GEO schützt den Regenwald e.V.

Nepal LichtBlick für die Middle Mountains

Das vielschichtige Projekt von „GEO schützt den Regenwald e.V.“ integriert Wiederaufforstung, verbesserten Waldschutz und Einkommensförderung

Über die Region

Das Großvorhaben von „GEO schützt den Regenwald e.V.“ und LichtBlick ist im Dhading Distrikt, in der Middle Mountains Zone von Nepal, angesiedelt. Im Distrikt Dhading, leben 350.000 Menschen – überwiegend Kleinbauern, die als Selbstversorger Landwirtschaft betreiben. Im ländlichen Dhading gibt es keine Dörfer nach mitteleuropäischer Vorstellung: Die Wohnhäuser, umgeben von den dazugehörigen Anbauflächen, verteilen sich über die Berghänge. Ein Großteil der verbleibenden Waldflächen in Dhading ist in schlechtem Zustand, trotz der Arbeit von Community Forest User Groups (CFUGs) – örtliche Waldnutzer-gruppen, denen die Regierung Gemeindewaldflächen zur eigenständigen Bewirtschaftung überschrieben hat.

LichtBlick für die Middle Mountains

Der Distrikt Dhading (u. re.) liegt mitten in Nepal (o. re.). Danda Basaha (roter Punkt u. li.) gehört zum Bezirk Nilkantha (rot umrandet u. re.) von Dhading

Hintergrund des Projekts

Nepal gehört zu den Ländern, die laut Vorhersagen am stärksten unter den Folgen der Klimaerwärmung leiden werden, etwa unter Schlamm- und Schneelawinen als Folge der erhöhten Temperatur. Wälder können die Bevölkerung vor Lawinen schützen, doch seit Jahrzehnten schwinden die bewaldeten Flächen und der fort-schreitende Bau von Straßen destabilisiert die nackten Berghänge zusätzlich. Die nepalesische Bevölkerung wächst sehr stark – zwischen 1970 und 2020 von 12 auf 30 Millionen Menschen – eine Zunahme um 250 Prozent (Quelle: Worldometer).

Die wachsende Bevölkerung benötigt immer mehr Ackerflächen. Und obwohl in Nepal Biogasanlagen bereits hunderttausende Haushalte mit Kochenergie versorgen, sind die allermeisten Bewohner des Landes zum Kochen und Heizen weiterhin auf Feuerholz angewiesen.

Zwischen 1990 und 2005, innerhalb von nur 15 Jahren, gingen fast 25 Prozent der Waldflächen Nepal verloren (Quelle: FAO) Gründe: Umwandlung von Wald- in Ackerflächen, Straßen- und Siedlungs-bau, Bedarf an Feuer- und Bauholz. Um den Waldschwund zu bremsen, hat die nepalesische Regierung bereits in den 1980er Jahren begonnen, die Bevölkerung in die Bewirtschaftung der Waldflächen miteinzubeziehen. Heute gibt es im Land aber-tausende Gemeindewälder sowie Waldnutzergruppen – bekannt als CFUGs (kurz für die englische Bezeichnung „Community Forest User Groups“), deren Aufgabe es ist, die lokale Versorgung mit Holz zu sichern. Die gemeinschaftliche Waldbewirtschaftung durch Gemeindegruppen konnte den Schwund der nepalesischen Wälder sicher verlangsamen, doch verhindern konnte sie ihn nicht. Schon den Feuerholzbedarf zum Kochen und Heizen können die Gemeindewälder nicht nachhaltig decken. Hinzu kommt der große Bedarf an Holz, etwa für den Bau von Möbeln und Häusern. So hat der Wiederaufbau von zehntausenden Wohnhäusern, die 2015 durch Erdbeben zerstört worden sind, die Holzressourcen des Waldes dramatisch schwinden lassen.

