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Psychologie Warum ist Nachdenken so ermüdend?

Nach einem anstrengenden Tag im Büro fühlt man sich oft ähnlich ausgelaugt wie nach körperlicher Arbeit
Nach einem anstrengenden Tag im Büro fühlt man sich oft ähnlich ausgelaugt wie nach körperlicher Arbeit
© Timeimage / Adobe Stock
Ein Forschungsteam aus Frankreich hat sich mit den Zusammenhängen von mentaler und körperlicher Erschöpfung beschäftigt. Warum ist es so ermüdend, viel nachzudenken?

Es verändert den Hirnstoffwechsel, so die Erkenntnis eines Forschungsteams des Paris Brain Institute. Nach einem anstrengenden Tag im Büro fühlt man sich oft ähnlich ausgelaugt wie nach körperlicher Arbeit. Lange stand die Frage im Raum, ob wir uns das nur einbilden. Die Forschenden in Paris fanden nun heraus, dass es tatsächlich eine körperliche Ursache für die mentale Erschöpfung gibt. 

Die Ansammlung von Glutamat erschwert den Informationsaustausch zwischen Nervenzellen

Für sein Experiment ließ das Team Probanden stundenlang geistig anstrengende Aufgaben lösen und untersuchte sie dabei von Zeit zu Zeit per Magnetresonanzspektroskopie. Dabei stellten die Forschenden fest, dass sich bei intensivem Denken der körpereigene Neurotransmitter Glutamat in einer bestimmten Hirnregion ansammelt, dem präfrontalen Kortex.

Glutamat erfüllt im Gehirn wichtige Funktionen. Steigt seine Konzentration aber zu stark an, dann erschwert der Stoff den Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen. Der präfrontale Kortex ist ein für komplexe Problemlösungen wichtiges Gebiet des Gehirns – können die Neuronen dort aufgrund des überhöhten Glutamatspiegels nicht mehr so gut aktiviert werden, wirkt sich das auf die Entscheidungsfähigkeit der Erschöpften aus. Wichtige Entscheidungen sollten nach starker geistiger Beanspruchung daher womöglich vertagt werden.

Der in der Studie beschriebene Ermüdungseffekt lässt sich nicht verhindern. Aber mit etwas Ruhe und Schlaf, so die Forschenden, baut sich das Glutamat im Gehirn wieder ab, und die geistige Leistungsfähigkeit kehrt zurück.

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