Inselparadies Warum es sich lohnt, jetzt Elba zu entdecken

Verschlafene Bergdörfer, lebendige Küstenstädtchen, schroffe Felsen, sanfte Buchten – und Traumstrände: Erkundungen vor der Südküste der Toskana
Marciana Marina,  Elba

Malerisch: Der Hafen von Marciana auf Elba

In diesem Artikel
Ankommen auf Elba
Im Osten von Elba
In den Bergen
Tipps für die Westküste Elbas
Der Nordwesten der Insel

Ankommen auf Elba

Die Fähre braucht nur eine Stunde von Piombino bis nach Portoferraio, und fast fühlt es sich an, als hätte ich auch hinüberschwimmen können. Trotz der Kürze erzeugt die Überfahrt (www.mobylines.de, www.toremar.it) schönste Inselvorfreude: auf Abstand gehen, loslassen, abschalten! Wenigstens für ein paar Tage.

Ich quartiere mich nahe Portoferraio ein – zwischen Antiquitäten, Reisesouvenirs und moderner Kunst – im charmanten LE STANZE DEL CASALE (DZ/F ab 140 €). Dann im späten Nachmittagslicht eine erste Orientierungsfahrt in Richtung CIMA DEL MONTE, dem mit 516 Metern höchsten Gipfel der östlichen Inselhälfte. Vom Parkplatz steige ich zehn Minuten zu einem Bergkamm hoch.

Die Badeinsel stellt sich als überraschend gebirgig heraus. Wie ein dicker Wal, der nach Korsika will, schwimmt sie vor der toskanischen Küste. Ich stehe im Osten, auf der Schwanzflosse, und schaue nach Westen, wo der mächtige Kopf fast doppelt so hoch aus dem glitzernden Sonnenuntergangsmeer herausragt. Dazwischen liegen weit geschwungene Buchten und Ebenen in fruchtbarem Grün.

Im Osten von Elba

Ein erstes Bad im Meer. SPIAGGIA REALE heißt der hübsche, kleine Kiesstrand nördlich von PORTO AZZURRO, dem pastellfarbenen Bilderbuchhafenstädtchen mit der blank geputzten Piazza. Das Wasser oszilliert zwischen Petrolgrün und Tiefblau; der Blick geht übers Mittelmeer auf die tannengrünen Hügelketten der Maremma in der südlichen Toskana, und die Tischchen der kleinen Strandbar IRREALE sind passend dazu in Mintgrün gestrichen. Ich bestelle gegrillte Sardinen a beccafico, also mit Rosinen, Kapern und Zwiebeln, und finde es ungerecht, dass Elbas Ostküste in der Literatur immer als Aschenputtel rüberkommt.

Obwohl sie wirklich eher eine interessante als eine glatte Schönheit ist: Sie fällt meist felsig und schroff zum Wasser ab, und immer mal wieder ragt ein rostiges Förderband oder ein halb verfallener Lagerschuppen ins Bild, denn bis in die 1980er-Jahre wurde hier Eisenerz abgebaut. Wie genau, erfährt man bei einer Führung im ehemaligen Bergwerk MINIERA DI CALAMITA.

Heute profitieren die Winzer vom mineralischen Boden, etwa Aldo Claris Appiani, der zwischen Korkeichenwäldern Ansonica anbaut, einen würzigen Weißen, und den elbanischen Charakterwein Aleatico, einen hocharomatischen Passito von der Farbe frischen Kirschsafts. Den Aleatico probiere ich später zusammen mit reifem Pecorino auf der Terrasse von Claris Appianis Agriturismo LE SUGHERE: Das Landgut mit den rustikalen Zimmern liegt hoch am Hang zwischen Natursteinmäuerchen und haushohen Jasminhecken (Rio Marina, DZ/F ab 60 €).

Fetovaia, Elba

Einladend: Der Strand von Fetovaia auf Elba

In den Bergen

Tagsüber, wenn alle am Strand sind, schlummern im aussichtsreichen Bergstädtchen CAPOLIVERI die krummen Gassen, bröckelnden Winkel und lustig geformten Piazze still vor sich hin. Erst am späten Nachmittag erwachen sie zum Leben, wenn die Badegäste frisch geduscht zum Geschäftegucken, Aperitiftrinken und Abendessen einlaufen. Capoliveri hat kaum Hotels, aber jede Menge Läden.

