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GEO Regenwaldverein e.V.


Aufforstung des Wassereinzugsgebietes von El Paraíso, Intag, Ecuador

„GEO schützt den Regenwald e.V.“ hilft einer kleinen Gemeinde, Bäume zu pflanzen, die durch die gezielte Aufforstung künftig die Versorgung der Menschen mit sauberem Trinkwasser sicher stellen werden.


Karte der Projektregion Intag (Foto von: GEO-Grafik)
© GEO-Grafik
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Karte der Projektregion Intag

Über die Region

Ecuador weist eine der höchsten Abholzungsraten von ganz Südamerika auf. Kahlschlag, Brandrodungen, Straßen- und Siedlungsbau sowie Bergbau bedrohen im Norden Ecuadors die verbleibenden Reste des einst flächendeckenden Bergregenwaldes. Kleinbauern brennen wertvollen Wald nieder, um neues Land für Äcker oder Viehweiden zu gewinnen. Die Folge: Der Regen lässt ganze Berghänge erodieren, der Boden kann kein Wasser mehr speichern und trocknet aus, Ernten verdorren, es kommt zu Erdrutschen. Gleichzeitig wird sauberes Trinkwasser knapp.

Die Andenregion Intag in der ecuadorianischen Provinz Imbabura liegt etwa 200 Autokilometer nördlich der Landeshauptstadt Quito zwischen dem tropischen Tiefland und Nebelwäldern, die sich an der Westflanke der hier bis zu 6000 Meter hohen Gebirgskette befinden. Die Intag-Region grenzt an das Cotacachi-Cayapas-Naturreservat, wo zahlreiche vom Aussterben bedrohte Säugetier- und Vogelarten leben.


Projektbetreuer Armando Almeida von DECOIN mit zwei "Aktiven"  (Foto von: Eva Danulat)
© Eva Danulat
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Projektbetreuer Armando Almeida von DECOIN mit zwei "Aktiven"

Hintergrund des Projekts

Die Intag-Region wird von zahlreichen Flüssen und Bächen durchflossen; diese versorgen die vielen, meist kleinen Gemeinden mit Trinkwasser. Der Schutz der kommunalen Wassereinzugsgebiete ist also von zentraler Bedeutung. Entwaldung führt zu verstärkter Verdunstung, da der Boden nicht mehr durch die Baumkronen geschützt wird und das Trinkwasser kann verschmutzt werden – etwa wenn Flussläufe durch etwaige in der Landwirtschaft eingesetzten Düngemittel oder Pestizide verunreinigt werden oder Viehweiden kreuzen.

Die aus rund 30 Familien bestehende Intag-Gemeinde El Paraíso bei Peñaherrera hat 2007 ein Wassereinzugsgebiet unter Schutz gestellt. Das 40 Hektar große Gebiet um die Wasserläufe ist seither in Gemeindebesitz und wurde eingezäunt, um das Eindringen von Weidetieren zu verhindern. Die Gemeindemitglieder von El Paraíso zeigen ein hohes Maß an Eigeninitiative und Verantwortung: Zu Projektbeginn hatten sie bereits fünf Hektar mit 8000 Setzlingen aufgeforstet. Nun gilt es eine Fläche von rund 35 Hektar, die ursprünglich bewaldet war, mit hochwüchsigen Bäumen aufzuforsten. Dies soll sicherstellen, dass die Bewohner auch in den trockenen Sommermonaten mit einer ausreichenden Menge an sauberem Trinkwasser versorgt werden.


Dauer

August 2008 bis Dezember 2012


Ziele der Aufforstung

Ökologische Aufforstung von ehemals bewaldeten Flächen, die mit kleinwüchsiger, kurzlebiger Vegetation bewachsen sind, führt zur deutlichen Verbesserung des Zustands des Wassereinzugsgebiets von El Paraíso, intensive Öffentlichkeitsarbeit zur Bedeutung von Trinkwasserschutz unterstützt die Nachhaltigkeit des Vorhabens.


Ein erst drei Jahre alter Drachenblutbaum (Croton sp.) (Foto von: Eva Danulat)
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Ein erst drei Jahre alter Drachenblutbaum (Croton sp.)

