Langhalsfrauen im Norden Thailands

Reisebericht

Langhalsfrauen im Norden Thailands

Reisebericht: Langhalsfrauen im Norden Thailands

Ethnische Minderheiten in Thailand werden für den Tourismus vermarktet

Langhalsfrauen

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Wie sich Politik mit touristischem Kalkül verbinden lässt, zeigt ein krasses Beispiel im Norden Thailands. Hier hat man aus politischen Gründen ganze Dörfer zwangsumgesiedelt und dann als "Freilichtmuseen" für den Tourismus verfügbar gemacht. Dabei werden die ethnischen Minderheiten der Bergstämme von der Regierung nach wie vor als "Bedrohung der nationalen Sicherheit" angesehen. Es ist ihnen verboten, in Schulen die eigene Sprache zu gebrauchen. Und obwohl sie zum Zweck der besseren Kontrolle umgesiedelt wurden, erhalten sie keine thailändischen Papiere.
Damit entfallen auch alle Ansprüche auf Sozialleistungen.

Doch ihr Lokalkolorit lässt sich trefflich vermarkten. Von der Provinzstadt Mae Hong Son, im äußersten Norden des Landes gelegen, werden Kurztouren in die Grenzdörfer der Bergstämme angeboten. Mit dem Boot oder Kleinbus erreicht der Reisende die Ansiedlungen jeweils in einer knappen halben Stunde.
Beliebt sind Ausflüge zu den sogenannten "Langhals-Karen", denn diese Volksgruppe pflegt besonders kuriose Bräuche.

Schon den kleinen Mädchen werden Spiralen aus Messing um den Hals gewickelt, um dieses Körperteil künstlich zu strecken. Von Jahr zu Jahr wird den Heranwachsenden eine längere Halsmanschette verpasst. Der Hals ist zuletzt nahezu unbeweglich - Leiden für ein Schönheitsideal.
Diese Kuriosität gehört seit einiger Zeit zum Postkartenklischee von Thailand - neben Elefanten, grazilen Tänzerinnen und goldenen Tempeldächern.
Die Umgesiedelten haben sich längst auf die tägliche Invasion der Touristen eingestellt. Am Straßenrand verkaufen sie handgewebte Decken und Ansichtskarten mit ihren eigenen Konterfeits - lächelnd über steifen Hälsen.
Über die Probleme der Menschen erfährt der Tourist in der Regel nichts. Ein Reiseführer erklärt am "lebenden Objekt", was passiert, wenn man die Spiralen entfernt. Routiniert spielt er seine Rolle mit der Gestik eines Wildhüters, der auf ein seltenes Tier hinweist. Man gafft, fotografiert, kauft vielleicht eine Kleinigkeit - wie zur Entschuldigung.

Das abgelegene Mae Hong Son profitiert nicht schlecht von diesem Instant-Folklore-Toursimus. Die "Long-Necks" lächeln von Postern und Telefonkarten, und ihre in Kunststoff nachgebildeten Köpfe baumeln trophäengleich an bunten Schlüsselanhängern.
"Wir wollen die Minderheiten ins Tourismuskonzept einbinden", beschwichtigt ein Vertreter des örtlichen Fremdenverkehrsbüros. "Sie könnten lernen, wie man Bettwäsche wechselt und Frühstück macht."
Sozusagen noch eine Umsiedlung: vom Reservat ins Touristen-Ghetto.

Die Alternative jenseits der Grenze erscheint noch entmutigender: Menschenrechtsorganisationen beschuldigen Burmas Militärregierung schon lange der systematischen Tötung von Angehörigen der Minderheiten. Grausige Wahrheiten, die auf den farbenfrohen Folklore-Bildern nicht ans Licht kommen.

Auch die Wissenschaft nimmt Anteil am Schicksal der Bergstämme in Nordthailand. Mit Hilfe von Röntgenaufnahmen haben Ärzte nun nachgewiesen, dass die Hälse der Karen-Frauen keineswegs gestreckt werden.
Vielmehr senken sich die Rippen im Laufe der Jahre unter dem Gewicht des Metalls, so dass nur die Illusion eines langen Halses entsteht.

Obwohl das Posieren für die Touristenkameras eine wichtige finanzielle Einnahmequelle geworden ist, weigern sich viele junge Karen-Mädchen neuerdings, diesen Brauch fortzuführen.

Ehebrüchigen Frauen wurden in der Vergangenheit die Spiralen abgenommen. Das hatte meist den Erstickungstod zur Folge: Der Hals konnte den Kopf nicht mehr tragen, da sich keine Muskeln entwickelt hatten.


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Kommentare

  • traveltime

    Danke für den Bericht, diese Warheit sollte man auch nicht unter den Teppich kehren.
    LG Rolf

  • Blula

    Ein interessanter, wirklich lesenswerter Hintergrundsbericht. Vielen Dank.
    LG Ursula

  • Janzour

    Auch ich habe die Langhalsfrauen in Mae Hong Son besucht und kann den obigen Bericht nur bestätigen.
    Janzour

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Langhalsfrauen im Norden Thailands 5.00 8

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