Rundreise durch den Osten Rumäniens

Reisebericht

Rundreise durch den Osten Rumäniens

Reisebericht: Rundreise durch den Osten Rumäniens

Wie Individualreisende sehr individuell und angenehm vom Donaudelta über die Bukowina mit den berühmten Moldauklöstern un sodann vom Norden kommend nach Siebenbürgen reisen und schließlich durch die hohen Karpaten zurück nach Bukarest kommen können.

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der Donauhafen von Tulcea



Das Donaudelta

Ins Donaudelta gelangen wir von Tulcea, der Bezirkshauptstadt an der Donau. Von hier aus fahren die Schiffe, Motor- und Fischerboote, die Tragflächenboote und Kutter, also alles, was schwimmt und nicht segelt, in das weitverzweigte Gebiet aus Flußarmen, Kanälen, Seen und Sümpfen.
Das Donaudelta ist das zweitgrößte in Europa, und im Gegensatz zum Wattenmeer, wo der Mensch in Jahrhunderten der See das Land künstlich durch Deiche und Kööge entreißen mußte, wächst Rumänien hier langsam aber stetig von ganz alleine.

Nach Tulcea von Bukarest mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu gelangen, ist zeitaufwändig und mühevoll. Wir bitten unseren Taxifahrer Relu (Kontaktdaten im Tip), uns hinzubringen. Er tut es für 100 € (ca. 300 km) in vier Stunden. Mit dem Zug hätte es ca. 9 Stunden gedauert, und so prickelnd ist die Warte-/Umsteigezeit in Medgidia auch nicht. Warum die Direktverbindung per Intercity ("Blauer Pfeil") eingestellt wurde, erschließt sich weder uns noch den Rumänen, die auf den Delta-Tourismus angewiesen sind.
In Tulcea kommen wir für eine Nacht im "Delta" unter (drei oder vier Sterne, Dz ca. 60 € bei drei Sternen). Das Hotel dominiert die Hafenmeile an der Donau, stammt mit einem Trakt erkennbar noch aus kommunistischen Zeiten, ist aber in den Zimmern ganz ordentlich auf westlichen Standard gebracht und sein Geld wert.

In Tulcea gibt's nicht so wahnsinnig viel zu sehen: Das Museum für das Donaudelta zur Einstimmung mit einem Aquarium dort ansässiger aber auch exotischer Meereslebewesen, eine Moschee und ein Volkskundemuseum.

Nett ist es, am Abend auf der Promenade an der Donau entlang zu bummeln und zu sehen, was so alles an Schiffen und Booten hereinkommt. Natürlich kann man auch auf mehreren Terrassen bei einem Aperitif oder beim Abendessen zusehen. Es ist da alles so ein bißchen wie die Abendvolta in Griechenland, nur hält sich die Zahl der Menschen trotz Hochsaison in Grenzen. Ausländischen Urlaubern begegnen wir nur vereinzelt.

Am nächsten Morgen gehts los: mit einem kleinen und übermotorisierten Motorboot, in das gerade unser Gepäck, der Bootsführer und die Frau http://www.geo-reisecommunity.de/bild/small/176004/auf-ins-Delta.jpgAntonescu (vgl. Tipp) passen, "brettern" wir mit vielleicht 30 kn über den südlichen der drei Donauarme des Deltas auf eine Weise, die weder "sanft" (Tourismus) ist noch etwas mit Naturbeobachtung zu tun hat. Aber dies ist ja auch nicht der Zweck der Übung sondern der rasche Transfer ins Hotel - und Zeit ist Geld, zumindest für die Dienstleister.

Die rasante Fahrt, die so nur möglich ist, weil wir fast Windstille und damit kaum Welllengang haben, endet nach ca. 80 Minuten in Uzlina - mitten im Delta. Hier hatte der verhaßte Diktator Ceausescu - wie an mehreren bevorzugten Stellen seines Landes - auch ein üppiges Feriendomizil.

Uzlina muß man sich so vorstellen:

von einem Altarm der Donau, der nicht mehr von größeren Schiffen befahren wird, zweigt einer der vielen Kanäle ab, der in ein riesiges Labyrinth aus Kanälen, Seen und Sumpfgebieten führt. An dieser Abzweigung stehen ein paar Fischerhütten, kleinere Ferienhäuser, zwei Höfe mit Viehhaltung und zentral die Ferienanlage "Cormoran", die ihrerseits wieder aus einem Hotel und einigen reetgedeckten Einzelhäusern (jedes für 2 Familien mit getrenntem Eingang), einem ebenso reetgedeckten Konferenzzentrum und zwei Pools für kühlende Bäder (in den Naturgewässern sollte man nicht baden). Diese Häuser (bis auf das Hotel) sind im Stil der Dobrudgea gehalten, also ausser mit Reetdächern mit einem freundlich blauen Anstrich versehen.

