Impfen Fünf verbreitete Mythen über Masern und die Masern-Impfung

Sie dachten, die Masern wären besiegt? Sie glauben, die Masern-Impfung ist schädlich? Wir räumen mit fünf der populärsten Mythen über die Krankheit und die Impfung auf
Masernimpfung

Die Masern gehören zu den Infektionskrankheiten, für die eine frühzeitige Impfung empfohlen wird

In diesem Artikel
1. Die Masern sind in Europa besiegt.
2. Für Kinder ist es wichtig, Krankheiten wie Masern durchzumachen, das schützt vor zukünftigen Erkrankungen besser als eine Impfung.
3. Die Impfung richtet mehr Schaden an als sie vermeiden hilft.
4. Die Impfstoffe enthalten giftige Chemikalien.
5. Impfungen können für plötzliche Kindstode verantwortlich sein

1. Die Masern sind in Europa besiegt.

Das Gegenteil ist richtig: Seit einigen Jahren häufen sich wieder Fälle von Masern, teilt die Weltgesundheitsorganisation WHO mit. Nach aktuellen Zahlen haben sich 2017 in Europa 21.000 Menschen mit dem Virus infiziert. Das sind rund vier Mal so viele wie im Vorjahr. 35 Menschen starben an der Infektion, die hochgradig ansteckend ist. Die WHO macht für den sprunghaften Anstieg eine geringere Impfquote verantwortlich. Mancherorts fehlen einfach die Impfstoffen. Doch manche Eltern stehen der Impfung ihrer Babys und Kleinkinder skeptisch gegenüber. Die verbreitetsten Mythen der Impf-Gegner:

2. Für Kinder ist es wichtig, Krankheiten wie Masern durchzumachen, das schützt vor zukünftigen Erkrankungen besser als eine Impfung.

Tatsächlich ist der Schutz des Immunsystems bei manchen Infektionskrankheiten im Vergleich zu einer Impfung stärker und länger anhaltend, wenn die Krankheit durchlaufen wurde. Das lässt sich aber nicht verallgemeinern. Eine Infektion mit dem Masern-Virus kann sogar – ganz im Gegenteil – zu einer Jahre andauernden Schwächung des Immunsystems führen. Auch die Sorge, dass sich geimpfte Kinder körperlich und geistig schlechter entwickeln als ungeimpfte, ist wissenschaftlich nicht begründbar.

3. Die Impfung richtet mehr Schaden an als sie vermeiden hilft.

Zwar kann es nach der Impfung zu einer Rötung der Einstichstelle kommen, auch allgemeine, schwache Krankheitssymptome wie Abgeschlagenheit oder erhöhte Temperatur können auftreten. Das sind aber allesamt Anzeichen, dass das Immunsystem tut, was es soll: nämlich Antikörper entwickeln. Das Risiko, dass es bei einer Grundimmunisierung von Kindern zu schweren Nebenwirkungen kommt, ist vielfach geringer als das Risiko von gefährlichen Komplikationen im realen Krankheitsverlauf. Statistisch gesehen, ist die gefürchtete Gehirnentzündung bei einer Masern-Erkrankung etwa tausend Mal wahrscheinlicher als bei einer Impfung.

4. Die Impfstoffe enthalten giftige Chemikalien.

In der Tat können Impfstoffe Substanzen enthalten, die wir unserem Körper nicht gerne zumuten. Darunter Formaldehyd, Aluminium, Phenol oder Quecksilber. Doch dass sie enthalten sind, hat einen guten Grund, denn sie verstärken die Antwort des Immunsystems (Aluminiumhydroxid), töten Impfviren ab (Formaldehyd) oder machen den Impfstoff haltbar (Phenol). Und das in Konzentrationen weit unterhalb toxikologischer Grenzwerte. Das gilt auch für quecksilberhaltige Zusätze. Die standen bei Impf-Skeptikern sogar im Verdacht, Autismus auslösen zu können. Unabhängige Behörden wie die WHO und die Europäische Arzneimittelbehörde EMA sind aber zu dem Schluss gekommen, dass ein solcher Zusammenhang nicht existiert. Trotzdem sind mittlerweile für alle allgemein empfohlenen Schutzimpfungen Impfstoffe ohne Quecksilber verfügbar.

5. Impfungen können für plötzliche Kindstode verantwortlich sein

Die Sorge ist unberechtigt. Einen belegbaren, statistisch relevanten Zusammenhang gibt es nicht. Bei Hunderttausenden geimpften Babys und Kleinkindern in Deutschland ist es dagegen wohl eher ein Zufall, dass es zu solchen tragischen Todesfällen in einem zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung kommt. Tatsächlich könnte sogar das Gegenteil richtig sein. Hinweise darauf ergaben sich aus einer Analyse von 300 Fällen von plötzlichem Kindstod an der Universität Magdeburg. Die betroffenen Babys waren nämlich seltener und später geimpft worden als üblich.

Als im Jahr 2017 eine Frau in Essen an Masern starb, kommentiert stern-Wissenschaftsexperte Christoph Koch den Fall - und erklärte im Video, warum die Legenden von Impfgegnern so gefährlich sind: