Herbstausflug Wanderung durch den Kellerwald

Eichhörnchen, Heidschnucken und Co. sind nicht die einzigen Naturschätze im Kellerwald. Ranger Markus erklärt unter anderem, was an Buchen so besonders ist, und wieso dieser Wald ein wahrer Schatz ist
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Mit dem Ranger unterwegs
Infos zum Kellerwald
Wanderung durch den Kellerwald

"Der Nationalpark Kellerwald ist an vielen Stellen ein richtiger Urwald," sagt Ranger Markus Daume

Mit dem Ranger unterwegs

Mit 120 Jahren fängt das Leben erst richtig an. Wenn die Runzeln tiefer werden, die Beweglichkeit nachlässt und es innen an der einen oder anderen Stelle knirscht – dann wird die Buche attraktiv. Zum Beispiel für den Schwarzspecht. "Der Vogel braucht weiches, altes Holz, um seine Höhle zu bauen", sagt Markus Daume, der Ranger, der mich durch den Kellerwald führt. "In bewirtschafteten Forsten findet er das nicht, denn Buchen werden mit spätestens 120 geerntet."

Deshalb lassen sich dort seltene Baumpersönlichkeiten wie das Prachtexemplar sehen, vor dem ich gerade stehe: Äste, dick wie Kirchensäulen, eine Blätterkuppel vom Himmel bis zur Erde. Wir schauen staunend nach oben. "Diese Buche ist etwa 200 Jahre alt", sagt Daume. "Noch einmal hundert kann sie locker schaffen." Denn der Baum hat Glück: Er wächst im hessischen Nationalpark Kellerwald-Edersee. Hier hat die Natur das Sagen und nicht die Waldwirtschaft.

Heute sind sie seltener, aber seit der Bronzezeit war das Land zwischen Ostsee und Alpen fast vollständig mit Buchen bedeckt. Doch dann brauchte die wachsende Bevölkerung im Mittelalter Holz und Platz für Felder. Fast das ganze Buchenreich fiel, neu gepflanzt wurden schneller wachsende Arten wie Fichten. Der Keller-Buchenwald aber blieb zum Großteil stehen, weil seine Besitzer, die Fürsten zu Waldeck und Pyrmont, ihn zur Jagd nutzten.

"Wir haben hier an vielen Stellen noch richtigen Urwald", sagt Daume und zeigt auf den Hang, der steil zu unserer Rechten abfällt. "Dieses Stück Natur wurde nie vom Menschen verändert." Hohe, schlanke Buchen wiegen sich leicht im Wind, genau wie vor 4000 Jahren. Ein Eichhörnchen flitzt einen Stamm hoch, durch die Kronen schimmert eine goldene Sonne. 2011 wurde der Kellerwald gemeinsam mit anderen alten Buchenwäldern in Deutschland sowie in den Karpaten der Ukraine und der Slowakei zum Unesco-Weltnaturerbe erklärt.

Warum aber setzte sich in Mitteleuropa ausgerechnet die Buche durch? Und nicht die Eiche? Daume zeigt auf einen hüfthohen Sprössling am Wegrand: "Fällt Ihnen etwas auf?" Ein kleiner Baum im Schatten. "Genau. Die Buche kann als einziger Laubbaum im Schatten der Großen wachsen." Und dadurch frühzeitig alle Plätze für sich buchen. Ist sie dann groß, schirmt die "Mutter des Waldes" die Sonne ab, so dass nur Artgenossen nachkommen. So übernimmt man die Macht im Wald.

Unser Wanderweg führt entspannt am Hang entlang. Zur Rechten schimmert durch die Blätter tief unten immer wieder der Edersee, der von der Edertalsperre aufgestaut wird und die nördliche Grenze des Nationalparks bildet. Nach dem Sommer ist er an seinen flachen Stellen leer, und wir können ihn durchlaufen. Zur Linken nur Wildnis: Auf fast zehn Kilometern Luftlinie gibt es keine Siedlung, keine Straße. Wer da durch will, nimmt trotz markierter Wege besser ein GPS mit. Jedes Jahr müssen die Ranger nämlich verirrte Wanderer retten.

Plötzlich versperrt uns eine dicke, umgestürzte Buche den Weg. "Die wird nicht weggeräumt", erklärt Daume. "Tote Bäume und faules Holz sind ein wichtiger Lebensraum für Kleintiere." Käfer, Würmer, Spinnen, sie alle leben von der Baumleiche, helfen bei der Zersetzung und dienen dann anderen Tieren als Nahrung.

