PICO - Insel der Kühe, Vulkane und Wale

Reisebericht

PICO - Insel der Kühe, Vulkane und Wale

Reisebericht: PICO - Insel der Kühe, Vulkane und Wale

Pico - der Name hört sich klein an. Der erste Eindruck ist die kleine Landebahn des Flughafens : Aufsetzen, Vollbremsung, Landebahn zuende. Aus dem Fenster sehen wir die Fahrzeuge der Flughafenfeuerwehr mit Blaulicht und laufenden Motoren am Rande der Landebahn. Wir sind gelandet auf der Azoreninsel Pico.

Pico / Azoren



Majestätisch : der Pico Alto

Der zweite Eindruck ist der Pico Alto, Namensgeber der Insel und mit 2351 Metern Gipfelhöhe zugleich der höchste Berg Portugals. Heute liegt der gewaltige Vulkankegel in seiner ganzen Pracht direkt hinter dem Flughafen und präsentiert sich uns in seiner ganzen Schönheit, meist jedoch ist er von Wolken verhüllt. Das macht die Besteigung des Pico Alto zum Abenteuer, hat man oben den herrlicher Ausblick über die Weltmeere oder reicht die Sicht nur bis zum nächsten nebelverhangenen Felsen ?



Adegas auf Pico

Weinanbau

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Wir haben eine Adega im Dorf Prainha do Norte gemietet, ein altes, renoviertes Landhaus aus Vulkansteinen, wie sie gerade in Prainha überall zu finden sind. Hier ist Pico am urigsten, überall Mauern aus schwarzer Lava, kleine Häuser im alten Stil, oftmals bestens renoviert und ausgestattet als Ferienhäuser, drängen sich zwischen Weingärten und Feldern uns teils unbekannter Vegetation. Ein üppige Vegetation, Pico ist relativ regenreich, das bekannte Azorenhoch bringt Wärme, überall wachsen Melonen, Kürbisse, Ananas, Tomaten und andere seltsam anmutende Pflanzen. Wohlschmeckender Wein ist eines der Markenzeichen Picos, der Westen ist überzogen von einem Netz von Mauern aus schwarzem Lavagestein, kleine Gärten bildend, in denen Weinreben gedeihen. Die Mauern schützen vor dem Wind, die schwarze Lava speichert Wärme. So einmalig sind diese Weingärten, das die UNESCO sie 2004 zum Weltkulturerbe erklärte.



Adega



Inseln aus Feuer

Der Vulkanismus prägt das Gesicht der Insel. Vulkane schufen diese Inselgruppe, ein winziger Archipel mitten im Atlantik, aus der Tiefe des Ozeans wachsen gewaltige Vulkane hervor, deren Spitzen aus dem Wasser ragen. Pico ist übersäht von kleinen Vulkankegeln, perfekt erhalten, bilderbuchmäßig ausgebildet, bedeckt von einer bizarren Vegetation. Die Vulkane sind überall, sie prägen die Landschaft, zwingen das Verkehrsnetz in seine Bahnen, liefern den fruchtbaren Boden und die herrliche Wanderlandschaft, immer wieder mit dem grandiosen Pico Alto als malerische Kulisse. 1562 floß zum bisher letzen Mal Lava über die Insel, zwei Jahre lange ergossen sich im Norden bei Prainha Lavaströme ins Meer und bildeten eine neue Halbinsel : Mistério da Prainha.
Pico kennt keine Sandstrände, wie bei den meisten atlantischen Vulkaninseln ragen überwiegend steile Felswände aus dem Meer empor, an manchen flachen, felsigen Küstenabschnitten gibt es Naturbadebecken, Felsriegel und einige Mauern ermöglichen dort gefahrloses Baden. Pico ist keine Insel für erholungssuchende Schwimmer, Picos Reichtum ist die bizarre Wanderlandschaft und die Möglichkeiten, Wale zu beobachten. Walarten gibt es vor der Küste je nach Jahreszeit ziemlich viele, viele große Walarten ziehen hier regelmäßig vorbei. Die Berge der Insel sind meist sanft, längst nicht so schroff wie in den Alpen, aber die Höhenunterschiede können schon als hochalpin gelten. Es ist gar kein Problem, an der Küste loszuwandern und dann tausend Meter aufzusteigen. Da die Wege oftmals lang sind und sich nicht immer eine Rundwanderung anbietet, kann man sich auch zu abgelegenen Stellen ein Taxi rufen, das einen wieder nach Hause bringt. Taxis sind nicht teuer auf Pico und die Taxifahrer finden auch die abgelegensten Stellen. Der Handyempfang ist übrigens ziemlich gut auf dieser Insel.



Delphine



Eine Meer voller Wale und Delphine

Pico aber ist nicht nur eine Wanderinsel, Pico ist die Insel der Wale. Jahrhundertelang war Pico Walfangzentrum, die mörderische Jagd auf Wale hat die Insel und die Menschen geprägt, überall findet man Zeugnisse dieser zum Glück vergangenen Epoche. Auf den Bergen stehen Beobachtungstürme, von denen aus damals wie heute Beobachter nach dem Blas großer Wale schauen und kleine Boote in die richtige Richtung lenken. Die Walverarbeitungsfabriken in Lajes im Süden und in Sao Roque do Pico im Norden sind heutzutage interessante Museen. Kleine Boote fahren immer noch hinaus auf den Atlantik, heutzutage sind es Zodiaks, die über die Wellen springen und nicht für Menschen mit Rückenproblemen geeignet sein. Mit Vollgas schießt der Skipper über die Wogen, wenn er per Funk die Position eines Wales bekommt, meterweit springt das Schlauchboot und knallt aufs Meer oder in die nächste Woge. Seltsam, das sich am Ufer noch nicht viele physiotherapeutische Praxen angesiedelt haben. Und dann wird geschossen .. heute mit Fotoapparaten. Pico ist das Zentrum des Whalewatching, eines sanften Tourismus. Serge Viallelle, Begründer des WhaleWatching auf den Azoren, Inhaber der Agentur Espacotalassa, schickt seine Boote mit ausgebildeten Biologen raus aufs Meer, die dem Walbeobachter alles über die großen Meeressäuger berichten können und Informationen an Forschungseinrichtungen liefern. Man nähert sich den Delfinen und Walen nur bis auf gewisse Distanz, dann müssen sie von selber näher kommen. Und sie kommen! Große Schulen verschiedener Delfinarten begleiteten uns stundenlang. Grindwale schwammen gemütlich neben unserem Schlauchboot her. Aber das Ziel ist natürlich der Pottwal. Mehrfach erlebten wir, wie nahe an unserem Zodiak ein gewaltiger Pottwal urplötzlich aus dem Meer sprang, ohne Vorwarnung, ohne die Chance, den Fotoapparat hochzureißen - nur mit offenem Mund konnten wir schauen, wie diese über 20 Meter langen Giganten komplett aus dem Atlantik sprangen und ins Meer zurück fielen. Mehrfach beobachteten wir Pottwale, die eine zeitlang langsam an der Meeresoberfläche einher schwammen, immer wieder kamen die Rückenflossen heraus, immer wieder blies der Gigant, bis er letztendlich zum tauchen ansetze, senkrecht in tausend Meter Tiefe entschwand und uns zum Abschied bilderbuchmäßig die Fluke zeigte. Unvergessen ist das Pottwalkalb, nur etwa 10 Meter lang, das sich direkt unter unser Zodiak treiben ließ, die Mutter war zunächst zur Nahrungssuche abgetaucht, später war sie auch neben dem Schlauchboot. Wir hätten das Pottwalkalb streicheln können. Ein bißchen fühlten wir uns doch wie Kapitän Ahab. Mehrfach erlebten wir große Meeresschildkröten, die von Florida herüber geschwommen kommen. Unsere Führer fischen sie dann aus dem Meer, messen Sie, markieren Sie und senden die Daten an eine Forschungsstation in Florida.





Pottwal

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Urzenlandschaft

Urzenlandschaft

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Menschliche Siedlungen gibt es eigentlich fast nur rundum an der Küste, das Inselinnere ist nahezu unbewohnt, gehört Urzen und Kühen, beides gibt es dort in großen Mengen. Urze ist der portugiesische Name für ein Heidekrautgewächs, die charakteristischste Pflanze im Hochland, sie bedeckt weite Gebiete, mal baumhoch, mal als kleiner Busch, oft seltsam gebeugt durch den oftmals sehr kräftigen Wind, der schon einen Menschen umwerfen kann, wenn man gerade oben auf dem Grad ist, über den der Wind herüber fegt. Diese Urzenlandschaft ist voller hübscher, sehr fotogener Kühe, die schon mal als ganze Herde einfach auf der Hauptstraße liegen. Es gibt einige markierte Wanderwege auf Pico, aber die gelb-roten Striche auf den Felsen übersieht man schon einmal und dann sind längere Umwege fast garantiert, ein GPS-Gerät kann gerade hier gute Dienste leisten, wenn auf einmal plötzlich dichter Nebel aufzieht, der Wind den Regen peitscht und der Wanderer sich am liebsten ganz in seine Regenjacke zurück zieht. Und plötzlich reißen die Wolken wieder auf und geben ein herrliches Panorama frei : grüne Vulkankegel mit einem runden Krater in der Mitte. Lagaos - Kraterseen im Hochland inmitten grüner Wiesen, an deren Ufer zahlreiche Vögel nisten. Und natürlich überall die windgepeitsche Heidekrautvegetation und die Kühe. Es sind Wanderwege durch eine ausgesprochen reizvolle Landschaft, die man so schnell nicht vergißt.



