Hauptspalte:
Biogasanlagen für Haushalte in Sankosh, Nepal
In diesem Vorhaben von „GEO schützt den Regenwald e.V.“ erhalten Familien Zugang zu Kochgas als Alternative zu Feuerholz.
Über die Region
Etwa drei Stunden westlich der Landeshauptstadt Kathmandu, in den Middle Mountains von Nepal, ist dieses Großprojekt von „GEO schützt den Regenwald e.V.“ angesiedelt. Im Distrikt Dhading, der Projektregion, leben 350.000 Menschen – überwiegend Kleinbauern, die als Selbstversorger Landwirtschaft auf den Berghängen um die Distrikt-Hauptstadt Dhading Besi betreiben.
In dem ländlichen Siedlungsgebiet gibt es keine Dörfer nach mitteleuropäischer Vorstellung. Vielmehr verteilen sich die mehr als 4000 Haushalte über die Hänge mehrerer Berge in Höhenlagen zwischen 800 und 1600 Meter. Rund 99 Prozent des Energiebedarfs der Menschen wird durch Holz gedeckt; jede Familie benötigt durchschnittlich zehn Tonnen Feuerholz pro Jahr. Ein Großteil der verbleibenden Waldflächen ist in schlechtem Zustand, trotz der Arbeit zahlreicher Community Forest User Groups (CFUGs) – örtliche Nutzergruppen, denen Gemeindewaldflächen zur eigenständigen Bewirtschaftung überschrieben worden sind.
Hintergrund des Projekts
Nepal gehört zu den Ländern, die laut Vorhersagen am stärksten unter den Folgen der Klimaerwärmung leiden werden, etwa unter Schlamm- und Schneelawinen als Folge der erhöhten Temperatur. Zugleich schwinden die bewaldeten Flächen, da die Bevölkerung stark wächst und vor allem die Menschen der vielen kleinen Siedlungen im Landesinneren zum Kochen und Heizen auf Holz angewiesen sind.
Laut Daten der FAO gingen zwischen 1990 und 2005 rund 28 Prozent der Waldflächen in Nepal verloren. Um den dramatischen Waldschwund zu bremsen, förderte die Regierung in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend die Arbeit von Waldnutzergruppen, CFUGs, die partizipatives Waldmanagement betreiben. Diese Art von Bewirtschaftungssystem hat weltweit zu Erfolgen geführt. Klar ist: Der Holzverbrauch der wachsenden Bevölkerung kann nicht nachhaltig gedeckt werden.
Biogasanlagen zur Versorgung von Bauernfamilien mit Kochgas haben in Nepal eine lange Tradition – um 180.000 Anlagen wurden laut Schätzungen der Deutschen Botschaft in Kathmandu bereits installiert, darunter 900 alleine im Klimaschutzprojekt von „GEO schützt den Regenwald e.V.“ (siehe hierzu die Projektseite "Klimaschutz in den Middle Mountains" auf www.regenwald.de). Im vorliegenden Projekt, das nur eine Gemeinde, die Sankosh VDC (Village Development Committee) des Distrikts Dhading begünstigt, wird ein innovativer Anlagentyp gebaut, der sich im „Großtest“ bewähren soll, bevor er landesweit genutzt werden kann. Durch die baulichen Modifizierungen werden etwa die Gasproduktion erhöht und die Nutzerfreundlichkeit verbessert.
Dauer
Juli 2012 bis April 2013
Ziele
Förderung des Walderhalts
Entwicklung einer nachhaltigen ländlichen Energieversorgung
Verbesserung von Gesundheitsvorsorge und Hygiene
Aktivitäten
Bau von Biogasanlagen und Latrinen
In 102 Haushalten, welche die Voraussetzungen erfüllen, werden Biogasanlagen von zwei oder vier Kubikmeter Inhalt gebaut, die künftig den Energiebedarf der Familie beim Kochen decken werden. Biogas wird hier Holz, und in geringem Maß Kerosin, als Brennstoff ersetzen. Die Bedingungen sind folgende:
- die Lage des Haushalts unter 2000 Meter ü.d.M.
