Hauptinhalt
GEO.de Seite 1 von 1

GEO Regenwaldverein e.V.


Rettung für die Kaffeewälder in der Kaffa-Region von Äthiopien

Die letzten Wälder Äthiopiens kämpfen um das Überleben. "GEO schützt den Regenwald e.V." hilft den Menschen in Kaffa mit dem wilden Arabica-Kaffee auch den Naturraum zu erhalten, in dem er wächst. Machen Sie mit!


Über die Region

Ende der 1960er Jahre waren noch 40 Prozent von Äthiopiens Landesfläche von dichtem Wald bewachsen. Inzwischen ist dessen Anteil auf 2,7 Prozent geschrumpft. Das ehemalige Königreich Kaffa im Südwesten des Landes ist heute Teil der Southern Nations, Nationalities and People’s Region, eine der neun ethnischen Divisionen Äthiopiens. Das Wirtschaftszentrum der Kaffa-Region ist die sich rasant entwickelnde Stadt Bonga. In Kaffa sind nur 200.000 Hektar ungestörten afromontanen Regenwaldes erhalten, und auch diese sind extrem in ihrer Existenz bedroht. Denn der Druck auf diese Wälder steigt, durch die wachsende Bevölkerung, durch Infrastrukturmaßnahmen wie Straßen- und Siedlungsbau, durch Tee- und Kaffeeinvestoren.


Die Kaffa-Region (schraffiert) um Bonga im Südwesten Äthiopiens (Foto von: Ben Tepfer)
© Ben Tepfer
Foto vergrößern
Die Kaffa-Region (schraffiert) um Bonga im Südwesten Äthiopiens
Kleinbauern der Region auf ihrem Acker (Foto von: Eva Danulat)
© Eva Danulat
Foto vergrößern
Kleinbauern der Region auf ihrem Acker

Die Bewohner von Kaffa sind fast ausschließlich Kleinbauern, die als Selbstversorger von dem leben, was sie anbauen – buchstäblich "von der Hand in den Mund". Dringend benötigt werden Einkommensquellen, denn ohne diese sehen sich die Menschen gezwungen, neue Anbauflächen zu gewinnen. Zudem lassen Investoren den urwüchsigen Wald für Plantagen roden und gefährden so die Vielfalt des hier noch wild wachsenden Kaffees, der Aromen entwickelt, die mit denen von Plantagengewächsen kaum vergleichbar sind und resistent ist gegen Krankheiten. Denn in Kaffa liegt der Ursprung des Arabica-Kaffees (lateinischer Name: Coffea arabica); Bis zu 5000 Varietäten der Pflanze haben Wissenschaftler hier ausgemacht. Der Regenwald beherbergt also genetische Ressourcen von unschätzbarem Wert. Und: Wo der Wald Feldern weicht, geht eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt verloren, schrumpfen Grundwasserspeicher, trocknen die Landflächen aus und verarmen die Böden durch Winderosion.


Rote und grüne Kaffeekirschen  (Foto von: Eva Danulat)
© Eva Danulat
Foto vergrößern
Rote und grüne Kaffeekirschen

Hintergrund des Projekts

Im Jahr 2001 initiierte der damalige Geschäftsführer von "GEO schützt den Regenwald e.V.", Dr. Reiner Klingholz, ein Vorhaben, das den Menschen von Kaffa die Möglichkeit geben soll, ihre Wälder zu schützen und gleichzeitig zu nutzen. Die Projektidee: Die Vermarktung von wild wachsendem Kaffee soll zum dauerhaften Schutz der Wälder führen – zum Nutzen der Menschen. Die örtlichen Kleinbauern erhalten einen Premium-Preis für ihr Regenwald-Produkt. Für sie wird der Wald zu einer wichtigen Einkommensquelle, es liegt fortan also in ihrem ureigenen Interesse, die Waldflächen zu erhalten. Doch in Äthiopien gehört der Wald dem Staat. Um die Kaffeewälder dauerhaft nutzen zu können, müssen die Anwohner daher Eigentumsrechte für die Waldgebiete erhalten. Denn nur so können sie sich gegen neue Siedler und Investoren, die staatliche Lizenzen für die Anlage von Plantagen beantragen, durchsetzen. Dies ist möglich durch die so genannte „partizipative Waldbewirtschaftung“, kurz PFM (Abkürzung für „Participatory Forest Management“). FarmAfrica führte dieses innovative Konzept zu Beginn des Jahrtausends erfolgreich in der Region ein: Die an und in einem Wald siedelnden Menschen schließen hierbei eine Vereinbarung mit der lokalen Regierung. Diese gibt ihnen einerseits das Recht und die Sicherheit, den Wildkaffee künftig kontrolliert nutzen zu können. Andererseits versetzt der mit der Regierung geschlossene PFM-Vertrag die Waldnutzer juristisch in die Lage, Siedler, Holzdiebe sowie Investoren fernzuhalten.