Wir wohnen im Hotel und sind auch auf dessen Restaurant angewiesen, ein Umstand, der sich aber nicht als nachteilig erweist, da Service und Essen in Ordnung sind. Es ist nämlich so, dass wir uns etwas wie die DDR-Größen in Wandlitz vorkommen: aus diesem Komfort-Ghetto kommt man nämlich nur an andere Orte, wenn man nicht nur ein Boot hat, sondern auch einen Schiffsführer mit der Berechtigung, das Delta zu befahren. Ruderboote kann man zwar mieten, aber damit kommt man nicht sehr weit. Auch hinter der Grundstücksgrenze kommt man nicht weit: Zäune, unwegsames Gelände und mancherorts eine Schweineherde verhindern, dass man andere Häuser erreicht. Spazierengehen kann man auf dem Gelände zwischen den Häusern oder am ca. 200m langen Uferweg. Macht nichts, denn für drei Tage Aufenthalt ist das ok, da ja einer davon eine ganztägige Deltarundfahrt beinhaltet.

Die Rundfahrt durch das Delta findet in einem ca 4m langen, schlanken Fischerboot statt, An Bord der Fischer mit seinem Sohn, die Tourvermittlerin, Frau Antonescu (die gut deutsch spricht) und wir zwei. Damit ist das Boot denn auch voll. Als Antrieb dient ein Außenbordmotor, der dem Anlaß entsprechend wesentlich moderater gefahren wird als auf dem Transfer mit dem anderen Boot (er hat auch nicht soviel PS).

Wir starten um 08:00 morgens, die Rückkehr ist nach sieben Stunden vorgesehen, einschließlich eines Essens bei "Fischers" zu Hause. Kostenpunkt 160 € - nicht gerade ein Schnäppchen aber allemal sein Geld wert.

Es würde jetzt den Rahmen solcher Reiseberichte sprengen, hier den genauen Fahrtverlauf zu schildern. Vielmehr muß ich mich darauf beschränken, den Gesamteindruck zu beschreiben: das Eindrucksvollste, was auf dieser Rundfahrt zu sehen und zu erleben ist, ist die (fast) unberührte Natur einer weiten Wasserlandschaft: wir fahren einige Kilometer durch einen Kanal, der von urwaldähnlicher Vegetation gesäumt wird. Diese öffnet sich und gibt den Blick auf einen See frei, dessen Ufer durch große Flächen von Seerosen (nie gelbe und weisse in demselben Gebiet!) gesäumt werden. Dort sitzen die Wasservögel und tun das, was Wasservögel gemeinhin so tun: brüten und sich verpflegen. Wir sehen Möven, Seeschwalben, diverse Enten und Taucher, Kormorane, Reiher. Wären wir Ornithologen, könnten wir sie hier noch genauer beschreiben, so aber erfreuen wir uns einfach an ihrer Nähe und dem relativen Frieden, der hier herrscht. Die Fahrt wird bei Annäherung merklich gedrosselt, manchmal der Moter ganz abgestellt. Wir pflücken Wassernüsse, die ganz gut schmecken.
Auf den Seen selbst geht es etwas ruppiger zu: soviel Wind, dass wir durch eine kurze Welle mit Schaumkämmen fahren, da werden die Kleider doch 'mal etwas nass. Kanäle und Seen unterschiedlicher Größe wechseln sich ab. Sonnenschutz (Kopfbedeckung, Creme, Sonnenbrille) ist in jedem Fall hilfreich, da wir meistens nicht in den Genuß von Schatten kommen. Auch ist bei allem gut nachzuvollziehen die Warnung, ohne Ortskenntnisse aus diesem Labyrinth nicht mehr herauszufinden. An größeren und längeren Kanälen, die meistens einen Namen haben, finden wir vereinzelt Hütten und ab und zu sogar ein Haus. Die Hütten gehören Fischern, die sich im Sommer hier aufhalten (Camping auf die ganz einfache aber romantische Tour), nachts fischen und tags schlafen. Die dazugehörigen Familien leben in Häusern oder Wohnungen in Ortschaften am Rande des Deltas.

Die Rundfahrt dauert etwas länger als vorgesehen (macht nichts, denn wir sind ja im Urlaub und nicht auf der Flucht) und endet bei der "Datscha" des Fischers, wo dessen Frau inzwischen so ziemlich alles, was die Donau hergibt zu Suppe, Bratfisch oder Kochfisch verarbeitet hat und heimischem Rotwein auf den Tisch stellt. Das ist zwar ein kulinarischer (und sehr authentischer) Hochgenuß, aber am Ende wissen wir, was wir geschafft haben. Man kann eben nie mehr essen, als mit aller Geewalt hineingeht !!
Erst gegen 18:00 - nach zehn statt sieben Stunden endet das Unternehmen in unserem "Reservat" in Uzlina.
Nun gut - morgen geht's weiter: zurück nach Tulcea und dann weiter in den Norden !

(WIRD FORTGESETZT!)



nah 'dran !


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Kommentare

  • Blula

    Lieber Wolfgang! Dieser Bericht hat mich sehr interessiert, da ich ja vor Jahren auch einmal Rumänien besucht habe (Donauflußkreuzfahrt). Aber was habe ich da schon gesehen... im schönen Donaudelta mit seiner üppigen Flora und Fauna war ich z.B. nicht. Dein Bericht ist sehr informativ und auf die Fortsetzungen bin ich auch schon gespannt.
    LG Ursula

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