LichtBlick für die Middle Mountains

Noch ist der Wiederaufbau der Häuser nicht abgeschlossen, auch in Danda Basaha ist der Holzbedarf daher groß

Dauer

April 2020 bis März 2025 (verlängerbar)

Projektgebiet

Das Vorhaben fokussiert vier kleine, abgelegene Gemeinden mit 184 Haushalten (HH) im Unterbezirk Nr. 1 von Nilkantha, Dhading:

  • Danda Basaha (56 HH)
    Koordinaten: N 270 53’21.65”- E 0840 58’45.24”
  • Jamune Magar (35 HH)
  • Sawane Pani (20 HH)
  • Gairi Basaha (73 HH)

Das Projektgebiet liegt in vier bis sechs Autostunden Entfernung von der Landeshauptstadt Kathmandu, davon die letzten zwei bis drei Stunden, ab dem Bezirkszentrum Dhading Besi, über einen nicht-asphaltierten Weg. Bei einer mittleren Familiengröße von 5,5 beläuft sich die Zahl der Projektbegünstigten auf 1.012. Die Siedlungen verteilen sich über die Hänge mehrerer Berge in Höhenlagen zwischen 800 und 1.400 Meter über dem Meer. Die ethnische und religiöse Vielfalt im Siedlungsgebiet ist groß. Die Bewohner von Danda Basaha sind Buddhisten und gehören überwiegend den Volksgruppen Gurung (80%) und Magar (20%) an.  Die wichtigsten Anbaupflanzen der Kleinbauern sind Reis, Mais, Hirse und Gemüse; zudem halten die Familien Nutztiere, vor allem Büffel, Rinder und Hühner. Die Landwirtschaft ist von den Monsunniederschlägen abhängig. Es fehlt an der Möglichkeit zur Bewässerung von Kulturen während der regenarmen Monate. Beim Kochen von Mahlzeiten nutzen die meisten Familien Holz – bis zu zehn Tonnen Feuerholz pro Jahr.

Nur in wenigen Haushalten wird Flüssiggas aus Flaschen („LPG“) verwendet. Die Menschen müssen immer weitere Wege auf sich nehmen, um Holz und Viehfutter aus dem Gemeindewald herbeizuschaffen.

Die Region ist an das öffentliche Stromnetz angeschlossen.  Im Projektgebiet gibt es drei Schulen, in Danda Basaha bis zur 8. Klasse, in Gairi Basaha (bis zur 5.) und in Jamune (bis zur 3.). Das Trinkwasser wird aus Bächen bezogen. Die medizinische Versorgung ist schlecht. Es gibt keine Apotheke. Ein „Health Post“ zur Notversorgung steht in Fakshe Gaon, zwei Stunden Fußmarsch von Danda Basaha entfernt, zur Verfügung. Aus Mangel an wirtschaftlichen Perspektiven sind rund 20 Prozent der jungen Menschen abgewandert.

LichtBlick für die Middle Mountains

Der Geschäftsführerin des Vereins, Eva Danulat, wird im Gelände überdeutlich, wie imens wichtig die Aufforstung der brachliegenden Steilhänge ist

Ziele

  • Minderung von Austrocknung und Erosion der Böden
  • Verbesserter Zustand der Gemeindewaldflächen
  • Erhöhte Nahrungsvielfalt und Schaffung von Einkommen
  • Verbesserte Trinkwasserversorgung und Sicherung von Kulturen durch Bewässerung
  • Stärkung von Hygiene und Gesundheitsfürsorge
  • Bewusstseinsförderung und Umweltbildung für Kinder und Erwachsene

Aktivitäten

Wiederaufforstungen und Baumschulen

Die Aufforstungsaktivitäten erfolgen in enger Abstimmung mit der regionalen Forstbehörde. Unter Anleitung eines Experten forsten die Bewohner-/innen Flächen von insgesamt 300 Hektar wieder auf. Die teils seit Jahrzehnten brach liegenden Flächen sind sehr steil und exponiert; die Böden sind mager, trocken und steinig. Durch Pflanzung verschiedenster heimischer Baumarten sollen im Projektgebiet neue Wälder mit erhöhter Vielfalt entstehen, die dauerhaft erhalten werden. Zum einen werden die Aufforstungen verhindern, dass die Böden weiter austrocknen und erodieren; zum anderen wird durch den neuen Baumbestand die Feuchtigkeit im Boden gebunden und die Wasserführung in den Flüssen und Bächen erhöhen. Für die Aufforstungen werden rund 300.000 Baumsetzlinge benötigt. Zwei Projekt-Baumschulen – eine davon neu in Danda Basaha, die zweite in der Ortschaft Simle – produzieren jährlich bis zu 50.000 der benötigten Setzlinge für die Wiederaufforstung; weitere Baumsetzlinge werden von staatlichen Baumschulen bezogen. Falls nötig, werden aufgeforstete Flächen für die ersten Jahre vor Verbiss durch herumlaufendes Vieh geschützt.