Die Stiftung Weltbevölkerung (früher: DSW) widmet sich den Bereichen Aufklärung und Familienplanung, um den Druck auf den Wald zu mindern. Mit Original Food kam der Projektpartner hinzu, der vor Ort und in Deutschland die Voraussetzungen für die nachhaltige Vermarktung des Wildkaffees auf dem Spezialitätenmarkt schuf. Im Verlauf der Jahre gesellten sich wechselnde Partner hinzu, die komplementäre Aufgaben übernahmen.


Dauer

2001 bis heute
April 2014 bis März 2017 (vierte Projektphase)


Ziele

  • Dauerhafter Schutz des Regenwaldes um Bonga, Kaffa-Region
  • Förderung der nachhaltigen Entwicklung der Region durch den Export von Wildkaffee nach Europa
  • Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen vor Ort


Auch Eshetu Birhanu und seine Frau Zemed Haile pflücken Kaffeekirschen im Regenwald bei Bonga (Foto von: Jochen Vorfelder)
© Jochen Vorfelder
Foto vergrößern
Auch Eshetu Birhanu und seine Frau Zemed Haile pflücken Kaffeekirschen im Regenwald bei Bonga

AKTIVITÄTEN

Aufbau lokaler Vermarktungsstrukturen und nachhaltiges Marketing
Kleinbauern pflücken die Kaffeekirschen im Wald und verkaufen sie an ihre örtliche Genossenschaft. Diese Kooperative ist für die Lagerung und den Transport der sonnengetrockneten Kirschen nach Bonga zuständig. Die „Kafa Forest Coffee Farmers Cooperatives’ Union“ kauft den Kaffee der Kooperativen auf, ist für die Verarbeitung der Kaffeekirschen – seit Mai 2016 in der eigenen Schälstation; zudem ist sie für die Qualitätskontrolle und den Export des Kaffees verantwortlich. Seit. Auf diese Weise sichert die Farmers Union den Kaffeepflückern ein geregeltes Einkommen. Zertifizierungen garantieren die Herkunft des Wildkaffees und faire Handelsbedingungen; sie unterstützen die Vermarktung des Wildkaffees und dokumentieren gleichzeitig den Erhalt der Wälder.


Moderne Waldbewirtschaftung durch die Anwohner (PFM)
Der PFM-Prozess, der damit endet, dass Waldanwohnern die Nutzung und Verantwortung für ein Waldgebiet übertragen wird, ist genau definiert und langwierig; er kann viele Monate oder, je nach den Umständen, sogar mehrere Jahre dauern. Zunächst sind eingehende Studien notwendig: Wie groß ist die Waldfläche, wo genau liegen deren Grenzen? Welche Waldressourcen gibt es in dem Gebiet – Kaffee, Honig, Bau- und Brennholz, Gewürze, Viehfutter etc., und in welcher Menge? Wie viele Waldanwohner nutzen diese Ressourcen, zu welcher Jahreszeit, mit welcher Intensität? Der PFM-Prozess beinhaltet auch die Gründung einer Waldnutzergruppe, die sich aus einer definierten Zahl namentlich festgehaltener Mitglieder zusammensetzt. Bestehende Konflikte, häufig an der Grenze von Waldgebieten verschiedener Gemeinden, müssen gelöst werden. Genaue Pläne für Monitoring und Waldbewirtschaftung werden erstellt, die die Rechte und Pflichten der Nutzer definieren. Am Ende des Prozesses übergibt die lokale Regierung das Waldgebiet im Rahmen eines Festakts offiziell der Waldnutzergruppe. „GEO schützt den Regenwald e. V." finanziert das notwendige Expertenteam, sämtliche Aktivitäten in Zusammenhang mit der Einrichtung neuer PFM-Gebiete sowie Beratungstätigkeit durch die Teammitglieder in bereits existierenden PFM-Gebieten. Zudem werden unterstützende Maßnahmen zur Einkommensschaffung und zur Verbesserung der Lebensbedingungen für die Mitglieder der Waldnutzergruppen gefördert.


Aufklärungsarbeit
Häufige ungewollte Schwangerschaften sind einer der Gründe für das starke Anwachsen der Bevölkerung. Um diesem Trend entgegen zu wirken setzt die DSW auf „Family by Choice“, leistet Aufklärungsarbeit und bildet Einheimische zu dörflichen Familienplanungsberatern und Jugendklubleitern aus.