Hauptstraße nach Lajes

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Auf den Pico

Pico Alto

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Neben den vielen kleinen Vulkankegeln, an denen man vorbei wandert, dominiert der riesige Vulkan Pico die Szenerie. Über 3500 Meter ragt er vom Meeresboden empor, der letzte Ausbruch fand 1963 untermeerisch statt ... ein aktiver Vulkan, die Wolken an seinem Gipfel lassen schon einmal an eine Rauchsäule denken. Der Aufstieg ist nicht ungefährlich, plötzlicher Nebel und Unwetter haben schon so manchen Wanderer sich verirren lassen. Deshalb darf der Pico nur bestiegen werden, wenn man sich zuvor im Besucherzentrum am Beginn des Aufstieges bei der Feuerwehr registriert hat. Man bekommt ein ortungsfähiges GPS-Gerät mit Alarmtaste und kann so im Notfall Hilfe bestellen. 1000 Höhenmeter sind vor hier noch zurückzulegen, es ist möglich, auf dem Gipfel im Zelt zu übernachten, mit Frost ist zu rechnen, der Sonnenaufgang ist gewaltig.



Lavafelder der Ostküste

Stricklava

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Eine grandiose Wanderung durch Lavafelder bietet die Ostküste. Am Leuchtturm von Manhenha beginnt eine mehrstündige, sehr anspruchsvolle Wanderung, die zunächst kilometerlang durch Lavafelder führt, die nahezu ohne Vegetation sind und wunderbare Lavastrukturen zeigen. Nur beste Schuhsohlen überleben diese Tour, andere werden von der messerscharfen Lava zerschnitten. Die scharfen Felsen erfordern absolute Trittsicherheit, ansonsten ist die Tour gefährlich - und doch eine der schönsten auf der Insel. Zurück in Manhenha kann man sich mit Besuch des hochgelobten Fischrestaurants "Ponta de Ilha" belohnen, wir kamen leider nachmittags an, als die Küche gerade geschlossen hatte.



Basaltbrücke



Azoren ohne Stress

Was sich nicht empfiehlt, ist das überall angepriesene Inselhopping auf den Azoren. Drei Tage hier, dann zur nächsten Insel. Wer gerne wandert und wer Natur und Ruhe schätzt, wird diese Insel lieben lernen und auch nach 20 Tagen noch nicht wieder abreisen wollen.



Literatur

Roman Martin: Azoren (Rother Wanderführer)
Michael Bussmann : Azoren (Individual-Reiseführer, Michael Müller Verlag)

Digitale Karten für GPS-Gerät und PC

hervorragende und sehr detaillierte Karten für Garmin-GPS-Geräte und für die Tourenplanung auf Garmin Basecamp gibt es auf der Internetseite http://www.azoren-online.com/gps/ zum kostenlosen Download

Whale-Watching
www.espacotalassa.com in Lajes do Pico



Fischfang


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Kommentare

  • trollbaby

    Ja, von Islandhopping halte ich auch nicht so viel. Ich war 2009 nur auf Sao Miguel. Diese Insel hat mich schon sehr beeindruckend und irgendwann möchte ich mir auch die anderen des Archipels anschauen. Dein Bericht über Pico hat mich jedenfalls schon sehr neugierig gemacht! Danke!
    LG Susi

  • Pinky3

    Dein Reisebericht über die Azoreninsel hat mir sehr gut gefallen, interessant, mit vielen Informationen und schönen Fotos............bisher waren mir die Azoren eher bekannt vom berühmten Azoren-Hoch, jetzt weiß ich mehr............LG Gaby

  • matulr

    Eine geniale Vorstellung der Insel Pico, die schon seit längerem auf meiner Liste steht...
    Gratulation zur Titelleiste!
    LG ULI

  • RELDATS

    Ist ja richtig spannend, Deinen Bericht zu lesen. Klasse Fotos.
    Nette Grüße von Josef

  • schniby

    da ich im Mai dieses Jahres Pico besuche, hast Du GPS Daten für die Wanderwege ?
    Habe ein Garmin Oregon 541t
    mfG Klaus

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