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Kartografie Mercator-Projektion: Wie Weltkarten unser Bild der Erde verzerren

Universalgelehrter des 16. Jahrhunderts: Gerhard Mercator erfand nicht nur eine neue Weltkarte, sondern prägt bis heute unsere Vorstellung der Erde
Universalgelehrter des 16. Jahrhunderts: Gerhard Mercator erfand nicht nur eine neue Weltkarte, sondern prägt bis heute unsere Vorstellung der Erde
© mauritius images / TopFoto / Personalities
Unsere Weltkarte verzerrt die Größenverhältnisse der Erde: Afrika ist zu klein dargestellt, Europa und die USA zu groß. Woran liegt das? Und was hat ein Duisburger Kartograf aus dem 16. Jahrhundert damit zu tun?

Die Seefahrt im 16. Jahrhundert war das reine Wagnis. Nicht nur, weil die schmalen Holzplanken der Segelschiffe den brachialen Wellen des Atlantiks und Pazifiks standhalten sollten. Auch, weil die Seeleute sich mit wenigen Mitteln auf dem Ozean – also dort, wo jeder Punkt am Horizont gleich aussieht – orientieren mussten.

Ein zur damaligen Zeit immer wichtiger werdendes Werkzeug für die Seefahrer waren Karten. Die sind bekanntlich zweidimensional. Wie aber bekommt man die gekrümmten Linien eines Globus auf ein flaches Stück Papier? Und bildet dabei trotzdem exakt die Größenverhältnisse der Erde ab?

Lange mussten sich Entdecker bei ihren Fahrten ins Ungewisse auf kartografische Methoden verlassen, die bereits 1400 Jahre vor ihrer Geburt erfunden worden waren. Die meisten Seekarten beruhten auf einem Modell des griechischen Mathematikers und Astronomen Ptolemäus, mit welchem man einen Kurs in konstanter Richtung nur als gekrümmte Linie zeichnen konnte – für weite Strecken denkbar unpraktisch.

Gerhard Mercator bildet die Erdkugel auf einem Zylinder dar

Dann erfand Gerhard Mercator, geboren am 5. März 1512 in Rupelmonde in Flandern, die Welt neu. Bis heute prägt er das Bild, das sich die Menschen von der Erde machen. Mercator veröffentlichte 1569 in Duisburg die Nova et Aucta Orbis Terrae Descriptio ad Usum Navigantium Emendate Accommodata: die Neue und vollständigere Darstellung des Erdglobus für den Einsatz in der Navigation.

Seine Methode war so einfach wie genial: Er bildete die Erdkugel auf einem Zylinder ab. Dafür imaginierte er den Erdmittelpunkt als Projektionszentrum, von dem aus alle Punkte des Globus auf den Zylinder übertragen werden. Das Prinzip kann man sich mit einem einfachen Gedanken vor Augen führen: Rollt man ein großes Blatt Papier zu einem Zylinder und stülpt diesen über einen Globus, liegt das Blatt an genau einer Linie an der Kugel an: dem Äquator.

Überträgt man nun alle Punkte der Kugel auf die Karte und möchte damit ein lückenloses Abbild erschaffen, entstehen unweigerlich Verzerrungen. Je weiter der Abstand vom Äquator, desto größer erscheinen die Abstände zwischen zwei Punkten. An den Polen führt das zu fast surrealen Abbildungen: Grönland erscheint ebenso groß wie Afrika, ist in Wahrheit aber kleiner als Algerien.

Ihren Zweck, "den Einsatz in der Navigation", erfüllte Mercators Karte trotzdem. Ihm war es gelungen, ein winkeltreues, zweidimensionales Abbild des Globus zu schaffen, in dem Seefahrer mit geraden Linien ihre Kurse einzeichnen und berechnen konnten. Schnell gehörte sie zum Standardreportoire jener Entdecker, die vor allem aus Spanien, Portugal und England in die Welt segelten, um diese zu erkunden, zu unterwerfen und auszubeuten.

Seine Gültigkeit hat das Prinzip der sogenannten Mercator-Projektion bis heute nicht verloren: Sie ist eine wesentliche Grundlage für digitale, auf Satellitendaten basierende GPS-Karten. Gleichzeitig prägte sie bis heute die Vorstellung, die sich Menschen von der Erde machen.

Denn allein dank ihrer schieren Größe ist die Erdkugel ein Ort, der für das einzelne Individuum nicht real erfahrbar ist, sondern zwangsläufig imaginiert werden muss. In der Vorstellung der Europäer im 16. Jahrhundert war ihre Heimat das Zentrum der Welt. In Weltkarten, die heute Wohnzimmerwände schmücken, in Diercke-Weltatlanten, in denen Generationen von Schulklassen Koordinaten abtragen mussten, in Karten der Tagesschau: Europa ist das Zentrum der Welt geblieben.

Das hat Folgen: Wer auf Papua-Neuguinea lebt, wohnt scheinbar abgeschieden am Rand der Welt, in London dagegen residiert man in deren Zentrum. Australien scheint unfassbar groß zu sein, obwohl der Kontinent mit Ozeanien nur rund 8 Millionen der 510 Millionen Quadratkilometer der gesamten Erdoberfläche einnimmt. Afrika, mit 30 Millionen Quadratkilometern der zweitgrößte Kontinent der Erde, sieht ähnlich groß aus wie Europa, das sich nur über rund ein Drittel dieser Fläche erstreckt.

So zeigt zum Beispiel eine Animation von Neil Kaye, Klimadatenwissenschaftler beim nationalen meteorologischen Dienst des Vereinigten Königreichs, wie die Länder dieser Erde auf einer Karte aussehen würden, die sich nicht um weiße Flecken zwischen ihnen schert, aber ihre exakte Größe darstellt.

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Hinweis: Aufgrund eines technischen Fehlers war an dieser Stelle bis zum 22. Januar eine unfertige, fehlerhafte Version dieses Artikels veröffentlicht. Wir bitten, das zu entschuldigen.

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