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Überraschender Fund Jahrzehntelang verschwunden: Seepferdchen erobern die Nordsee zurück

Seepferdchen
Langschnäuzige Seepferdchen kommen vom Mittelmeer bis in die südliche Nordsee vor
© mauritius images / Reinhard Dirscherl / Alamy
Schon seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelten Seepferdchen in der deutschen Nordsee als ausgestorben. Nun sind sie offenbar zurück – und Forscher rätseln über die Gründe

Seepferdchen sind wegen ihres pferdeähnlichen Aussehens und ihrer ungewöhnlichen Brutpflege charismatische Bewohner der Meere. In der deutschen Nordsee galten sie lange als ausgestorben – spätestens seit den 1930er-Jahren, als ein Pilz ihren Lebensraum, ausgedehnte Seegraswiesen, zerstörte. Doch nun sind die skurrilen Fische zurück in der Nordsee.

Einem Team des Thünen-Instituts für Seefischerei gingen schon im September 2020 nördlich der Insel Norderney zwei Tiere ins Netz. Seepferdchen hatten die Wissenschaftler, die seit den 1970er-Jahren regelmäßig den Bestand junger Schollen und Seezungen untersuchen, nie zuvor im Netz. Bei den etwa neun Zentimeter langen Tieren handelt es sich um Langschnäuzige Seepferdchen (Hippocampus ramulosus).

Erste Funde schon vor der Jahrtausendwende

Der Biologe Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer sieht einen klaren Trend. Die ersten Funde von Seepferdchen am Strand stammen aus dem Jahr 1999, weitere Meldungen gab es 2003 und 2007, sagte er gegenüber Radio Bremen. In dem Portal „Beach Explorer“ können Strandbesucher besondere Funde am Meer melden. Auch in den vergangenen Jahren gab es sporadisch Berichte über Seepferdchen-Funde an der Nordseeküste.

Seepferdchen
Nach der Bestimmung durch Mitarbeiter des Thünen-Instituts wurden die beiden Seepferdchen wieder in die Freiheit entlassen
© Thünen-Institut/Hermann Neumann

Dass immer mehr Seepferdchen gesichtet werden, könnte laut Borcherding auf den Klimawandel zurückzuführen sein. In schweren Eiswintern seien früher neben Seepferdchen auch andere Arten im flachen Wattenmeer erfroren. Mit steigenden Wassertemperaturen könnten sich die Tiere auch wieder ansiedeln. Unklar ist aber, welche Lebensräume sich die Tiere für ihre Rückkehr ausgesucht haben. Denn Seegraswiesen gibt es im Wattenmeer vor der deutschen Küste nicht mehr.

Die Art breitet sich Richtung Norden aus

Langschnäuzige Seepferdchen kommen vom Mittelmeer über die europäische Atlantikküste bis in die südliche Nordsee vor. Und offenbar streben sie von der niederländischen Küste weiter in Richtung Nordosten. Mit ihrem langen Greifschwanz halten sie sich an Seegras-Halmen fest, um nicht von der Strömung mitgerissen zu werden. Die Männchen brüten in ihrer Brusttasche bis zu 300 Jungtiere aus.

Die beiden vor Norderney gefangenen Tiere seien nach der Bestimmung wieder ins Wasser entlassen worden, teilen die Mitarbeiter des Thünen-Instituts mit.


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