Klimageschichte Hätten Sie’s gedacht? Wir leben in einem Eiszeitalter

Das Eiszeitalter ging vor 11.000 Jahren zu Ende, oder? Stimmt nicht – es dauert bis heute an. Der Irrtum ist das Ergebnis einer Begriffsverwirrung, die wir für Sie gern entwirren
Monte Rosa, Schweiz

Während eines Eiszeitalters sind die Pole der Erde mit Eis bedeckt - und höhere Gebirgszüge, wie hier das Monte-Rosa-Massiv an der Grenze zwischen der Schweiz und Italien

In der Sache sind sich Klimaforscher einig: Das überwiegend warme Klima auf der Erde wurde in ihrer fast 4,6 Milliarden Jahre langen Geschichte immer wieder durch lange Kälteperioden unterbrochen. Vor 2,6 Millionen Jahren begann das vorerst letzte dieser Eiszeitalter – das bis heute andauert.

Innerhalb dieser globalen Kälteperioden wechseln sich wärmere und kältere Phasen ab. Seit rund einer Million Jahren ist der Rhythmus: 100.000 kalte Jahre, in denen weite Landmassen der Erde unter dicken Eisschilden verschwinden, gefolgt von 10.000 Jahre milderen Jahren, in denen sich die Eismassen zurückziehen. In einer solchen Zeit leben wir gerade. Klimaforscher sprechen auch von einer Warmzeit.

Als wichtigste Ursache dieses globalen Wechselbades haben Forscher Schwankungen der Neigung der Erdachse zur Umlaufbahn um die Sonne ausgemacht.

Eiszeit, Eiszeitalter oder Kaltzeit?

Was vor 11.500 Jahren zu Ende ging, als noch Hunderte Meter dicke Eisschilde große Teile Norddeutschlands bedeckten, war aber – genau genommen – keine "Eiszeit". Sondern eine Kaltzeit innerhalb des aktuellen, seit 2,6 Millionen Jahren andauernden Eiszeitalters. Wir sollten also von der Weichsel-Kaltzeit oder Weichsel-Vereisung sprechen. Nicht aber von der Weichsel-"Eiszeit". Denn "Eiszeit" wird immer wieder auch gleichbedeutend mit "Eiszeitalter" verwendet. Aber ein Weichsel-Eiszeitalter gibt es nicht.

Schuld an dieser Begriffsverwirrung sind nicht zuletzt die Wissenschaftler selbst: Als Karl Friedrich Schimper den Ausdruck "Eiszeit" 1837 erfand, hatte der Naturforscher noch das Erdzeitalter des Quartärs im Sinn. Also die vergangenen 2,6 Millionen Jahre bis heute. Doch bald zeichnete sich in der Forschung ab, dass sich innerhalb dieses Zeitraums kalte und warme Phasen abwechselten. Und fortan waren mit "Eiszeit" mal ganze Eiszeitalter, mal die (wesentlich kürzeren) Kaltzeiten innerhalb der Eizeitalter gemeint.

Die nächste Kaltzeit fällt aus

Übrigens schicken sich die Menschen an, den Rhythmus der Warm- und Kaltzeiten zu verschieben. Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung prognostizieren, dass sich durch den menschengemachten Klimawandel der Eintritt der folgenden Kaltzeit, die rechnerisch in 50.000 Jahren ansteht, um weitere 50.000 Jahre verzögern könnte. Die Erde würde also einen kompletten Kälte-Zyklus überspringen.