GEO schützt den Regenwald e.V.

Äthiopien Nachhaltige Entwicklung am Rand des Bale Mountains Nationalparks

Dieses Projekt mit der Karl Kübel Stiftung verbessert die Lebensumstände der Bevölkerung und mindert den Druck auf die Waldressourcen

Über die Region

Äthiopien, das "Dach Afrikas", hat eine Fläche von mehr als 1,1 Millionen Quadratkilometern und besteht größtenteils aus einem Hochland. Im Mittel liegt  Äthiopien auf 1330 Meter ü.d.M.. Die Projektregion im Distrikt Adaba liegt 250 Kilometer südlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Der höchste Teil der Bergregion gehört zum 1969 gegründeten Bale Mountains Nationalpark, in dem eine Vielzahl endemischer Tiere und Pflanzen beheimatet ist. Als Wassereinzugsgebiet versorgen die Bale Berge rund zwölf Millionen Menschen.

Nachhaltige Entwicklung am Rand des Bale Mountains Nationalparks

Das Projektgebiet (braun) südlich der äthiopischen Hauptstadt im Distrikt Adaba (blaue Umrandung) liegt zum Großteil im Bale Mountains Nationalpark (rote Umrandung)

Den nördlichen Teil des Bale Mountains Nationalparks prägen Gras- und Waldgebiete, insbesondere Wachholderwälder; er reicht bis zum Sanetti Plateau, eine alpine Landschaft, die durch eine niedrige Vegetation geprägt wird, unter der sich aber auch bis zu sechs Meter hohe  „Schopfbäume“ (Gattung Lobelia) mischen. Umgeben wird das Plateau durch ein Moor- und Waldgebiet, den Erika-Wald; die namengebenden Erika-Bäume erreichen bis zu fünf Meter Höhe. Im sich anschließenden südlichen Teil des Nationalparks befindet sich der Harenna-Wald, einer der letzten Urwälder des Landes und der einzige Nebelwald, in dem nicht nur wilde Arabica-Kaffee-Pflanzen, sondern auch Pinien, Feigen und Bergbambus wachsen.

Nachhaltige Entwicklung am Rand des Bale Mountains Nationalparks

Hintergrund des Projekts

Waldrodung und -übernutzung sowie Überweidung gehören zu den wichtigsten Umweltproblemen Äthiopiens. In Zeiten des Klimawandels ziehen ausbleibende oder verzögerte Regenfälle sowie fortschreitende Entwaldung und Bodenerosion, Dürre-perioden und Hungersnöte nach sich. Landwirtschaftliche Aktivitäten dominieren in Äthiopien – mehr als 80 Prozent der 105 Millionen Bewohner leben in ländlichen Gebieten.  Im vergangenen Jahrzehnt ist die Kinder- und Müttersterblichkeit stark zurückgegangen; deutlich langsamer nimmt die Fruchtbarkeitsrate ab. Das starke Bevölkerungswachstum von 2,9 Prozent pro Jahr belastet auch die Umwelt.

Die vier Projektgemeinden des Adaba Distrikts im Randgebiet – teilweise sogar direkt im – Bale Mountains Nationalpark zählen 3.600 Haushalte. Die Bewohner sind Acker- und Viehbauern. Direkte Zielgruppe für für die meisten Projektaktivitäten sind 1.560 verarmte kleinbäuerliche Haushalte, rund 12.400 Personen; von ausgewählten Maßnahmen wird allerdings die Gesamtheit der 3.600 ansässigen Familien profitieren. Die größte Gemeinde, Wege Harenna, liegt im Harenna-Wald und reicht über den Erika-Wald bis in die alpine Zone.

Nachhaltige Entwicklung am Rand des Bale Mountains Nationalparks

Der Bergnyala, eine Antilopenart, kommt nur in einem 150 Quadratkilometer großen Gebiet vor, das größtenteils im Bale Mountains Nationalpark liegt

Dauer

Dezember 2017 bis Dezember 2020 (Verlängerung möglich)

Ziel

Nachhaltige Armutsbekämpfung sowie Stärkung von Kleinbauernfamilien in den vier Gemeinden des Adaba Distrikts bei gleichzeitiger Sicherstellung des Erhalts der Artenvielfalt und der verbleibenden Waldflächen im Bale Mountains Nationalpark.

