Statine Cholesterinsenker - was dafür spricht und was dagegen

Statine senken den Cholesterinspiegel und schützen vor Herzinfarkten und Schlaganfällen. Doch die Nebenwirkungen können erheblich sein. Es gilt Nutzen und Risiko abzuwägen
Statine

Statine werden typischerweise als Tablette eingenommen

Derzeit ist eine hitzige Debatte über Statine entbrannt, eine Gruppe von Medikamenten, die den Spiegel des sogenannten LDL-Cholesterins im Blut senken und wahrscheinlich auch entzündungshemmend wirken: So schützen sie vor Herzinfarkten und Schlaganfällen.

Seit Jahrzehnten schon argumentieren einzelne Mediziner mit Schlagworten wie „Cholesterin-Lüge“ gegen jede Therapie mit Cholesterinsenkern. Sie verunsichern Betroffene beträchtlich – vertreten jedoch eine Außenseitermeinung. Nicht einmal pharmakritische Ärzte teilen diese radikale Ablehnung.

Der aktuelle Streit dreht sich vielmehr um die Abwägung von Nutzen und Risiko: Welche Patienten profitieren so stark von den Statinen, dass es sinnvoll erscheint, die Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen?

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Immerhin können die Präparate Muskelschmerzen und Müdigkeit verursachen. Darüber hinaus auch Diabetes auslösen. Oder die Muskeln lebensgefährlich schädigen, falls sie bei sehr starken Schmerzen nicht abgesetzt werden. Selten verursachen sie Gehirnblutungen, die Schlaganfälle auslösen. Deren Zahl liegt jedoch deutlich niedriger als die Zahl der Schlaganfälle, die Statine verhüten.

Medizinische Fachgesellschaften in den USA verfolgen einen radikalen Pro-Statin-Kurs. Sie empfehlen eine Dauertherapie unter anderem für jeden über 40-Jährigen, dessen Zehnjahresrisiko für eine Komplikation des Herz-Kreislauf-Systems über 7,5 Prozent liegt.

Würden die Richtlinien vollständig umgesetzt, müsste nahezu die Hälfte der 40- bis 75-jährigen US-Amerikaner Cholesterinsenker schlucken.

Diese Medikation nach dem „Gießkannenprinzip“ steht in der Kritik – auch weil die meisten Autoren der Leitlinien Verbindungen zur Pharmaindustrie haben.

Cholesterinsenker: Ärzte in Europa sind zurückhaltender

Europäische Ärzte verordnen Cholesterinsenker generell vorsichtiger. In Deutschland etwa werden Statine ab einem Zehnjahres-Herzinfarktrisiko von über 20 Prozent empfohlen.

Doch auch hierzulande wird diskutiert, ob die Pharmaindustrie – die an vielen klinischen Studien beteiligt ist – deren Schutzwirkung allzu positiv dargestellt und Nebenwirkungen nicht sorgfältig genug registriert hat. Gut möglich, dass Mediziner die Medikamente nach einer Neubewertung noch zurückhaltender verordnen werden.

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Derweil bleibt Betroffenen nur, was die Leitlinien ohnehin vorsehen: gemeinsam mit ihrem Arzt eine für sie passende Entscheidung zu treffen.

Bei Patienten, die bislang keine Herz-Kreislauf-Komplikationen erlitten haben, sollte dabei zunächst geklärt werden, ob sie sich durch Rauchstopp, Blutdruckkontrolle, Ernährungsumstellung und Bewegung genügend schützen können. In ihre Entscheidung pro oder kontra Cholesterinsenker darf auch einfließen, ob sie eine jahrelange vorbeugende Tabletteneinnahme für sich persönlich gutheißen.

Bei Patienten, die bereits einen Herzinfarkt hatten, sind sich Experten dagegen einig: Ihnen ist eine Statin-Therapie durchweg zu empfehlen.

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