Wie kommt man in Irland auf die Idee, Elefanten-Polo zu spielen?
Diese Sportart hat in Irland eine lange Tradition, die wir seit Tausenden von Jahren pflegen.
Sie machen Witze...
Ja, natürlich! Im Ernst: Als Sportreporter berichte ich hauptsächlich über Rugby, Fußball und Gaelic Football. Mit der Zeit hat es mich zunehmend frustriert, dass der Mainstream-Sport viel zu ernst genommen wird. Das hat nichts mehr mit dem wahren Gedanken des Sports zu tun, nämlich: Spaß zu haben. Also habe ich angefangen, nach alternativen Sportarten zu recherchieren, und im Zuge dessen auch etwas über Elefanten-Polo gelesen. Das wurde von zwei Männern in einer Bar erfunden. Und ich mag Geschichten, die in Bars beginnen.
War es schwer, eine Mannschaft zusammenzustellen?
Überraschenderweise sehr leicht. Mein Bruder Warren und meine Freunde waren sofort dabei: Wir haben die erste irische Elefanten-Polo-Mannschaft gestellt, mit mir als Kapitän.
Wir unternehmen immer wieder etwas verrückte Sachen, haben in der Vergangenheit zum Beispiel auch schon als irische Boy-Band eine Single in Polen aufgenommen. Schwieriger war es, gemeinsam zu trainieren, weil wir alle an verschiedenen Orten wohnen.
Wie und wo haben Sie denn geübt? Im Zoo?
Die Zoos habe ich natürlich kontaktiert, allerdings existieren nur zwei in Irland: in Dublin und in Belfast. Leider wurde damals ungefähr die Hälfte der irischen Elefanten-Population - Judy und Kirsty - nach Neunkirchen in Deutschland gebracht. Also ging ich zum Zirkus, aber dort ließ man mich auf dem Elefanten gerade mal sitzen.
Was haben Sie dann gemacht?
Ich beschloss, mit Elefanten-Ersatz zu arbeiten: Landrovern. Wir saßen auf den Wagen und haben mit verlängerten Poloschlägern gespielt. Trainieren konnten wir allerdings nur einen Tag lang, Landrover sind nicht gut für ein Polofeld. Mit Elefanten haben wir dann zum ersten Mal in Nepal bei der Weltmeisterschaft 2005 gespielt – und erstaunlicherweise gleich unser erstes Match gewonnen. Der Kommentator bezeichnete es allerdings als das schlechteste Spiel in der Geschichte des Elefanten-Polos.
Den Titel "Weltmeister" hatten Sie sich dennoch sehnlich gewünscht, oder?
Ja, denn bis dahin bin ich nie ein Champion gewesen, nie der Weltbeste. Dann stellte ich aber fest, dass es unzählige abseitige "Sportarten" gibt, und sagte mir: Wenn du es in einem Jahr nicht schaffst, in irgendetwas Weltmeister zu werden, dann gibst du auf.
Was haben Sie alles probiert?
Austern und Brennnesseln essen, Schlamm-Fußball, Saunasitzen, Moorschnorcheln. Außerdem habe ich in Schottland an den "Stone Skimming Championships" teilgenommen, also Steine übers Wasser hüpfen lassen. Für die Stein-Schere-Papier-Weltmeisterschaft bin ich eigens nach Toronto geflogen. Ich war besessen. Schließlich wurde ich im Wettbewerb um den weltgrößten Lügner sogar Zweiter. Ich war meinem Ziel nahe, aber nicht nahe genug. Dann kam das Elefanten-Polo: Es war die letzte Meisterschaft in jenem Jahr.
Das Interview führte Barbara Lich.