Aktivitäten

Aufbau einer Baumschule
Das Projekt finanziert die Materialien für den Aufbau einer Baumschule sowie einen zuständigen Betreuer, der durch weitere Gemeindemitglieder in freiwilligen Arbeitstreffen (auf Spanisch: „mingas“) unterstützt wird. Die Produktion der Baumsetzlinge in der Baumschule El Paraíso hat viele Vorteile: (i) Die Pflanzen gewöhnen sich an das lokale Klima, (ii) die Nähe zur Baumschule erleichtert den Gemeindemitgliedern das Pflegen der Setzlinge, (iii) die Transportwege zum Ort der Auspflanzung sind kurz, und (iv) die Setzlinge haben bessere Überlebenschancen.

Produktion und Kauf von 50.000 Baumsetzlingen und deren Anpflanzung
Mitglieder der Projektgruppe sammeln in der Umgebung von „El Paraíso“ Baumsamen. In den trockenen Sommermonaten laufen die Vorbereitungen für die Produktion der nächsten Generation von Setzlingen in der Baumschule; mit Beginn der Regenzeit werden Baumsamen zum Keimen gebracht und die Setzlinge in mit Erde gefüllten Plastikbehältern herangezogen. Es wird eine Mischung von mehr als 30 einheimischen Baumarten produziert, darunter auch Drachenblutbaum, Erlen, Guayava, Tura, Gummibäume. Manche Baumsetzlinge werden in der Baumschule von San Joaquín angekauft, deren Aufbau durch „GEO schützt den Regenwald e.V.“ finanziert worden ist, so die Wachspalme – eine gefährdete Art, deren Entwicklung extrem langsam abläuft.

Aktivitäten im Bereich Umweltbildung/-erziehung
Die Intag-Region ist abgelegen, Schulen vermitteln nur Basiswissen und auch die weiteren Informationsmöglichkeiten sind begrenzt. DECOIN schaltet in der Intag-Zeitung und in dem lokalen Radio-Sender „Radio Intag“ regelmäßig Anzeigen bzw. Radio-Spots, um die Bevölkerung über diverse Umweltthemen zu informieren, darunter die Gefahren von Brandrodung, die Notwendigkeit von Mülltrennung bzw. -vermeidung sowie Maßnahmen zur Bewahrung sauberen Trinkwassers.

Veröffentlichung einer „Anleitung zur Aufforstung von Wassereinzugsgebieten“
Der Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, Carlos Zorrilla, hat in den vergangenen zehn Jahren zahlreiche Aufforstungsprojekte in der Intag-Region initiiert und durchgeführt bzw. begleitet. Das Interesse an Aufforstung in den Gemeinden ist groß. Die Erfahrungen von Carlos Zorrilla werden daher in einer Broschüre auf Spanisch zusammengefasst, damit möglichst viele interessierte Menschen von ihnen profitieren können.


Filigranes Kunstwerk eines "Quinde", ein Kolibri, der diese Astgabel in einem erst zwei Jahre alten Tura-Baum für sein Nest auserkoren hat (Foto von: Eva Danulat)
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Filigranes Kunstwerk eines "Quinde", ein Kolibri, der diese Astgabel in einem erst zwei Jahre alten Tura-Baum für sein Nest auserkoren hat

Fortschritte

Die Wiederaufforstung in El Paraíso gilt in der gesamten Region und darüber hinaus als „Vorzeigeprojekt“. Die Aktivitäten entwickelten sich von Beginn an planmäßig, was auf die sehr engagierte Projektgruppe und deren gute Zusammenarbeit mit Projektleiter Armando Almeida zurückzuführen ist. Alle der vorgesehenen 50.000 Bäume wurden bis 2011 produziert und gepflanzt, 17.000 im ersten, 16.000 im zweiten und 17.000 im dritten Projektjahr. Mehr als 30 Baumarten wurden in der Baumschule auf gemischten Beeten, von denen jedes durch eine Familie der Gemeinde versorgt wurde, sozusagen „im Wettbewerb“ produziert. Wachspalmen-Setzlinge wurden in der Baumschule von San Joaquín gekauft. Durch die Verlängerung konnten Ende 2011/Anfang 2012 auf einer hoch gelegenen Fläche zusätzlich 3000 Kaffeebäume (Coffea arabica) ausgepflanzt werden, eine Einkommen verbessernde Maßnahme für die Familien. Die erste Kaffeeernte wird in drei Jahren erwartet. Starke Niederschläge schaffen günstige Wachstumsbedingungen für die Baumsetzlinge – und auch andere Pflanzen, vor allem Gräser. In Gemeinschaftsaktionen ("mingas") entfernten die am Projekt beteiligten Familien mindestens zwei Mal jährlich das Gras in Umgebung der Setzlinge – eine sehr mühsame und langwierige Tätigkeit auf dem steilen und schwer begehbaren Gelände. Diese Pflegearbeiten wurden bis Ende 2012 weitergeführt.