Nachhaltige Entwicklung am Rand des Bale Mountains Nationalparks

Honigproduktion (im Vordergrund: ein traditioneller Bienenkorb) ist für die Kleinbauern in der Bale Region eine der wenigen Optionen, um ein Einkommen zu erwirtschaften

Aktivitäten

Das Vorhaben integriert mehrere Komponenten in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft mit solchen der Bewusstseinsbildung:

  • Bienenhaltung und Honigproduktion
  • Viehzucht und Viehhaltung
  • Obst- und Gemüseanbau
  • Verbesserte Kochherde
  • Bewusstseinsbildung zu allgemeiner und reproduktiver Gesundheit
  • Stärkung von Selbsthilfestrukturen und deren Vernetzung

Fortschritte

Nachdem die behördlichen, personellen und logistischen Voraussetzungen geschaffen waren, konnte das Projektteam Mitte des Jahres 2018 seine Arbeit vor Ort aufnehmen. Äthiopien hat schwierige Jahre hinter sich. Bale zählt zu den instabilen Regionen des Landes, die politische und soziale Situation ist volatil und laut Aussage der Partner vor Ort zunehmend unvorhersehbar. Zuletzt kam es Mitte November 2019 zu Unruhen, die teils ethnisch, teils religiös geprägt waren. Städte in der Umgebung von Bale wie Robe und Dodola waren betroffen, jedoch nicht die vier Projekt-standorte im Distrikt Adaba.

Bienenhaltung
Das Interesse an Bienenhaltung und Honigproduktion in der Projektregion ist sehr groß; die Umsetzung geht gut voran. 2018 identifizierte das Projektteam 107 interessierte Kleinbauern, darunter zwölf Frauen, die an praxisorientierten Schulungen teilnahmen, um sich die notwenigen Kenntnisse anzueignen. Die Schulungen umfassten die Themen Ernährung der Bienen, Honigernte und Verarbeitung des Honigs, als Voraussetzung dafür, dass die Teilnehmer eigene Bienenhaltung erfolgreich aufbauen können. Um die Imkerei als Einkommensquelle zu etablieren, unterstützte das Projekt die Kleinbauern dabei, Wildbienen schrittweise in ertragreichere Haltungssysteme zu überführen. Dazu wurden Wildbienenvölker – die traditionell in hohlen Baumstämmen gehalten werden – in Bienenstöcke umgesiedelt, die im Rahmen der der Trainings gebaut worden waren.

Viehhaltung und -zucht
Zwei Expertengruppen, bestehend aus Tierarzt, Besamungstechniker und Tierfutterexperte, sind zur Verbesserung der Rinderhaltung in den Projektdörfern gegründet worden. Die Experten haben 187 Kleinbauern identifiziert, deren Rinderbestand sich für die Einkreuzung eignet. Vorbereitende Maßnahmen für die Intensivierung des Futteranbaus wurden abgeschlossen, darunter Befragungen der Kleinbauern und die Festlegung der geeigneten Maßnahmen. Die 2019 erlebte Dürreperiode führte allerdings zu Verzögerungen bei der Einführung verbesserter Nutztierrassen. Zudem ist der Futteranbau eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Maßnahmen nur schleppend vorangekommen:

Obst und Gemüseanbau
In der Projektgemeinde Bucha profitierten im Jahr 2019 Kleinbauern, die Möglichkeiten zur Bewässerung von Kulturen haben, von Schulungen für den Anbau Obst und Gemüse. Im Rahmen eines dreitägigen, praxisorientierten Kurses wurden 64 Bauern intensiv geschult. Der Kurs behandelte etwa Fragen zur Fruchtbarkeit des Bodens und zur Bewirtschaftung verschiedener Gemüsekulturen. Nach erfolgreichem Abschluss erhielten die Teilnehmer verbessertes Saatgut, vor allem Karotten, sowie Kartoffelsetzlinge aus zertifizierter Vermehrung. Insgesamt konnten die Bauern damit rund vier Hektar Karotten und 3,5 Hektar Kartoffeln anbauen.

Verbesserte Kochherde
In einer Großveranstaltung informierten Vertreter der Behörde für Bergbau und Energie die Bevölkerung über die Vorteile von raucharmen und holzsparenden Herden. Bis Ende 2019 hat das Projekt rund 400 Familien bei der Installation von raucharmen, holzsparenden Kochherden unterstützt. Bei dem Herdmodell handelt es sich um ein einfaches, bewährtes Baukastensystem, dessen Einzelteile aus feuerfestem Zement gefertigt werden und durch die Familien unter Anleitung relativ einfach installiert werden kann.