"In hundert Jahren wächst auf dem Humus von diesem Stamm dann wieder ein kleiner Baum." Der Mensch wird nicht gebraucht, tut einfach mal gar nichts – außer Genießen. Eine kleine Ausnahme macht der Nationalpark aber: Eine Herde weißer, grauer und brauner Schafe grast auf einer Hügelkuppe. Ein Mann mit Hut auf wildem Haar winkt herüber. Der Biologe und Schäfer Georg Schutte beweidet mit seinen Heidschnucken gezielt Flächen rund um den Edersee. Viele seltene Pflanzen brauchen genau solche Wiesen. ­Gerade ­hat er ­hier zum­ ersten­ Mal­ wieder­ die rosa­­ Heidenelke ­entdeckt.­

Die­ Schafe­ helfen­ nicht­ nur­ den­ Blumen­ und­ sehen­ schnuckelig­ aus ­–­ sie­ sind­ auch­ eine­ Delikatesse. Auf­ dem­ Rückweg sehen wir, wie­ sich­ ein­ stiller­ kleiner­ Pfad­ den­ Hang­ hinab­ in­ Richtung­ Waldrand schlängelt. "Bevor der Nationalpark eingerichtet wurd, sind auf diesem Weg noch Lastwagen gedonnert"– erzählt Ranger Markus Daume. Jetzt wuchert links und rechts dichtes Gestrüp. Aber das eine oder andere Bäumchen reckt schon die ersten Äste: Der Buchenwald hat sich wieder neue Plätze gesichert.

Infos zum Kellerwald

WANDERN

Geführte Touren Eine­­ Wanderung­ mit ­einem­ Ranger­ ist­ ein ­guter Einstieg. ­Besonders­ zu ­empfehlen ­ist­ eine­ Morgentau-Tour:­ Um ­fünf ­Uhr­ früh­ geht­ es ­mit ­dem­ Schiff­ durch­ den­ Nebel­ über den stillen Edersee, dann zu Fuß durch den Nationalpark, anschließend wird gefrühstückt.

Termine unter Tel. 05621-75 24 90, frühzeitig buchen, 29,50 € p. Pers.,

www.nationalpark-kellerwald-edersee.de

Urwaldsteig

Führt über 68 Kilometer einmal um den Edersee. Besonders schöne Aussichten hat eine 13 Kilomerter lange Wanderung, die in Bringhausen startet. www.urwaldsteig-edersee.de.

Wer­ nicht­ denselben­ Weg­­ zurückgehen möchte,­ steigt­ in Asel-Süd aufs Schiff­.

www.personenschifffahrt-edersee.de

Hochspeicherbecken

Mit­ der­ Standseilbahn ­bei Hemfurth auf den Peterskopf. Dort beginnen verschiedene Rundwege, u.a. durch wilde Obstwiesen. Zum Teil unübersichtlich,­ GPS­ mitn­ehmen!­ Einkehr­ am Speicherbecken. www.edersee.com/eon.html

Knorreichenstieg

Bizarr­ geformte ­Eichen ­bei­ Scheid (Buchen ­ist ­es ­am Südhang zu­ warm), ­schöner­ Ausblick ­auf­ den ­Edersee­ und­ den­ gegenüberliegenden­ Nationalpark.

Waldeck

Hier ­beginnt­ eine­ gemütliche­ Wanderung ­zur­ Edertalsperre, ­zurück­ mit­ dem­ Schiff­ und ­der­ Waldecker­ Bergbahn.­ Mein­ Tipp:­ Auf­ Schloss­ Waldeck­ hessischen­ Schmandkuchen­essen

Genusswandeln

Mit dem Schäfer Georg Schütte.­­ Anmeldung bei ihm direkt, Tel. 06455-75 55 17; ca. 4 Stunden; 15 € p. Pers.­ Oder auf­ eigene ­Faust:­ Die­ Heidschnucken ­grasen ­an ­mehreren­ Standorten ­im­ Nationalpark.­

Tree to Top Walk

Baumkronenweg­ mit­ spektakulärem­ Blick­ auf ­den ­Stausee. ­Im ­Sommer­ zu ­bestimmten­ Terminen­­ Dinner­ auf­ der­ Aussichtsplattform.­ Hemfurth, Brühlfeld 3, Tel. 05623-973 79 77, www.baumkronenweg.de

SCHLAFEN

Jugendherberge Hohe Fahrt Mehrbettzimmer im Haupthaus und Blockhütten direkt am Edersee.

Vöhl-Asel, Hohe Fahrt 1, .
Tel. 05635-251, Ü/F ab 24 € p. Pers, www.djh-hessen.de

Hotel Seeschlösschen

Zimmer­ mit­ Balkon­ und ­teils­ Seeblick,­ Ferienwohnungen,­ Sauna,­ Schwimmbad.­

Waldeck, Kirschbaumweg 4, Tel. 05623-51 13, DZ/F ab 94 €, www.seeschloesschen.info

Hotel Schloss Waldeck

Mittelalterliche ­Burg­ mit­­ Design-Interieur,­ Restaurant,­ Café­ und­ spektakulärem Panorama-Blick. Waldeck, Tel. 05623-
58 90, DZ/F ab 118 €, www.schloss-hotel-waldeck.de

INFOS

Buchenhaus

Hier ­gibt ­es­­ Basisinformationen­ zum­ Nationalpark.­

Edertal-Hemfurth, Am Bericher Holz 1, Tel. 05623-97 30 30, www.buchenhaus.eu

Edersee Touristic

Auskünfte zur Urlaubsregion: Edertal-Affoldern, Hemfurther Str. 14,

Tel. 05623-9 99 80, www.erlebnisregion-edersee.de

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