"Mit einem Teenager in Rom" oder "Die ewige Stadt ohne Kirchen und Warteschlangen"

Reisebericht

"Mit einem Teenager in Rom" oder "Die ewige Stadt ohne Kirchen und Warteschlangen"

Reisebericht: "Mit einem Teenager in Rom"  oder "Die ewige Stadt ohne Kirchen und Warteschlangen"

Rom ohne Kirchen und Warteschlangen - geht das überhaupt?
Um es vorweg zu nehmen: ohne Kirchen geht natürlich nicht, ohne Warteschlangen ist mit einer gesunden Mischung aus Fantasie, Cleverness und etwas Dreistigkeit durchaus zu schaffen.
Hier unser Bericht einer "heissen Woche" in der ewigen Stadt.

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Die Vorgeschichte

Die Firmung unseres 15 jährigen Sohnes stand bevor, Großeltern und Paten fragten nach sinnvollen Geschenken, da beschlossen wir: Er bekommt eine Reise nach Rom! Das passt zum sakralen Anlass, die Erinnerungen an eine solche Reise dürften im günstigsten Fall bleibend sein, alles in allem das perfekte Geschenk...
Jetzt konnte es an die Planung gehen.

1. der Reisezeitraum; bestimmte sich ziemlich schnell aus der Tatsache, dass der kleine Bruder nicht mitsollte. Schliesslich war nicht er der Firmling, also auch nicht der Beschenkte und hatte bei dieser Reise nichts zu suchen. Damit war klar: wir fahren, wenn der Kleine im Zeltlager ist, also Anfang AUGUST..

2. die Anreise; sollte eigentlich umweltschonend per Bahn erfolgen. Die Verbindungen mit dem Nachtzug waren auch prima, aber der Preis! Fast 600,- Euro im Liegewagen. Schnell haben wir umgebucht auf Germanwings, satte 400,- Euro billiger.

3. die Unterkunft; angeboten wurden uns altersgemäße (also für Teenies) Gästehäuser in Bahnhofsnähe, alternativ 2-3 Sternehotels in derselben Gegend. Beides keine beglückende Vorstellung. Gefunden haben wir schließlich bei einem der zahlreichen Appartement-Anbieter im Internet eine schnuckelige 2-Zimmer-Wohnung in einer kleinen verkehrsberuhigten (!) Gasse. Super zentral gelegen zwischen Piazza Navona und Engelsburg. Um es vorweg zu nehmen: das war die beste Entscheidung, die wir treffen konnten. Nicht nur die Lage, auch der eigene Kühlschrank (große Beruhigung für einen immer Hungrigen, dauernd Zugriff auf Nahrungsmittel zu haben), eine Dusche und ein frisches T-Shirt in unmittelbarer Nähe der Hauptsehenswürdigkeiten, ein Sofa, um mal eine halbe Stunde die Füße hochzulegen und viel mehr Platz als ein halber Meter rund ums Doppelbett sprechen für sich. Für 80 bis 100,- Euro pro Tag und Wohnung ist das Ganze auch noch günstiger als ein mittelmäßiges Hotel.



Alimentari an der Piazza Navona



Die Betreiber des kleinen Ladens kannten unseren ewig hungrigen Teenager sehr schnell und empfingen uns jeden Morgen mit ihren Köstlichkeiten.