Qualifizierung von „Peer Educators“
Der Erfolg des Konzepts der „Peer Education“, auf Deutsch etwa „Lernen unter Gleichen“, leuchtet ein: Denn gerade in ländlichen Gebieten haben interessierte Jugendliche (oder auch Erwachsene) aufgrund der vergleichbaren Lebenssituation einen deutlich besseren Zugang zu den Bewohnern ihrer Dörfer als auswärtige Experten. Nach einer Schulung werden die Peer Educators als Lernhelfer tätig, um anderen Mitgliedern der Gemeinde – auf Augenhöhe – schwierige Themen zu vermitteln, etwa auf den Gebieten Sexualaufklärung, HIV/AIDS, schädliche traditionelle Praktiken oder Familienplanung. Im ersten Projektjahr identifizierte das Team von MELCA 27 Jugendliche und 57 Erwachsene aus den vier Projektdörfern als Peer Educators, die für ihre künftigen Aufgaben als Multiplikatoren weitergebildet wurden. Das viertägige Training beinhaltete neben klassischen Schulungsinhalten auch die Vermittlung des PHE-Projektansatzes. Die englische Abkürzung für „Population, Health, Environment“ bezieht sich auf die Zusammenhänge zwischen den Themen Bevölkerung, Gesundheit und Umwelt. Nimmt die Bevölkerung zu stark zu, leidet die Gesundheit der Menschen ebenso wie die Umwelt. Der PHE-Ansatz funktioniert bei einer Reihe von Aktivitäten gut: Lokale religiöse Führer wurden konsultiert und stellen sich nun nicht mehr gegen die Kampagnen mit Fokus auf Aufklärung und Bewusstseinsbildung zur reproduktiven Gesundheit.

Aufbau von Gesundheitskomitees
2018 wurde in den vier Projektdörfern jeweils ein „Village Health Committee“ (VHC), ein Gesundheitskomitee, mit 16 Mitgliedern aufgebaut. Neben Peer Educators gehören dem VHC wichtige Vertreter der örtlichen staatlichen Institutionen (Gesundheitsamt, Landwirtschaftsbehörde etc.), religiöse Führer, sowie Direktoren der örtlichen Schulen an. „Model Women“ fungieren als Vorbilder und Vertraute für Frauen, die Ratschläge zur Familienplanung suchen. Dorfgesundheitskomitees mit Youth Peer Educators sind ein wirksamer Mechanismus, um jungen Menschen die Familienplanung zu vermitteln. Die Nachfrage nach Verhütungsmitteln hat zugenommen. Es wurden Daumenkino-Bücher für die Kampagnenarbeit der lokalen Gesundheitsbeamten bereitgestellt und Schulungen zu deren Verwendung durchgeführt. Mehr als 20 Gesundheitskampagnen wurden von Dorfgesundheitskomitees, Youth Peer Educators und Schulklubs organisiert.

Stärkung von Selbsthilfestrukturen und Vernetzung
In allen vier Projektgemeinden hat das Team Treffen mit den lokalen Kooperativen durchgeführt und diese bei der Neuwahl ihrer Gremien unterstützt; dabei wurden auch drei Frauen in die Leitungsgremien gewählt. Auf Distrikt- und Gemeindeebene sind Arbeitsgruppen gegründet worden, in denen alle wichtigen Akteure repräsentiert sind. Diese Arbeitsgruppen sollen zu der besseren Unterstützung von Projektarbeit und des Monitorings führen, sowie zur verbesserten Abstimmung unter den verschiedenen Akteuren.

Unsere Partner

Seit mehr als einem Jahrzehnt kooperiert „GEO schützt den Regenwald e.V.“ erfolgreich mit der  Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie (KKS) in Projekten in Indien; dies ist die erste gemeinsame Kooperation in Afrika. Das Großprojekt wird durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kofinanziert.

Implementiert wird das Vorhaben durch die Zoologische Gesellschaft Frankfurt, Zweigstelle Äthiopien (FZS Ethiopia), die seit 2009 als eigenständige Nichtregierungsorganisation offiziell im Land registriert ist. Maßnahmen zu den Themen Familienplanung und Gesundheitsvorsorge werden durch die erfahrene lokale NRO „Movement for Ecological Learning and Community Action“ (MELCA Ethiopia) umgesetzt. MELCA soll in diesem Großvorhaben in die Lage versetzt werden, künftig Vorhaben ähnlicher Zielsetzung in Eigenregie zu implementieren.

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