Ich fange an im Outlet der elbischen Architektin und Designerin Simona Giovannetti, die unter dem Label DAMPAÌ nicht nur schicke Taschen aus Gummi, Silikon und Plastik entwirft, sondern auch Armbänder und Schuhe (Via Arnaldo da Brescia). Danach gönne ich mir ein Glas kalten Vermentino in der Bar CACCIUCCO BLUES, wo bunte Tische und Stühle unter einem enormen, lilafarbenen Bougainvillea-Dach stehen (Via Cavour). Die einfache Trattoria LO SGARBO serviert ebenso einfache, aber köstliche Spaghetti alle vongole (Via Silvio Pellico).

Tipps für die Westküste Elbas

Duftende Pinien wachsen bis zum türkisblauen Wasser hinunter, der Sand leuchtet hell, die Liegestühle im Strandbad Barbatoja stehen unter Fransenschirmen, ganz als wären wir in der Karibik: Der Strand von FETOVAIA ist für mich der schönste der Insel.

Überhaupt ist Elbas Westend eine echte Entdeckung. So steil wachsen die Berge hier in den Himmel, dass für größere Siedlungen, Hotelanlagen, Campingplätze, wie sie den Mittelteil der Insel ausmachen, kein Platz ist. Dafür windet sich das Küstensträßchen so spektakulär über dem Meer dahin, dass ich es am liebsten pausenlos auf und abfahren würde.

Das Meer breitet sich wie nachtblaue Seide bis nach Korsika aus, das sich in der Ferne in mehreren Gebirgsketten hoch aufschwingt. Angesichts des Panoramas machen sich die Dörfer ganz klein: CHIESSI hat ein Kirchlein, Gärtchen mit windschiefen Kaktusfeigen und einen Kies- und Felsstrand, auf dem sich kultivierte Badegäste mit Büchern und Strohhüten niedergelassen haben.

CAPO SANT’ANDREA besteht aus einem Schlängelsträßchen, das sich durch dschungelartige Vegetation, vorbei an Riesenoleandern und quakenden Fröschen, bis zum Ministrand COTONCELLO hinunterringelt.

Ich übernachte mittendrin im BOUTIQUEHOTEL ILIO (Capo Sant’Andrea, DZ/F ab 70 €). Und lasse mir abends in COLLE D’ORANO, auf der Terrasse des BASTIA’S, zur Muschelsuppe den schönsten Sunset-Blick nach Korsika auftischen. Zum Nachtisch pflückt mir der Kellner ein paar Aprikosen vom Baum (Colle d’Orano).

Der Nordwesten der Insel

Marciana gibt es zweimal: Einmal als Bergnest Marciana Alta, das mir fast zu perfekt restauriert erscheint. An den Türschildern finden sich viele ausländische Namen: Ferienhausbesitzer, die die Stille und den weiten Blick übers Meer schätzen. Und dann als Küstenstädtchen MARCIANA MARINA, 400 Meter tiefer gelegen.

Marciana Marina wird mein Lieblingsort auf Elba, denn es hat einfach alles: ein pittoresk den Hang hinaufkletterndes historisches Zentrum mit in Bonbonfarben getünchten Häusern, einen hübschen Hafen mit glasklarem Wasser, einen Stadtstrand, an dem sich einheimische Familien sonnen und abends die ragazzi beim Eis auf Tretbooten hocken.

Segler und Jachtbesitzer promenieren am Ufer entlang, gucken in die kleinen Boutiquen wie die von MARTINA TAGLIAFERRO, einer jungen Florentinerin, die nach Elba gezogen ist und selbst designte Sandalen und Sommerkleider verkauft (Viale Principe Amedeo). Und schlendern dann über die flusssteingepflasterte Piazza zielstrebig zum AFFRICHELLA, dem Restaurant, das den Inselcharakter Elbas auf seine Weise feiert – mit  Taschenkrebs- Ravioli und Zackenbarsch mit Venusmuschelcreme (Marciana Marina, Via Santa Chiara).

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