Herr Høy, wie kommen sie ohne Rasen zurecht?
Nun, es geht. In Grönland ist es wegen der Kälte viel zu teuer, Rasenplätze anzulegen und zu pflegen. Und wenn mal irgendwo Gras wächst, ist es dort nicht flach genug.
Spielen Sie manchmal auf dem Eis?
Nur zum Spaß. Im Sommer trainieren wir auf Sandplätzen, im Winter in Sporthallen. Da läuft der Ball dann sehr schnell, das ist gut, dann müssen auch wir viel laufen. Auf dem Eis liegt oft Schnee, da kommt man kaum durch.
Scheint ganz schön hart zu sein, das Leben eines Fußballers in Grönland.
Das ist es auch. Vor allem, weil die Freiluftsaison so kurz ist: Sie dauert nur von Ende Mai bis Anfang September. In der Zeit findet auch die grönländische Meisterschaft statt. Von 50 Teams, die antreten, qualifizieren sich acht Mannschaften für die Endrunde.
Wie klappt die Organisation, bei den großen Entfernungen und hohen Reisekosten?
Die Endrunde wird jedes Jahr an einem anderen Ort ausgespielt. Wer sich qualifiziert hat, muss das Geld für den Flug und das Essen selbst zusammenkratzen. Manchmal fallen Mannschaften aus, weil sie nicht genug Geld haben. Mitunter ist das Wetter auch so schlecht, dass die Teams die Stadt nicht pünktlich erreichen. Dann müssen alle anderen warten. Oder die Mannschaft wird disqualifiziert.
Wie finanzieren Sie Ihr Hobby?
Ich bin Hausmeister und Trainerassistent in einer Sporthalle. Ich muss mich ganz schön strecken für die Turniergebühren, die Flugtickets, das Trikot und die Fußballschuhe. Früher habe ich auch Volleyball gespielt und bin Ski gefahren, aber auf Dauer wird das alles zusammen ein bisschen teuer. Manchmal sagt meine Frau, ich gebe zu viel Geld aus für Fußball.
Wie kommen die Zuschauer mit der Kälte zurecht?
Wenn wir draußen spielen, kostet es keinen Eintritt. Die Zuschauer sind gut bei der Sache und feuern uns lautstark an. Zwar können sie nicht richtig klatschen, schließlich haben sie Handschuhe an, dafür brüllen sie ordentlich. Einige bringen sich heiße Getränke oder Hochprozentiges mit. Ob sie sich damit aufwärmen oder in Stimmung bringen? Keine Ahnung.
Warum sind Grönländer so verrückt nach Fußball?
Vielleicht, weil es hier nicht viel anderes zu tun gibt, gerade im Sommer, wenn die Sporthallen schließen. Hier hat ja nicht jede Stadt ein Schwimmbad, ganz zu schweigen von Kinos oder Theatern.
Wie trainiert die Nationalmannschaft?
Mindestens einmal im Jahr gibt es ein Trainingslager, wenn genug Geld da ist, auch öfter. Wir fliegen dafür meist nach Dänemark. Das ist ein Problem, denn nicht jeder Nationalspieler kann sich die Reise dorthin leisten. Der bleibt dann außen vor.
Gegen welches Team würden Sie gerne mal spielen?
Manchester United! Der Weltfußballverband Fifa will Grönland nicht aufnehmen, auch, weil es bei Ihnen keine Rasenplätze gibt.
Ist das ungerecht?
Das ist schon in Ordnung. Es geht ja nicht nur um den Rasen. Unsere Nationalmannschaft spielt einfach zu schlecht, als dass wir an Europa- oder Weltmeisterschaften teilnehmen könnten. Außerdem ist Grönland kein eigener Staat, sondern gehört zu Dänemark. Für die Fifa kann es deshalb auch keine grönländische Turniermannschaft geben. Na ja, schade ist es schon.
Was war Ihr größter sportlicher Erfolg?
Das Match gegen Tibet, im Sommer 2001, in Kopenhagen. Wir haben 4:1 gewonnen, und nach dem Abpfiff galt ich als der beste Mann des Spiels. Aber es war mehr. Die Tibeter spielten, obwohl ihnen die chinesische Regierung das verboten hatte. Sie kämpften an allen Fronten. Es war ein Freundschaftsspiel, das Geschichte geschrieben hat. Ich bin stolz, dass ich dabei war.
das Interview führte Christian Sywottek.