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Mosambik: Ein Land erwacht

Viele Jahre nach Ende des Bürgerkrieges macht Mosambik seine Naturschätze für Reisende zugänglich. Auf der "Bush and Beach"-Tour erlebt man Elefanten, die neben dem Zelt übernachten und Papageifische, die an Korallen knabbern. Plus: Im Audio-Interview gibt Autor Johannes Strempel Tipps für die Reise


Es war früher Morgen, als ich zu meiner Reise aufbrach, der Pilot wartete schon an der Startbahn. In einem kleinen Buschflugzeug stiegen wir über Pemba in die Höhe - trotz seiner 100 000 Einwohner eigentlich keine Stadt, sondern eine endlose Ansammlung von Hütten auf einer Landzunge am Meer. Fast zwei Stunden flogen wir gen Westen, und anfangs konnte ich unter uns noch einige Dörfer ausmachen. Dann schien plötzlich alles Leben zu enden; da waren nur noch verbrannte Erde und schwarze Bäume ohne Laub, die scharfe Schatten auf den Boden warfen.


Schulkinder auf der Insel Ibo verbringen ihre Pause vor einem leeren Haus aus der portugiesischen Kolonialzeit (Foto von: Espen Eichhöfer)
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Schulkinder auf der Insel Ibo verbringen ihre Pause vor einem leeren Haus aus der portugiesischen Kolonialzeit

Paviane gucken wir alte Männer

Ausgetrocknete, sandige Flussläufe durchschnitten die Ebene, nackte Bergketten säumten den Horizont. Wegen des Motorenlärms sprachen der Pilot und ich kein einziges Wort, und das war mir recht, weil der Ausblick ohnehin sprachlos machte. In diesem verdorrten Land kann nichts existieren, dachte ich, kein Mensch, kein Tier. Ich war im Irrtum.

Schon an diesem ersten Nachmittag im Busch sind mir Antilopen und Gnus begegnet, Warzenschweine und Hyänen. Ich habe Vogelkolonien in den Bäumen gesehen, drei Meter hohe Termitenhügel und eine Gruppe Paviane, die beschäftigungslos und mürrisch wie alte Männer dasaßen. Und noch jetzt klingt mir leise ein sanftes, beständiges Rauschen in den Ohren, wie eine Meeresbrise, die durchs Schilf weht: Das Geräusch einer Elefantenherde, die unerwartet bedächtig durch das hüfthohe Gras schritt. Nun sitze ich im Abendlicht am Ufer des Rio Lugenda und lausche dem trägen Schnauben der Flusspferde im Wasser, das sich vermischt mit dem Singen der Zikaden. Tag eins meiner Reise durch Mosambik, ein Land, von dem ich wenig weiß, neigt sich dem Ende zu.


Diese erste Etappe hat mich in das Niassa-Reservat ganz im Norden des Landes geführt, das Ziel der zweiten wird der Quirimbas- Archipel sein, eine Inselgruppe vor der Küste. Niassa sei eines der letzten Geheimnisse Afrikas, sagt Steven Turner-Smith, ein weißer Südafrikaner, der "Field Guide" und Leiter eines neueröffneten Buschcamps im Reservat. Er ist mit mir und den anderen Gästen an diesem Nachmittag zur Safari aufgebrochen, jetzt breitet er hier mitten im Busch eine karierte Tischdecke über die Motorhaube seines Jeeps und serviert Sundowner: Gin Tonic und afrikanisches Bier.


Begegnung in der Wildnis: Ein Elefant beobachtet etwas misstrauisch die Teilnehmer der Safari, die mit dem Auto das Wildschutzgebiet Niassa erkunden (Foto von: Espen Eichhöfer)
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Begegnung in der Wildnis: Ein Elefant beobachtet etwas misstrauisch die Teilnehmer der Safari, die mit dem Auto das Wildschutzgebiet Niassa erkunden

"Während des Bürgerkriegs hat sich niemand für das Gebiet interessiert", sagt er. "Erst vor kurzem ist der Regierung klargeworden, welchen Schatz sie in Händen hält: ein unentdecktes Land mit tausenden von Wildtieren." Zweimal so groß wie der Krüger-Nationalpark im benachbarten Südafrika ist das Niassa-Reservat, mit einem Bestand von 12 000 Elefanten, ebenso vielen Rappenantilopen und 370 verschiedenen Vogelarten.

Auf der Fahrt zurück ins Camp teile ich mir eine Sitzbank mit John Matterson, einem munteren Rentner aus Südafrika, der vor allem wegen dieses Vogelreichtums hierher nach Mosambik gereist ist. Wo ich nur Astwerk sehe, sieht er Gefieder. "Ein Hammerkopf", flüstert er andächtig und zeigt auf einen braunen Punkt im braunen Gras. Auf einen klagenden Ruf über uns in den Bäumen antwortet er, die sehnigen Hände vor dem Mund gefaltet, mit einer nicht weniger wehmütigen Imitation. "Der schwarze Trompeter-Hornvogel", verkündet er. "Touristen, die auf Safaris immer nur Löwen und Leoparden sehen wollen, wissen gar nicht, was ihnen alles entgeht", findet John.



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