Psychologie Ängste bei Kindern: Worauf Eltern achten sollten

Im Laufe unseres Lebens entwickeln wir hin und wieder Ängste. Das ist völlig normal - schon die Kleinsten tun dies. Wenn Kinder jedoch übersteigerte Ängste entwickeln, sollten Eltern aufhorchen. Dann können Anzeichen für eine Angststörung vorliegen
Mädchen schaut ernst in die Kamera

Kinder mit chronischen Erkrankungen haben ein deutlich höheres Risiko, eine psychische Erkrankung zu erleiden

Der Besuch beim Zahnarzt, der Gang in den dunklen Keller oder die große Dogge der Nachbarn - im Alltag werden schon die Kleinsten immer wieder mit Situationen konfrontiert, die ihnen Angst einjagen. Das Herz schlägt schneller und die Hände werden schwitzig - alles völlig normale Reaktionen auf mögliche Gefahrensituationen.

Meist tritt die Furcht nur vorübergehend auf und geschieht auch nicht allzu oft, manche Ängste vor bestimmten Dingen verschwinden sogar im Laufe des Lebens mit zunehmendem Alter ganz.

Bei manchen Kindern wird die Angst jedoch übermächtig, das Gefühl wird zu einem ständigen Begleiter und wird deutlich intensiver wahrgenommen als bei anderen Gleichaltrigen. Wird diese Angst vor bestimmten Situationen oder Dingen extrem groß, so sollten Eltern das ernst nehmen.

Tatsächlich können extreme Angstreaktionen auch Anzeichen für eine psychische Erkrankung sein, warnt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). "Wiederholte Episoden plötzlicher, unerwarteter, intensiver Angst, die mit Symptomen wie Herzklopfen, Atembeschwerden, Schwindel oder Schweißausbrüchen einhergehen, können auf eine Panikstörung hindeuten", sagt Dr. Kahl, Mitglied des Expertengremiums beim BVKJ. Eltern sollten das untersuchen lassen.

Für gesunde Menschen ist krankhafte Angst oft nur schwer vorstellbar. Manche Experten vergleichen daher das psychische Leiden mit einer anderen, körperlichen Erkrankung: Diabetes. Wie die bekannte Zuckerkrankheit führt auch übersteigertes Angstgefühl selten unmittelbar zum Tod. Trotzdem kann die Krankheit das Wohlbefinden im Alltag ebenso stark einschränken.

Wie Diabetiker ihren Blutzucker stets genau im Blick behalten müssen, so müssen auch Menschen mit einer Angststörung ständig aufpassen, nicht in Situationen geraten, die sie überfordern. Lässt die eigene Wachsamkeit auch nur einmal kurz nach, kann die Krankheit sie unkontrollierbar überwältigen.

Dieses ständige Angstgefühl und die permanente Anspannung stellen für Erwachsene ebenso wie für Kinder eine enorme Belastung dar. Meist sind Erwachsene jedoch eher dazu in der Lage, ihre Angst einzuordnen und zu merken, dass die Furcht über das normale Maß hinausgeht.

Von einer Angststörung betroffene Kinder sind meist alleine nicht in der Lage, die übersteigerte Furcht ins Verhältnis setzen zu können. Daher ist es enorm wichtig, dass Eltern hier eingreifen.

Kinder mit angeborenem Herzfehler sind besonders gefährdet

Generell könnten außerdem chronische Erkrankungen die Psyche belasten - auch bei Kindern, warnt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. So veröffentlichten amerikanische Forscher kürzlich eine Studie, wonach Heranwachsende mit angeborenen Herzfehlern im Vergleich zu Gleichaltrigen ein besonders hohes Risiko haben, eine psychische Erkrankung zu erleiden.

So sei das Risiko für Kinder, teils schon im Grundschulalter, deutlich höher, an einer Angststörung, einer Depression oder einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) zu erkranken. Für Vier- bis Neunjährige mit einfachen angeborenen Herzerkrankungen war das Risiko für eine Angststörung oder eine Depression fünfmal höher als bei Gleichaltrigen und für Kinder dieser Altersgruppe mit einer komplexen angeborenen Herzerkrankung war das Risiko sogar etwa siebenmal höher.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Pediatrics, die von der American Academy of Pediatrics herausgegeben wird.

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"Dies unterstreicht, dass neben den regelmäßigen körperlichen Untersuchungen auch die psychische Gesundheit dieser Kinder nicht aus den Augen verloren werden darf. Chronische Erkrankungen können die Psyche belasten. Eltern sollten auf Verhaltensänderungen bei ihren Kindern achten", rät Dr. Hermann Josef Kahl, Kinder- und Jugendarzt sowie Kinderkardiologe.

Depressive Anzeichen können sein, wenn Kinder plötzlich kein Interesse an Dingen haben, an denen sie früher Spaß hatten, wenn sie die meiste Zeit traurig oder hoffnungslos wirken, geänderte Ess- und Schlafgewohnheiten haben und Schwierigkeiten zeigen, sich auf etwas zu konzentrieren.

Um das eigene Kind gar nicht erst in eine Angst- oder Panikstörung verfallen zu lassen, raten Ärzte deswegen Eltern, ihren Nachwuchs aufmerksam zu beobachten und vorbeugend auf eine gesunde Psyche einzuwirken - dem Kind den Stressabbau so gut es geht zu ermöglichen und immer ein offenes Ohr für Probleme zu haben.

mit dpa