(der Abbau von Viehdung durch Mikroben ist temperaturabhängig; in höheren Lagen sind die Nachttemperaturen zu niedrig)
- das Vorhandensein von mindestens zwei Großtieren (Büffel, Rinder)
- eine ausreichende Wasserversorgung
Zu den Vorteilen der Biogasnutzung gehören:
- verminderter Druck auf die Waldressourcen
- Wegfall des gesundheitsschädlichen Rauchs offener Holzfeuer
- Zeitersparnis
- reduzierte Kohlendioxid-Emissionen
Daneben wird jeder Biogasanlage eine Latrine angeschlossen. Die künftigen Nutzer unterstützen das Projekt, etwa durch Erdarbeiten; lokale Experten installieren die Anlagen.
Fortschritte
In den ersten Wochen fanden zunächst Koordinierungstreffen zwischen dem lokalen Projektpartner National Conservation and Development Centre (NCDC) und Vertretern der Nepal Biogas Promotion Association (NBPA) statt. Gemeinsam mit der NBPA haben Berater der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) den gängigen Biogasanlagen-Typ weiterentwickelt, um die Funktion und Handhabung durch die Nutzer zu optimieren. Im Verlauf einiger Wochen bereitete die NBPA eine Gruppe von 15 lokalen Biogas-Ingenieuren auf den Bau der modifizierten Anlagen vor, machte sie mit den neuen Bauvorschriften vertraut. Ein kleines NCDC-Mitarbeiterteam bereitete derweil die Implementierung der Aktivitäten in der Gemeinde Sankosh vor – in enger Zusammenarbeit mit Vertretern der lokalen Community Forest User Groups, welche die Familien auswählten, die durch die Installation einer Biogasanlage begünstigt werden sollten.
In der Sankosh VDC lagen keinerlei Erfahrungen hinsichtlich der Nutzung von Biogas vor. Dennoch war die Bevölkerung sehr schnell von der Technologie überzeugt. Dies ist sicher auch Ergebnis der sehr guten Kommunikation von Seiten NCDC: Durch Newsletter und Radiospots hatten die Menschen von den Erfahrungen gehört, die in anderen Gemeinden mit der Biogas-Technologie gemacht worden sind.
Die anschließenden Baumaßnahmen schritten in rasantem Tempo voran. Bereits im November 2012, beim Besuch der Geschäftsführerin des Vereins vor Ort, produzierten einige der frisch installierten Anlagen bereits Gas. Die allgemeine Akzeptanz, die gute Vorbereitung und der reibungslose Ablauf führten dazu, dass bis Anfang Januar 2013 alle der geplanten 102 Biogasanlagen und ebenso viele Latrinen fertig gestellt werden konnten. Alle Familien konnten die Anlagen sogar bereits in Betrieb nehmen, denn es vergehen immer einige Wochen, um genug Viehdung für die Inbetriebnahme zu sammeln und den bakteriellen Prozess der Fermentierung, von Dung zu Gas, in Gang zu bringen. Im Februar erhielten die Projektbegünstigten eine ausführliche Einweisung in die Benutzung der Anlage. Ende Februar waren bereits alle Anlagen in Betrieb.
Familien, die eine Anlage erhalten haben, benötigen nun kein Feuerholz mehr zum Kochen. Zudem sparen sie viel Zeit für das Sammeln von Holz, die nun für andere Aktivitäten zur Verfügung steht. Gleichzeitig schonen Biogasanlagen die Gesundheit der Familienmitglieder, denn es entfällt der lästige und gesundheitsschädliche Rauch, den offene Feuerstellen produzieren. Die Latrinen tragen wiederum zu verbesserter Hygiene bei.
Unsere Partner
Umgesetzt wird das Vorhaben durch die nepalesische Umweltschutzorganisation National Conservation and Development Centre (NCDC), unter der Leitung von Dr. Siddhartha Bajracharya, mit dem „GEO schützt den Regenwald e.V.“ bereits seit den 1980er Jahren erfolgreich zusammenarbeitet. Um die Nachhaltigkeit des Projektes zu sichern, entwickelt NCDC sämtliche Aktivitäten gemeinsam mit der Bevölkerung.
Das Vorhaben wird als „Erstprojekt“ bezuschusst durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
Letzte Aktualisierung: Januar 2013
Spenden Sie jetzt für unsere Projekte
Momentan sind zu dem Artikel "Biogasanlagen für Haushalte in Sankosh, Nepal" keine Kommentare vorhanden.