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Die Projektregion, hier auf einer Satellitenaufnahme, liegt östlich des Distriktzentrums Dhading Besi

Verbesserte Bewirtschaftung der vorhandenen Waldflächen

Beratung der örtlichen Waldnutzergruppen (CFUGs) durch Experten, gezielte Anleitung für Pflegemaßnahmen und Trainings zur Vermeidung und Bekämpfung von Waldbränden fördern den Erhalt der vorhandenen Wälder. Die Pflanzung von Futterbäumen für Nutztiere nahe den Wohnhäusern und der Bau von Holz sparenden Kochherden (kurz: ICS, für die englische Bezeichnung: „Improved Cooking Stoves“) mindern den Druck auf die Wälder. So sparen die neuen Kochstellen ein Drittel des üblicherweise verbrauchten Feuerholzes. Zudem schützen sie die Nutzerinnen vor der schädlichen Wirkung des Rauchs, der bei der Verbrennung von Holz entsteht.

Erhöhte Nahrungsvielfalt und Schaffung von Einkommen

Ein Experte in Obstbau wird die Kleinbauern hinsichtlich der Pflanzung von Fruchtbäumen beraten. Je nach Höhenlage, Boden und Wasserversorgung usw. können etwa Mandarinen, Litschi, Avocado oder eine der heimischen Früchte zur Produktion von Chutneys gepflanzt werden. Durch gezielte Trainings und jährliche Aufenthalte des Experten in der Region werden die Bauern hinsichtlich der Pflanzung und Pflege der Obstkulturen nahe den Wohnhäusern unterstützt. Die Produktion von Früchten erhöht die Nahrungsvielfalt in den Familien und dient zur Generierung von Einkommen. Bei Interesse sollen die Familien auch an die Bienenhaltung und Honigproduktion herangeführt werden, durch Beratung, Trainings und Übernahme eines Teils der Kosten von notwendigen Anschaffungen.

Verbesserte Trinkwasserversorgung und Bewässerung von Kulturen

Zunächst werden die vorhandenen Probleme bei der Wasserversorgung genau analysiert. Im Anschluss sollen etwa Leitungen zur Trinkwasserversorgung besonders benachteiligter Haushalte gelegt werden und zur Bewässerung von Kulturen während der Trockenzeit etwa Wasserspeicher gebaut oder Bewässerungskanäle angelegt werden.

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Wer in Danda Basaha keine Wasserleitung hat, ist froh, sich an einer Wasserstelle versorgen zu können

Stärkung von Hygiene und Gesundheitsfürsorge

Wo immer nötig, wird der Bau von Latrinen sowie von Holz sparenden Kochöfen gefördert. Hygiene-Veranstaltungen und Unterstützung der „Health Posts“

Bewusstseinsförderung und Umweltbildung für Kinder und Erwachsene

Vielfältige Projektaktivitäten dienen der Information und Bewusstseinsstärkung der lokalen Bevölkerung. Hierzu gehören etwa Veranstaltungen und Trainings zu den Themen: Gesundheitsvorsorge, Hygiene, Waldschutz, Klimawandel, Herausforderungen der Landwirtschaft und nachhaltige Entwicklung. Für Schulkinder sind Unterrichtseinheiten und Wettbewerbe zu Umweltthemen (Bedeutung des Waldes; Umgang mit Müll etc.) geplant. Je nach Thema und Umfang der Veranstal-tungen können diese durch Mitglieder des Projekt-Teams durchgeführt werden oder durch Fachkräfte aus Kathmandu. Daneben sind für Bewohner der Projektorte auch Busreisen zum Besuch von „Modell-Gemeinden“ geplant. Diese dienen dem Wissens- und Erfahrungsaustausch in anderen Ortschaften der Region, deren nachhaltige Entwicklung Vorbildcharakter hat. Diese lehrreichen Aufenthalte motivieren die Begünstigten beispiels-weise, innovative Agrartechniken, Bewässerungsmethoden o.ä. selbst zu testen und dienen zudem der Vernetzung.