Ausgepflanzter Setzling eines Gummibaums (Foto von: Eva Danulat)
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Ausgepflanzter Setzling eines Gummibaums

Die durchschnittliche Überlebensrate der Setzlinge wird auf 90 Prozent geschätzt; nicht angewachsene oder verdorrte Pflanzen sind durch neue ersetzt worden. Ein Großteil der Baumpflanzungen der ersten beiden Jahre wurde durch die amerikanische Forscherin Sarah Wilson und einen freiwilligen Mitarbeiter von DECOIN kartiert. Dies ermöglicht, bei künftigen Aufforstungsprojekten von den hier gemachten Erfahrungen, etwa hinsichtlich des optimalen Standorts der verschiedenen Arten, zu profitieren.


Kaffeebaum aus der Pflanzperiode 2011/12 (Foto von: Eva Danulat)
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Kaffeebaum aus der Pflanzperiode 2011/12

Von Jahr zu Jahr präsentiert sich das Wasserschutzgebiet El Paraíso grüner. Bereits 2011 bezeugten Gemeindemitglieder, dass sich die Wassermenge, die im Dorf ankommt, vergrößert habe. Insbesondere die Erlen und Drachenblutbäume wuchsen sehr rasch. Die im ersten Jahr gepflanzten Erlen hatten je nach Standort im Mai 2012 bereits etwa 15 Meter Höhe erreicht! Am anderen Ende des Größenspektrums finden sich die Wachspalmen; sie lieben feuchte, schattige Standorte und hatten je nach Pflanzjahr im Mai bis zu 1,3 Meter Höhe erreicht.

Die 72-seitige bebilderte Broschüre „Anleitung zur Wiederaufforstung“ – auf Spanisch – wurde fertig gestellt; die Resonanz auf die Veröffentlichung war ausgezeichnet. Die Druckversion war innerhalb weniger Monate vergriffen, derzeit ist die Broschüre Guia de reforestación nur elektronisch zugänglich.


DECOIN-Präsidentin Silvia Quilumbango, Direktor Carlos Zorrilla und Projektleiter Armando Almeida (Foto von: Eva Danulat)
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DECOIN-Präsidentin Silvia Quilumbango, Direktor Carlos Zorrilla und Projektleiter Armando Almeida

Unsere Partner

Seit 2004 arbeitet „GEO schützt den Regenwald e.V.“ vor Ort mit der ecuadorianischen Umweltschutzorganisation Defensa y Conservación Ecológica de Intag, kurz: DECOIN, zusammen. Die 1995 gegründete Organisation setzt sich für den Schutz der Bergregenwälder und die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung der Region ein. DECOIN konnte bereits die Erschließung von Bergbauflächen im Intag verhindern und zahlreiche Waldgebiete vor der Zersiedelung bewahren. Die Gemeinden beteiligen sich aktiv an jeder Projektphase. So entscheiden die Intag-Bewohner über alle Aktivitäten selbst, verwalten Schutzgebiete eigenverantwortlich und profitieren am wirtschaftlichen Erfolg der Maßnahmen in Landwirtschaft, Gewerbe und Tourismus.
Das Projekt wurde unterstützt durch Baumpflanzungsaktionen von der Verlagsgruppe GEO und GEO-Redakteuren sowie der Kinderarztpraxis Dr. Hans Ibel in Werneck.


Letzte Aktualisierung: August 2013



Die Broschüre „Anleitung zur Wiederaufforstung“ (auf Spanisch)


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Kommentare zu "Aufforstung des Wassereinzugsgebietes von El Paraíso, Intag, Ecuador"

GEO | 11.10.2013 11:34

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Eva Danulat | 10.02.2010 12:59


Danke für das Feedback! Wir werden die Informationen in Kürze aktualisieren. Das Projekt entwickelt sich weiterhin sehr erfolgreich.
Eva Danulat Beitrag melden!

Fromm, Ekkehard | 22.12.2009 12:25

Danke für den interessanten und detaillierten Artikel. Er zeigt, wie wichtig das übergreifende Denken und Handeln vor Ort ist. Die konkrete Einbeziehung der betroffenen Menschen und das praktische Aufzeigen der Vorteile für sie. Davon profitiert dann am Ende auch die Fauna und Flora. Es ist schön zu sehen, dass hier etwas bewegt wird. Es sollte viel mehr solcher und ähnlicher Maßnahmen geben. Beitrag melden!

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