Alimentari in Rom



Die Ankunft

Effektiver als jede Klimaanlage

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Vom Airport in unsere Altstadtgasse haben wir uns erfolgreich durchgeschlagen, Bahn- und Taxifahrt gingen problemlos, das letzte Stück musste zu Fuß zurückgelegt werden, wir wohnen ja verkehrsberuhigt. Unsere Rollenkoffer hoppeln über das Kopfsteinpflaster und künden wohl lange vorher von unsrer Ankunft. An der Wohnung erwartet uns Pedro, der verantwortliche Mitarbeiter der Agentur. Jetzt beginnt der Ernst des Lebens - Pedro ist spanischer Muttersprachler, uns sind das böhmische Dörfer. Englisch wiederum kann Pedro gar nicht, italienisch wohl ein bisschen, dafür wir nicht. Wir entdecken französisch als kleinsten gemeinsamen Nenner, müssen aber bald feststellen, dass unser Wortschatz nicht kompatibel ist. Aber das alles ist eigentlich nur lustig und stört nicht weiter, wir müssen ja nur die vorher vereinbarte Summe (Gott danke dem Euro) abliefern und uns kurz in den Gebrauch der Wohnung einweisen lassen. Und das geht durch zeigen und vormachen. Pedro will sich nach erfolgtem Rundgang verabschieden als ich ihn noch nach der Bedienung der Klimaanlage frage. Er drückt einige Knöpfe, nix passiert. Da es Ende Juli, Anfang August ist, frage ich hartnäckiger nach. Er drückt wieder Knöpfe, kein wohlig kühler Luftzug durchströmt den Raum. Ehrlich gesagt hatte ich gar nicht vor, die Klimaanlage zu benutzen, schon die sichtbaren Staubwolken, die solche Anlagen durch die Räume blasen, lösen bei mir Hustenanfälle hervor, an die unsichtbaren Bakterienschwärme will ich gar nicht denken. Aber man weiss ja nie, wie man mit der Hitze zurecht kommt. Also frage ich nach einem "discount" für entgangene Annehmlichkeiten. Pedro seinerseits versteht wohl, dass wir umgehend in ein Hotel umziehen möchten. Ich kann ihm schließlich klar machen, dass wir bleiben wollen, aber nicht alles zahlen. Er erlässt mir 2 Tagessätze, verspricht mir, dass übermorgen jemand zum Reparieren kommt und macht sich auf seiner knatternden Vespa davon.
Pedro haben wir nie wiedergesehen und natürlich auch keinen Menschen, der Klimaanlagen repariert. In unserer Wohnung haben wir uns pudelwohl gefühlt - es war das Erdgeschoss eines ehemaligen Palazzos mit meterdicken Wänden, die das Innere angenehm temperiert hielten. Und zur akuten Bekämpfung der Hitze gibt es sogar Ventilatoren!



Gasse zur Engelsburg

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Das Programm

Illuminati-Detail auf dem...

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Kommen wir noch einmal auf ein Grundproblem unserer Programmgestaltung zurück: Rom ohne Kirchen geht gar nicht; in Maßen ist unser Sohn natürlich einverstanden, auch mal eine Kirche zu besichtigen (will heißen, der Petersdom darfs sein, aber sonst eigentlich nichts).
Also, was tun? Klar - dem Kind "Illuminati" zu lesen geben. Das löst eine derartige Begeisterung aus, dass wir unbedingt sämtliche Originalschauplätze ansehen MÜSSEN. Zu guter Letzt bin ich die Gestresste, denn am letzten Tag kurz vor Abflug unserer Maschine fehlt noch ein ganz wichtiger Schauplatz, die "Feuerkirche". Aber wir sind inzwischen so firm im Bus- und Bahn fahren, dass wir da auch noch schnell hinkommen, mit wichtiger Miene in den Bänken sitzen und in dicken Büchern blättern (einmal Illuminati, einmal Kunstreiseführer). Auf diese Weise kommen wir wirklich einmal quer durch Rom, der Roman ist ja so angelegt. Wir sehen nicht nur Kirchen, sondern auch Plätze und Brunnen und führen Diskussionen, was nun an den Haaren herbeigezogen ist in dieser Geschichte, was ganz falsch und was richtig ist. Mag das Buch noch so viel Kritik provozieren, in diesem Fall hat es gute Dienste geleistet.



Santa Maria del Popolo, Illuminati-Schauplatz

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Kommentare

  • mamatembo

    Eine wunderbare Idee und wieder ein toller Bericht mit wertvollen Tipps; den mit der rechten Türe in der Sixtinischen Kapelle kann ich übrigens bestätigen :-)
    LG Beate

  • Ulich

    Interessanter Bericht, schön mit eigenen Erlebnissen und Empfindungen angereichert, dazu tolle Tipps und sehr individuelle Fotos.
    Ich freue mich auf Deinen nächsten Bericht!!!!
    Gruß Beate (die Zweite)

  • ver.razzano

    clever gemacht. Ein interessanter Bericht mit vielen genialen Ideen und Tipps. Da wir in diesem Jahr ebenfalls nach Rom wollen, ist das natürlich sehr hilfreich für uns, vielen Dank,
    Willy

  • doubleegg

    Jetzt habe ich diesen Bericht verschlungen und obwohl ich gar keine Kinder habe, konnte ich mich ganz gut reinversetzten. Sehr fesselnd geschrieben und eine Pluspunkt für deinen Humor! Vielleicht sollte ich doch mal hinfahren .. Schönen Abend wünscht Elke

  • andigro

    Toller Bericht mit echt nützlichen Tipps. So macht Lesen Spaß!
    Gruß Andigro

  • ruma94

    Macht wieder richtig Lust auf Rom! War als Kind auch öfter dort und hab´s sehr spannend in Erinnerung, aber es sollte doch mal wieder eine Auffrischung geben! Werde mich jedenfalls an deine Tipps erinnern... hat auch mir Spaß gemacht zu lesen, schön geschrieben!
    LG, Ruth

  • cirrus

    Jetzt erst genossen !!
    Sehr amüsant geschrieben, viel lehrreiches...
    wunderschön und fliessend verpackt...LG Christel

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