Extrem hoher Wasserverbrauch Dänische Supermärkte listen chilenische Avocados aus

Die Trendfrucht ist in Verruf geraten. Denn ihr Anbau ist enorm wasserintensiv – und führt in Chile zu akuter Wasserknappheit
Avocado

Jahrelang galt die kalorienreich-buttrige Frucht mit der schrumpeligen Schale als Heilsbringer der mangelernährten Gesellschaft. Vitamine, Omega-Fettsäuren, antibakterielle Verbindungen … besonders in den Kreisen der Pflanzenesser und besonders Gesundheitsbewussten genießt das nahrhafte, zartgrüne Fruchtfleisch den Ruf eines Alleskönners.

Doch jetzt bekommt das grüne Image der angesagten Frucht Risse. Denn sie ist zwar gut für den Menschen, der sie isst. Aber oft ist sie schädlich für die Natur, in der sie angebaut wird. Und für die Menschen, die in ihr leben und Landwirtschaft betreiben.

Das Problem: Die weltweit rasant gestiegene Nachfrage verleitet immer mehr Farmer dazu, statt traditionellen Feldfrüchten Avocados anzubauen. Einfach, weil es das lukrativere Geschäft ist. Allerdings sind Avocado-Pflanzen extrem durstig. So braucht ein Bauer für die Produktion von einem Kilo Tomaten im globalen Durchschnitt rund 180 Liter Wasser. Für ein Kilo Avocados dagegen sind es – nach Recherchen der ZEIT – tausend. Diesen gewaltigen Durst können manche Farmer nur decken, indem sie illegal Flüsse anzapfen. In Gegenden, in denen Wasser ohnehin knapp ist, können die aus dem Boden schießenden Avocado-Plantagen schnell zu einer gefährlichen Wasserknappheit führen.

Die dänische NGO Danwatch hat nun in einer Recherche aufgedeckt, welche katastrophalen Konsequenzen der Avocado-Anbau in der chilenischen Provinz Petorca geführt hat. Hier muss die Landbevölkerung inzwischen mit Tanklastzügen mit Wasser versorgt werden. Was früher im Überfluss vorhanden war, müssen die Bauern jetzt streng rationieren.

Danwatch konfrontierte dänische Supermarktketten mit den brisanten Recherchen. Und die reagierten prompt. Aldi Dänemark wies seinen Lieferanten an, keine Avocados mehr von Herstellern zu kaufen, die in illegale Wassergewinnung verwickelt sind. Und die Kette Dansk Supermarked kauft nun Avocados aus anderen Ländern oder von anderen Lieferanten.

Deutsche Supermärkte halten sich bislang zurück. Edeka erklärte auf Nachfrage, man beziehe keine Avocados aus der Provinz Petorca. Sky kauft laut seiner Pressestelle ausschließlich Avocados aus Peru.

Chile ist einer der weltweit größten Avocado-Exporteure. Und 60 Prozent seiner Produktion stammt aus der Provinz Petorca. Nach Angaben von Danwatch werden hier – statt durchschnittlich 70 Litern – 320 Liter Wasser benötigt, um eine einzige Avocado herzustellen. Zu den Schäden für den Wasserhaushalt des Landes müssen die Emissionen hinzugerechnet werden, die beim Transport nach Europa im Kühlcontainer anfallen.

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