Auf der zweiten Seite geht es zu den Projektfortschritten.


Fortschritte

Nach dem erfolgreichen Aufbau der Handelskette werden inzwischen bis zu 220 Tonnen Wildkaffee pro Jahr nach Deutschland verschifft: Projektpartner Original Food importiert den Wildkaffee und zahlt der "Kafa Forest Coffee Farmers Cooperatives’ Union" Premium-Preise. Der Kaffee ist seit der Ernte 2006/7 gemäß der EU-Ökoverordnung als Bioprodukt aus Wildsammlung durch das Institut für Marktökologie (IMO) zertifiziert. Die IMO-Experten machen jährliche Kontrollbesuche in allen zertifizierten Kooperativen. Ein Fairtrade-Zertifikat, das sich an den Standards der Fairtrade Labelling Organizations (FLO) orientiert, attestiert dem Projekt faire Handelsbedingungen.


Zertifizierungen und Logos des „Kaffa“-Wildkaffees (Foto von: Original Food)
© Original Food
Foto vergrößern
Zertifizierungen und Logos des „Kaffa“-Wildkaffees

Den Wildkaffee und weitere Produkte, die auf Projekten von "GEO schützt den Regenwald" beruhen, können Sie im Einzelhandel kaufen. Seit Juli 2009 erhalten Sie den Wildkaffee auch in allen ALNATURA-Filialen. Eine vollständige Liste aller Händler finden Sie hier.


Während zu Beginn des Projekts die Umsetzung der partizipativen Waldbewirtschaftung in Kaffa noch deutlich langsamer ablief, ist das PFM-Konzept inzwischen allgemein anerkannt; die Akzeptanz in der Bevölkerung ist entsprechend groß und die Prozesse laufen schneller. Und die rasante Entwicklung in der Region macht es notwendig, das erfolgreiche Konzept schnellstmöglich auf weitere Flächen auszudehnen. Mithilfe von „GEO schützt den Regenwald e.V.“ sind aktuell 32 PFM-Gebiete implementiert, mit einer Gesamtfläche von 24.505 Hektar. Die Zahl der durch dieses Projekt begünstigten Waldnutzer beträgt 11.813. Durch die partizipative Waldbewirtschaftung werden die Gemeinderechte gestärkt, die Ausweitung der Ackerflächen verhindert und Konflikte zwischen Nutzern beigelegt. Dank der rechtlichen Grundlagen und des verbesserten Wissens um die Bedeutung des Waldes und seiner natürlichen Ressourcen können diese Flächen nun geschützt und nachhaltig genutzt werden.


Das Team der Farmers Union um Frehiwet Getahun (in der Hocke, vorne rechts) im April 2014  (Foto von: Eva Danulat)
© Eva Danulat
Foto vergrößern
Das Team der Farmers Union um Frehiwet Getahun (in der Hocke, vorne rechts) im April 2014

In den fünf Jugendklubs der DSW, die in fünf „PFM-Gemeinden“ angesiedelt sind, erhalten junge Menschen Informationen über Verhütung und verantwortliche Sexualpraktiken. Darüber hinaus stärkt die Arbeit der DSW das Bewusstsein für den verantwortlichen Umgang mit den Waldressourcen und die Notwendigkeit für deren Schutz. Die Jugendlichen geben ihr Wissen an ihre Familien weiter, wirken so als Multiplikatoren.


Ein guter Grund zu feiern: Im Juni 2010 bewilligte UNESCO den Antrag der äthiopischen Regierung zur Errichtung der „Kafa Biosphere Reserve“; im März 2011 wurde das Biosphärenreservat offiziell eingeweiht. In der vorigen Projektphase hatten die Projektpartner unter Federführung des NABU die Schaffung des Reservats vorangetrieben. Denn das Konzept der Biosphärenreservate entspricht auf ideale Weise dem Anliegen des Projekts, die einzigartigen Kaffeewälder zu erhalten und dabei große Teile von ihnen zum Wohle der Bevölkerung nachhaltig zu nutzen.


Evaluierung

Im März 2009 kam ein Gutachten unabhängiger Experten zu dem Ergebnis, dass das Projektkonzept vorbildlich ist und zudem die durchgeführten Aktivitäten bereits zu beachtlichen Erfolgen geführt haben: Das Waldmanagement durch die eigens gegründeten Nutzergruppen der Gemeinden (PFM) schützt die Kaffeewälder vor Rodung. Ernte und Verkauf von Wildkaffee sind zu einer wesentlichen Einkommensquelle für die ortsansässigen Kleinbauern geworden und geben den Menschen Sicherheit. Gleichermaßen profitieren sie von sozialen Verbesserungen, etwa von den Jugendklubs, die sich als effizienter Weg für sexuelle und gesundheitliche Aufklärung erwiesen haben.


