Der populäre Irrtum Freiheit, Gleichheit, Eigentum

Wie lautete die Losung der Französischen Revolution von 1789? Darauf gibt es gar keine eindeutige Antwort

Bereits 1790 verwendete der berüchtigte Revolutionär Maximilien Robespierre in einem seiner Bücher die bekannte Parole: Liberté, égalité, fraternité. Und am 21. Juni 1793 ließ der Bürgermeister der Pariser Kommune an die Mauern des Amtes die berühmten Worte schreiben: Liberté, égalité, fraternité ou la mort - Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit oder der Tod.

Trotzdem ist es falsch, anzunehmen, der Wahlspruch der Französischen Revolution sei „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ gewesen. Laut der Historikerin Mona Ozouf war die Phrase nur eine von vielen - wie etwa auch Amitié, charité, sincérité, union (Freundschaft, Barmherzigkeit, Aufrichtigkeit und Einigkeit).

Und am 3. Juni 1793, also einige Tage vor der Graffiti-Aktion der Pariser Kommune, ließ der Bürgermeister von Étampes gar das Motto „Freiheit, Gleichheit, Eigentum“ verkünden - kein schlechter Spruch zu einer Zeit, als die meisten Bürger Habenichtse waren. Zumal in Intellektuellenkreisen das Eigentum schon vor der Revolution als Menschenrecht diskutiert worden ist.

Unstrittig ist, dass vor allem liberté ein sehr häufig gebrauchtes Schlagwort war. Die liberal denkende Bruderschaft der Freimaurer fügte dem gern noch fraternité hinzu, war aber vermutlich als relativ wohlhabender Geheimbund von égalité weniger angetan.

Offizielles Motto eines Umsturzes wird „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ erst in der zweiten französischen Revolution von 1848. Und ist bis heute der Leitspruch der Französischen Republik geblieben.

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