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Jürgen Broschart
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Noch vor elf Jahren hätte ich nicht geglaubt, dass ich einmal Journalist werden würde. Meine Laufbahn war rein akademisch: Ich hatte Linguistik, Soziologie und Neurologie studiert, war Dozent für Sprachwissenschaft in Köln, hatte mehrere Monate in der Südsee verbracht, um die grammatischen Kategorien des Tonganischen zu erforschen. Und arbeitete an meiner Habilitationsschrift über die Frage, was der Aufbau der Sprache gemein hat mit Harmonielehre, Baumwachstum und dem Leib/Seele-Problem. Nichts jedenfalls, was man kurz und populär in den Medien unterbringen konnte. Doch als sich partout keine Tür zu einer Professur auftun wollte, entschied ich mich mit 42 Jahren zur radikalen Wende. Ich bin GEO heute noch dankbar, dass ich hier ein Praktikum antreten durfte, das zuletzt in eine Festanstellung mündete.
Seither bin ich "der Mann fürs Kleine" verantwortlich für das GEOskop, die Meldungen aus der Wissenschaft. Was mich daran am meisten freut, ist die Breite des Themenfelds von der Psychologie bis zur Paläoanthropologie. Hilfe auf diesen Terrains kommt vor allem von den gestandenen Naturwissenschaftlern in der Verifikationsabteilung. Auch die kleinen Meldungen haben es nämlich oft in sich. Wie schafft man es, auf wenig Platz das Wesentliche unterzubringen, ohne dabei ungenau zu werden? Die Texte zu überprüfen und zu kürzen dauert daher meist länger, als den Ursprungsartikel zu schreiben.
Ein weiterer Grund, weshalb der Kleinkram Mühe macht, ist der Zwang zur Improvisation. Erst eine Woche vor Druckabgabe weiß ich, wie viel Platz ich für die Meldungen habe. Dann beginnt die Diskussion mit Fotoredaktion und Layout: Sollten wir ein Bild, gemessen an der Relevanz eines Themas, überdimensionieren, nur weil es besonders gelungen ist? Welche Beiträge passen optisch zueinander? Davor freilich muss vieles geklärt sein: Wie lassen sich sperrige Themen und abstrakte Gedanken- gänge bildlich fassen? Wo sind Themen, die noch kein anderes Medium zuvor hatte; oder solche, die schon verbreitet sind, aber in GEO einen Zusatzaspekt bekommen können? Dabei wissen wir, dass es etliche Leser gibt, die ihre Lektüre von hinten, eben im GEOskop, beginnen. Anspruch auch im "Kleinen" ist deshalb Vielfalt: Entlegenes gehört dazu ("Kuriose Wissenschaft"), Vorurteilsbestätigung ("Männer hören nur halb zu"), Vorurteilsüberwindung ("Der populäre Irrtum") sowie Hintergrund zu aktuellen Themen, etwa zu Sarrazins Behauptung über die Erblichkeit der Intelligenz. Damit das Zusammenspiel all dieser Teile funktioniert, muss man einen Blick für das Gesamte behalten. Kleinkram ist nichts für Kleinkrämer.
Dr. Jürgen Broschart wurde 1957 in Kaiserslautern geboren. Nach dem Abitur zog er nach Köln, wo er sich als teilnehmender Beobachter ins Karnevalsleben eingebracht hat. Seit seinem Forschungsaufenthalt in einer weiteren fremden Kultur, im Südseekönig- reich Tonga, hat er noch einen zweiten Namen: Nukunamu o vahaa sii, anga fekai "Wilder Hai von Nukunamu".
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Der 14. GEO-Tag der Artenvielfalt fand diesmal im deutsch-französischen Grenzland zwischen Pfälzerwald und Nordvogesen statt. Die Region ist eines der größten Waldgebiete Europas und liegt in einer für Biologen sehr interessanten Zone zwischen ozeanischem und kontinentalem Klima. Ein idealer Ort für Forscher und GEO-Reporter, um aufbauend auf den Aktionstag weitergehende Fragen zu stellen: "Wie verbreiten sich Tiere und Pflanzen überhaupt?", "Welche Wege gehen Tiere und Pflanzen, und an welche Grenzen stoßen sie dabei?"