Die Karte zur Analyse der Waldentwicklung in Kaffa erweckt großes Interesse bei den Waldnutzern (Foto von: Eva Danulat)
© Eva Danulat
Foto vergrößern
Die Karte zur Analyse der Waldentwicklung in Kaffa erweckt großes Interesse bei den Waldnutzern

Ende 2009 kam die „Waldverlustanalyse“ der Berliner Geografin Elisabeth Dresen zu dem Ergebnis, dass in den zehn untersuchten PFM-Gebieten die jährlichen Waldverluste zwischen 2007 und 2009 (drei Jahre) mit durchschnittlich -0,33 Prozent sehr gering gewesen sind. Zum Vergleich: In dem durch Dresen ebenfalls analysierten Gesamtwaldgebiet wurden für die Zeit zwischen 2001 und 2009 (acht Jahre) insgesamt 13,8 Prozent Waldverlust verzeichnet, jährlich -1,725 Prozent. Überall dort, wo Gemeinden noch nicht selbst für die Waldflächen verantwortlich sind, ging der Raubbau also ungebremst weiter - vor allem durch Investoren und neue Siedler. Diese Ergebnisse motivierten den Verein, das erfolgreiche PFM-System für nachhaltige Waldbewirtschaftung in den kommenden Jahren weiter voranzutreiben.


Logo der "Kafa Forest Coffee Farmers Cooperatives’ Union" (Foto von: FU)
© FU
Foto vergrößern
Logo der "Kafa Forest Coffee Farmers Cooperatives’ Union"

Unsere Partner

Partner vor Ort ist seit mehr als einem Jahrzehnt die „Kafa Forest Coffee Farmers Cooperatives’ Union" (FU) unter der Leitung von Ato Frehiwet Getahun. Die Projektaktivitäten realisiert ein dreiköpfiges Team von Spezialisten, die langjährige Erfahrung in der Umsetzung von partizipativer Waldbewirtschaftung haben.


In der jetzigen dritten Projektphase kooperiert der Verein mit folgenden Organisationen, die weitere, komplementäre Aktivitäten realisieren:

Original Food

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

Stiftung Weltbevölkerung

Zu den früheren Projektpartnern gehörten:
FarmAfrica
Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ)
Kraft Foods
Naturschutzbund Deutschland e.V.
Aid by Trade (späterer Name: FSAF)


Letzte Aktualisierung: Mai 2016


Spenden Sie jetzt für unsere Projekte



Hier können Sie online spenden, um die Arbeit von "GEO schützt den Regenwald e.V." zu unterstützen.


Schulkinder der abgelegenen PFM-Gemeinde Awasho begrüßen die Projektbesucher im April 2015 mit Tanz und Gesang.




Publikationen rund um das Kaffeeprojekt



Zurück zur Startseite und zu weiteren Themen


Kommentar verfassen

Ja, ich möchte eine Benachrichtigung per Mail erhalten, wenn es neue Kommentare zu diesem Artikel gibt.
* Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine gültige Mailadresse ein. Diese wird später nicht auf unseren Seiten zu sehen sein. Um Missbrauch zu vermeiden, senden wir Ihnen jedoch eine Mail mit einem Aktivierungslink - einfach anklicken und schon ist Ihr Beitrag online!

Mit der Abgabe eines Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Kommentare zu "Rettung für die Kaffeewälder in der Kaffa-Region von Äthiopien"

Que | 21.11.2015 13:47

Was weiß man von den Lebensbedingungen von den Kaffa vor 1897? A.E. Johann hat von einer sehr hochentwickelten Kultur gesprochen in seinen Büchern.
Und nach dem verlorenen Krieg wurde deren Kultur brutal zerstört und die Einwohner brutal unterdrückt. Beitrag melden!

geo | 04.10.2013 14:12

Beitrag melden!


Daten werden gesendet ...


Bitte geben Sie Ihren Namen an!


Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an!
Die angegebene E-Mail-Adresse ist ung�ltig!


Bitte geben Sie eine Empf�nger-Adresse an!
Die angegebene E-Mail-Adresse ist ung�ltig!




* Pflichtfeld

» E-Mail versenden «
Hinweis: Ihre E-Mail-Adresse und die E-Mail-Adresse des Empf�ngers werden ausschlie�lich zu �bertragungszwecken verwendet und nicht gespeichert oder an Dritte weitergeben!