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Das Projekt bringt auch neue Perspektiven für das Leben und den Schulunterricht der Kinder

Fortschritte

Im Rahmen mehrerer Besuche durch den Leiter und das Team von NCDC äußerten die Bewohner im neuen Projektgebiet großes Interesse daran, die vorhandenen Brachflächen wieder aufzu-forsten und den Zustand der Gemeindewälder zu verbessern. In der geplanten Vorstudie werden die Bedingungen und der spezifische Bedarf in den Projektsiedlungen quantifiziert.

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Die Menschen von Danda Basaha, hier mit Projektleiter Siddhartha B. Bajracharya (u. re.), können den Projektbeginn kaum erwarten

Unsere Partner

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LichtBlick: Wegbereiter für ein klimaneutrales Leben

Kooperationspartner in Deutschland
Vor über 20 Jahren fing LichtBlick an, acht Stromabnehmenden ÖkoStrom zu liefern. Damals die absolute Neuheit, heute völlig normal. Mittlerweile ist LichtBlick mit 1,7 Millionen LichtBlickenden Deutschlands größter Ökostromanbieter und insgesamt der fünftgrößte Stromanbieter in Deutschland.

Und gemeinsam mit allen Kunden ist LichtBlick Wegbereiter für ein klimaneutrales Leben: Angefangen mit 100% ÖkoStrom und klimaneutralem ÖkoGas für zuhause und für Unternehmen, über CO2-emissionsneutrale Lösungen für E-Mobilität und dezentrale Solaranlagen bis hin zu digitalen Effizienzportalen für Unternehmen. Zusammen vermeiden, reduzieren und kompensieren wir CO2, fördern Klimaneutralität und unterstützen globale und regionale Klimaschutzprojekte.  So haben sich LichtBlick und „GEO schützt den Regenwald e.V.“ 15 Jahre lang gemeinsam für den Erhalt des Bergnebelwaldes in Ecuador engagiert. Diese erfolgreiche Zusammenarbeit setzen wir nun mit dem Neuvorhaben in Nepal fort.

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Logo des lokalen Partners NCDC

Kooperationspartner in Nepal
Das Projekt wird durch die nepalesische Umweltschutz-organisation National Conservation and Development Centre (NCDC) umgesetzt. Die Nichtregierungsorganisation unter der Leitung von Dr. Siddhartha B. Bajracharya fokussiert in ihrer Arbeit auf nachhaltige Entwicklung und Waldschutzmaßnahmen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit von Siddhartha Bajracharya und „GEO schützt den Regenwald e.V.“ begann bereits Mitte der 1990er Jahre. Im Verlauf von mehr als zwei Jahrzehnten haben die Partner rund ein Dutzend Projektvorhaben in den Distrikten Kaski, Manang, Dhading und Lamjung realisiert. NCDC hat umfassende Erfahrung in der Umsetzung von (Wieder-) Aufforstungsprojekten, Maßnahmen für den Erhalt von Gemeinde-wäldern, Bau von Biogasanlagen und ICS sowie der Durchführung von Aktivitäten zur Bewusstseinsförderung, von Trainings und Kampagnen. Um die Nachhaltigkeit der Maßnahmen zu sichern, sind die Projektbegünstigten an allen Entwicklungsphasen eines Vorhabens aktiv beteiligt. Ihr Interesse an den Maßnahmen und Aktivitäten zeigen sie durch Einbringung von Eigenleistungen, was für die Nachhaltigkeit der Vorhaben förderlich ist. NCDC arbeitet in den Projektregionen vornehmlich mit den CFUGs zusammen, was die Implementierung der Aktivitäten erleichtert. In das Projektteam sind bei NCDC neben Koordinator/-in, Assistent/-in, Finanzbuch-halter und lokalem Kommunikator/-in immer auch so genannte Local Resource Persons (LRPs) in das Projekt eingebunden. Die LRPs werden für ihre Aufgaben speziell geschult und wirken in ihren Gemeinden als Multiplikatoren.

 

Stand: August 2020