambinis vor der Eisdiele. Eine kleine Erfrischung, wie es scheint, auch für die Mütter.



Gelato


Teilen auf

Mein Interessenprofil

Bitte melden Sie sich an, um Reiseziele zu Ihrem Interessenprofil hinzuzufügen.

Kommentare

  • Hage

    Liebe Ursula, ein lebendiger Reisebericht aus einer schönen Gegend Italiens, die mir bis jetzt ziemlich unbekannt war. Dank Deines Berichts und der schönen Fotos habe ich mehr davon erfahren. LG Hans-Georg

  • Zaubernuss

    Ich danke Dir, Hans-Georg!
    LG: Ursula

  • Blula

    Liebe Ursula! Mit Dir zu reisen, das ist ja stets ein besonderer Genuss und in diesem Fall war es nicht anders. Ich kenne ja beinahe alle Gegenden Italiens, jedoch noch immer nicht das Piemont. Eigentlich eine Schande. Nun aber, durch Deinen wunderschönen und informativen Bericht und die guten Fotografien, bin ich diesem Landstrich schon ein ganzes Stück näher gerückt. Das Piemont kommt jetzt auf meinen Wunschzettel.
    LG Ursula

  • trollbaby

    Mille grazie, Ursula, für diesen Reisegenuss! Italien liebe ich ja auch, nur leider kenne ich das Piemont noch nicht. Nach Deiner wunderbaren Vorstellung dieser Region sehe ich nun, was mir bislang entgangen ist!
    LG Susi

  • traveltime

    Das mit der Pizza der Italiener verstehe ich auch nicht, ich hätte alles andere gegessen. :-)))
    Der Bericht war wieder interessant und schön mit Bildern unterlegt.
    LG Rolf

  • agezur

    Alles was es über Italien, speziell Norditalen geschrieben, fotografiert oder empfohlen wird lese ich immer besonders aufmerksam - sprich meist mehrmals!
    Ich liebe diese Landschaft sehr und bin immer interessiert neue Empfehlungen und Beschreibungen zu finden. Danke für deinen Bericht, der ist dafür ein Musterbeispiel !!
    LG Christina

  • Guido

    Liebe Ursula,
    eine Liebeserklärung an "Bella Italia" und seine Bewohner, das Essen und den Wein. Italien ist eben mehr als nur Rimini und Co.
    Ein grossartiger Bericht mit fantastischen Landschafts-Aufnahmen.
    Liebe Grüsse
    Guido

  • nach oben nach oben scrollen
  • Zaubernuss

    Ich danke Euch allen für Eure freundlichen Kommentare!
    LG: Ursula

  • mpics

    Dein Titel hält, was er verspricht! Man kommt ins Träumen und zwar auf italienisch! :-)
    Ein selten guter und informativer Reisebericht!
    lg Michael

  • ingepeter (RP)

    Liebe Ursula, eine wahrlich schmackhafte Reise, schade, dass ich meinen Hunger nicht mit diesen Genüssen stillen darf. Pizza in Italien ist zwar meist gut, aber nicht die ersehnte typisch italienische Gaumenfreude. Eine Freude sind auch die Fotos, ganz besonders die atmosphärischen Eindrücke in den Abendstunden. Danke auch für den Hinweis auf den Osteria/Slow Food Reiseführer ... Gruss Inge

  • cirrus

    Jetzt gefunden.. und es liest sich immer noch zauberhaft.
    Macht Lust die Gegend zu "erfahren"....
    Liebe Grüße Christel

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Piemont: Mit allen Sinnen reisen 4.90 21

Beliebte Community-Inhalte: AustralienNorwegenThailandVietnamItalienBarcelonaIndien ReiseführerIndien Tipps